Piz Sardona

Alle Jahre wieder wagen wir uns traditionellerweise auf eine ambitionierte Bergtour. Ambitioniert eher im konditionellen als technischen Sinn. Die diesjährige Exkursion führt uns in Calfeisental. Mit dem Auto geht es frühmorgens hinauf nach Vättis und am Gigerwaldsee vorbei zum Parkplatz in St. Martin (noch bevor es zwei Wochen später von der Aussenwelt abgeschnitten wurde).

Geplant war eine ausgiebige Rundtour durchs ganze Tal: Zuerst zur Sardonahütte und dann in der Höhe am Nordhang über diverse Pässe zurück zum Ausgangspunkt. Beschrieben als (gemütliche) Zweitagestour, wollen wir dies in einem Tag schaffen. Ich bin erkältungsmässig leicht angeschlagen, will mir die Tour aber nicht vorenthalten. Wird mich ja wohl kaum wirklich beeinträchtigen. Ich werde noch eines besseren belehrt werden… Zuerst marschieren wir aber frohen Mutes und in herrlicher Morgenstimmung der Sardonahütte entgegen.

Morgenstimmung gegen Osten

Der Tag verspricht wettermässig einiges. Die letzten Wolkenfetzen hängen noch an den Gipfeln, werden aber wohl hoffentlich bald von der Sonne weggebrannt. Beim Aufstieg treffen wir noch einen «Feriengast» in seinem Stall und wechseln ein paar Worte über den Wolf, die Alpwirtschaft und das Kuh-Einzugsgebiet des Calfeisentals. Die Temperaturen sind noch frisch und die nassen Hosenbeine verursacht vom hohen Gras kühlen zusätzlich. Bald beginnt die Sonne zu wirken und begleitet uns bis hin zur Hütte.

Die Wokenresten werden eliminiert

Nach den ersten 800 Höhenmetern genehmigen wir uns einen Kaffee mit Rüeblitorte in der SAC-Hütte. In der Diskussion mit den Angestellten erfahren wir, dass gute Konditionen für die Besteigung des Piz Sardonas (3057 müM) herrschen. Der Weg ist nicht ausgeschildert aber gut mit Steinmandli markiert. Planänderung? Denn damit haben wir klar nicht geplant. Kurze überschlagsmässige Zeitrechnung und Entscheid, heute einen Dreitausender zu besteigen. Ein wenig Ballast lassen wir in der Hütte zurück und machen uns auf den Weg – zuerst noch gut markiert (rot/weiss/rot). Am Punkt 2328 zweigt er dann rechts ab und geht mehr oder weniger in der Fallinie Richtung Sardonagletscher. Leider verdient dieser den Namen nicht mehr wirklich: Wir gehen nur 2-3 Minuten über den Schnee.

Sardonagletscher, oder was von ihm übrig ist

Ich spüre meine Erkältung – vor allem auch in Kombination mit der Höhe. Nun beginnt aber das Kraxeln entlang der Steinmandli und ab und an gemäss den blauen Pfeilen. An exponierten Stellen sind Fixseile angebracht, so dass es vor allem eine konditionelle Frage ist. Nach den steilen und technischen Passagen müssen wir nochmals ein Schneefeld queren und sind dann auf dem Bergrücken, wo man windexponiert dem Gipfel entgegensteigt.

Letzte Höhenmeter gegen den Wind

Endlich oben! Ich habe mich schon frischer gefühlt. Trotzdem ein sehr schönes Gefühl. Aufgrund des Winds bleiben wir nicht sehr lange. Verpflegung, Gipfelbucheintrag und Aussicht geniessen muss aber drin liegen!

Erschöpft auf 3057 müM

Leider erfolgt der Abstieg zur Sardonahütte wieder über die identische Route. Obschon Mittagszeit, verpflegen wir nicht ausgiebig, sondern gönnen uns nur einen grossen Eistee. Schliesslich wollen wir den Rest der Tour noch vor dem Abend hinter uns bringen. Wir werden aber die Pässe nicht mehr mitnehmen, sondern den Höhenweg direkt zum Plattensee laufen.

Wir kommen langsamer voran als gewohnt und geplant. Trotzdem erfreuen wir uns der zahlreichen Fauna. Wir beobachten diverse Vögel inklusive Steinadler. Daneben Murmeltiere, Steinböcke und Gämsen. Leider zumeist in der Ferne und nicht so nah wie im Alpstein. Nach gefühlt ewigem Auf und Ab kommt der Plattensee in Sicht. Bei guter Verfassung hätte ich durchaus einen Sprung zur Abkühlung gewagt. So aber überlasse ich dieses Unterfangen meinem Begleiter.

Von da wählen wir den direkten Abstieg via Plattenalp, Obersäss und dem Alpweg nach Brennboden. So entkommen wir der sengenden Sonne und können die letzten Kilometer im Schutze des Waldes entlang der Tamina bewältigen. Die Strecke zieht sich aber länger hin als gemäss Karte erhofft. In St. Martin gönnen wir uns nach ca. 30 km und 1800 hm ein feines Nachtessen.

Einmal mehr eine anspruchsvolle aber schöne Runde in wunderbarer Landschaft. Rund um die Sardonahütte haben wir noch den einen oder anderen reizvollen Gipfel oder Weg entdeckt. Auch mit Überschreitungen in andere Täler und Kantone. Für mich persönlich nehme ich mit, dass eine seriöse Erkältung für solche Unterfangen nicht zu unterschätzen ist.

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Greifenseelauf 2020

Aufgrund der Corona-Pandemie sind die meisten Wettkämpfe in diesem Jahr abgesagt worden. Andere versuchen, mit innovativen Konzepten dagegen zu halten. Zu dieser Kategorie gehört auch der Greifenseelauf: Mit Startblocks à 15 Minuten und maximal 35 Teilnehmenden wird der Lauf über eine ganze Woche verteilt. Relativ spontan kann ich vier Arbeitskollegen überzeugen, um den Mittwochabend am und im Greifensee zu verbringen.

Die Strecke entspricht nicht dem traditionellen Halbmarathon, da natürlich keine Verkehrssperrung möglich ist. Stattdessen wird eng um den See gelaufen mit Start und Ziel beim Strandbad Uster, was schlussendlich 17,9 Kilometer ergibt. Da ich schon länger nicht mehr so lange gelaufen bin, mache ich am Wochenende davor eine Hauptprobe und schaffe die Strecke mit einer Pace von 4:28 min/km.

Für den Mittwochabend haben wir unsere Startblöcke individuell so gewählt, dass alle um 19:00 Uhr gemeinsam im Ziel sind. Die ersten Starter treffe ich noch bei meiner Ankunft. Die Startnummernausgabe ist bestens organisiert, jedoch hat es praktisch keine Leute durch die limitierten Startblöcke – sehr ungewöhnlich für einen solchen Laufevent. Entsprechend schnell bin ich bereit und stelle mich mit einem Arbeitskollegen in den Startbereich.

Die individuelle Laufzeit startet beim Überqueren der Startmatte und einmal mehr laufen wir zu schnell an. Wir finden dann aber bald in eine gleichmässige Pace – wenn auch weiterhin eher schnell. Die hohen Temperaturen fordern zusätzliche Energie. So nutzen wir auch alle Möglichkeiten zum «Auftanken»: einerseits die drei (vier) Brunnen entlang der Strecke sowie die eingerichtete Wasserstelle kurz vor Maur. Bis kurz nach Maur laufen wir zusammen und harmonieren bestens.

Ich kann unsere Pace weiterhin durchziehen, während mein Kollege nun abreissen lässt. Einsam aber nach wie vor kontrolliert bringe ich den Lauf ins Ziel. Der letzte Kilometer hat es aber nochmals in sich: Die Tafel scheint viel zu früh aufgestellt, so dass ich mich bereits im Ziel wähne, als es «nur noch 700 Meter» heisst. Mit einem lang gezogenen Schlussspurt, der den Namen nicht verdient, erreiche ich das Ziel in einer Zeit von 1:16:08 Stunden. Kurzfristig bin ich sogar Kategoriensieger, werde dann aber bis Ende Woche auf Rang 12 durchgereicht.

Nach der gegenseitigen Beglückwünschung folgt nun der angenehme entspannte Teil: Bad im See (mangels Duschen) und Füllen der Energiespeicher im Nooch. Mit dem gemeinsamen Revue passieren lassen bei einem feinen Nachtessen findet ein sehr gelungener Anlass seinen Abschluss.

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Ambitionierte Alpstein-Runde

Nach den 7 Churfirsten vor Jahresfrist ist es wieder an der Zeit für eine legendäre Bergtour. Am bewährten Team verändern wir nichts und auch das Wetter respektive die Temperaturen versprechen wiederum Höchstwerte über 30 °C.

Als «Spielwiese» dient uns dieses Jahr der Alpstein. Wir planen eine Rundtour mit Start und Ziel in Brülisau. Im Uhrzeigersinn geht es somit via Hoher Kasten, Stauberen, Saxerlücke, Mutschen, vorbei am Altmann, Säntis, Schäfler, Äscher zurück nach Brülisau. Die Kartenplanung sagt dazu 36.5 km und 2983 hm mit einer resultierenden Laufzeit von 15 h 4 min.

Abfahrt ist noch mitten in der Nacht und bereits auf dem Weg nach Brülisau erspähen wir aus dem Auto die erste Fauna-Perle: Ein Waldkauz beäugt uns kritisch von einem Strassenschild herab. Mit frischem Kaffee und erfrischenden Gesprächen erreichen wir Brülisau im Nu und parkieren bei der Kastenbahn. Startverpflegung, Rucksäcke richten und Schuhwerk schnüren – schon geht es im Schein der Stirnlampen um 04:33 Uhr los Richtung Hoher Kasten. Ausser einem Bauer per Velo und zwei schlafenden Personen auf der Terrasse des Berggasthaus› Ruhesitz treffen wir keine Menschenseele – was im Alpstein eher ungewöhnlich erscheint.

Morgenstimmung mit Sämtisersee

Den Hohen Kasten passieren wir noch bei Dunkelheit und machen uns direkt auf den Weg zur Stauberen. Dabei präsentiert sich der Sämtisersee in perfekt mystischer Stimmung mit letzten Nebelfetzen. Langsam geht die Sonne auf und beschert uns einen wunderschönen Sonnenaufgang im Rücken. Die Temperatur ist bereits seit dem Start sehr angenehm, so dass wir kurz/kurz unterwegs sind. Kurz vor der Stauberen treffen wir auf die nächsten Tiere: Zuerst eine Gämsfamilie mit Jungen, kurz darauf zwei Gämsen mitten auf dem Weg. Das Blickduell gewinnen wir knapp und schiessen schöne Fotos dieser eindrücklichen Begegnung. Der Zeitplan beim Eintreffen auf der Stauberen scheint perfekt: Die frischen Nussgipfel kommen direkt aus dem Ofen und werden warm heiss serviert.

Mittlerweile treffen wir vereinzelt weitere Leute auf den Wanderwegen auf dem Weg zur Saxerlücke. Der Weg auf der Krete seit dem Hohen Kasten präsentiert sich als munteres Auf-und-Ab mit einem ersten «richtigen» Abstieg zur Saxerlücke. Für uns geht es geradeaus und somit wieder bergauf zum Mutschen. Obwohl dieser nicht direkt auf unserer Route, sondern einige Höhenmeter südlich davon liegt, nehmen wir ihn mit und nutzen die sehenswerte Aussicht für eine Verpflegungsrast und einen Eintrag ins Gipfelbuch. Die Sicht ist nur Richtung Rheintal durch ein paar letzte Wolkenfetzen verhangen, ansonsten grandios und gibt den freien Blick Richtung südwest auf die Churfirsten frei.

Auge in Auge mit dem Steinbock

Wir und unsere Beine fühlen sich nach wie vor bestens und so geht es coupiert weiter zur Zwinglipasshütte. Trotz einladender Optik rasten wir nicht, sondern gehen direkt weiter Richtung Altmann respektive Rotsteinpass. Im folgenden Wegabschnitt werden wir nun mehrmals durch eindrucksvolle Begegnungen mit Steinböcken aufgehalten. Zuerst erblicken wir eine Gruppe von ca. 20 Tieren rechts vom Weg auf einer Geröllhalde am Sonnenbaden. Von links kommen weitere gut zehn Tiere hinzu und einige Exemplare dösen in unmittelbarer Nähe zum Wanderweg. Ein ganz vorwitziges Tier steht sogar mitten auf dem Weg und fordert uns wiederum zum Blickduell. Solche Begegnungen sind für mich immer wieder höchst eindrücklich und ein wichtiger Punkt einer jeden Bergtour. In einer solchen Fülle durfte ich sie aber erst ganz selten erleben.

Zuerst überlegen wir, auch den Altmann noch mitzunehmen. Die schätzungsweise zusätzlichen 40 Minuten schenken wir uns aber, da wir die Restdauer der Tour nur schwierig abschätzen können. Bisher sind wir sehr zuverlässig unter den offiziellen Zeitangaben geblieben – netto jeweils etwa mit Faktor 0.5, brutto meistens zu zwei Drittel. Während die Zeitberechnungen uns eher defensiv erscheinen (respektive wir zügig unterwegs sind), ist die Toleranzgrenze der Klassierung (weiss/rot/weiss statt weiss/blau/weiss) sehr grosszügig ausgelegt. Vor allem bezüglich Trittsicherheit und Exponiertheit verlangt gerade der Abschnitt Rotsteinpass/Lisengrat durchaus Konzentration.

Beim Abstieg zum Rotsteinpass passieren wir mehrere Gruppen und überholen respektive werden häufig vorgelassen. Hunger macht sich bemerkbar und so planen wir eine kurze Rast beim Rotsteinpass. Dort angekommen ist es uns aber zu laut und hektisch, so dass wir weiter gehen und kurz darauf einen viel idyllischeren Platz finden. Hier weht eine steife Brise, die während dem Laufen sehr angenehm ist, in den Pausen aber fast etwas frostig wirkt. Ein paar Sandwiches und Nussrollen später machen wir uns auf, den Säntis via Lisengrat zu bezwingen.

Auf dem Säntis herrscht wiederum der normale touristische Wahnsinn. Nicht ein Ort, um gemütlich zu rasten. Nach ein paar Gipfelfotos und einer WC-Pause machen wir uns auf den Abstieg. Der Einstieg respektive der Tunnel unter dem Hauptgebäude ist nicht ganz einfach zu finden. Direkt nachher geht es über diverse Leitern und Tritthilfen steil hinab. Kreuzen ist schwierig, was uns einige Wartezeiten beschert. Nach Punkt 2446 geht es ostwärts und hinab über Schneefelder. Den obligaten Hosenboden-Benetzer lasse ich nicht aus, während mein Begleiter lässig kurzschwingend den Hang passiert…

Der Weg führt nun vorbei an Höchnideri, über einen kleinen Pass und zur Öhrligrueb. Für mich der langweiligste Teil der ganzen Tour. Die Sonne brennt von hinten und die Beine sind nicht mehr ganz frisch. Nach dem Lötzisälplisattel stehen wir zuerst in einer Sackgasse, bevor wir den korrekten Weg in leichter Abweichung zur Karte weiter unten erblicken. Der nun folgende, letzte Aufstieg zum Schäfler fühlt sich an wie im Backofen: Der felsige Weg strahlt die Hitze extrem ab und von hinten knallt unbarmherzig die Sonne. Unser Tempo ist dennoch sehr hoch, was wir an der relativen Geschwindigkeit im Verhältnis zu allen anderen Wanderern bemerken.

Auf dem Schäfler gönnen wir uns einen grossen Eistee, der sogleich in unserem Rachen scheinbar verdampft. Für die Strecke zum Äscher entscheiden wir uns für die ansprechende Route unter dem Felsband, anstatt via Ebenalp. Das Publikum ist – wie erwartet – noch bunter als auf dem Säntis. Das neue Gastrokonzept gefällt uns hingegen auf den ersten Blick, wobei wir davon lediglich ein Wasser und ein Glacé konsumieren und uns dieses direkt unter dem Wegweiser vor der «Instagram-Fassade» schmecken lassen.

Äscher: «Place of a Lifetime» gemäss National Geographic

Via Bommen wagen wir den Abstieg. Da unser Auto in Brülisau steht, können wir nicht die schöne Route über den Blättli-Wald nach Wasserauen wählen, sondern gehen nordwärts nach Schwende. Dort queren wir das Bahntrassee, bezwingen die letzte Anhöhe und folgen dem Brüelbach bis zur Kirche Brülisau.

Nach netto 9:40 Stunden Laufzeit erreichen wir unseren Ausgangspunkt. Schneller als gedacht. Und klar weniger erschöpft als nach der letztjährigen Churfirsten-Tour. Distanzmässig waren es etwa gut 40 km mit gut 2800 hm. Leider hat sich der «UltraTrac»-GPS-Modus von Garmin überhaupt nicht bewährt. Dies ist aber klar zweitrangig, die überwältigenden Eindrücke der Tour sprechen für sich.

Meine Beine respektive Oberschenkel erinnern sich/mich in den folgenden Tagen noch intensiv daran. Und auch die nicht sonnencrèmeverwöhnten Stellen halten die Erinnerung an diese fantastische Tour noch einige Tage aufrecht.

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Churfirsten: Alle 7 auf einen Streich

Auf der Suche nach einer neuen sportlichen Herausforderung bin ich anfangs Jahr auf das Projekt «alle 7 Churfirsten an einem Tag» gekommen. Im Internet finden sich nicht nur einige Erfahrungsberichte, sondern auch sehr detaillierte Routenbeschriebe – insbesondere für die willkommenen Abkürzungen, da bei den Wanderwegen viele Höhenmeter verschenkt werden. Zudem konnte ich auf direkte Erfahrungstipps eines Kollegen zurückgreifen. So legte ich mir einen Schlachtplan zurecht, doch eine grosse Portion Ungewissheit und somit Abenteuer blieb glücklicherweise erhalten. An den reservierten Daten im Juni hatte es noch zuviel Schnee, so dass eine Verschiebung in den Juli nötig wurde. Und dann wurde es richtig heiss…

Ein Freund sagte spontan zu zum Abenteuer und so verabredeten wir uns am Vorabend, als die Wetterprognose Sonne ohne Gewitter voraussagte. Wobei Temperaturen bis 37 °C angesagt waren. Und eine Besonderheit dieser Route ist das Nicht-Vorhandensein von Brunnen oder Quellen, um den Wasservorrat unterwegs aufzufüllen. Letzte Besprechungen fanden beim vorabendlichen Carboloadoing mittels Spaghetti statt. Die nötige Portion Abenteuer blieb – wie bereits oben geschrieben – bestehen. In einer groben Schätzung rechneten wir mit netto zehn Stunden Laufzeit für unsere Tour von West nach Ost.

Mystische Morgenstimmung auf dem Selun-Gipfel

Wecker um 02:00 Uhr. Frühstück, Proviant richten, Wasser abfüllen. Ich gönne mir fünf Liter und fülle die Flüssigkeitsspeicher zusätzlich bis zum Start zuhause und während der Anfahrt. Mit einer Viertelstunde Verspätung auf unseren Fahrplan starten wir um 04:15 Uhr bei der Talstation der Seilbahn Selun in Starkenbach. Neben dem permanenten Parkplatz ist auch eine grosse Wiese ausgeschildert, wo wir unser Auto parkierten. Von 900 Metern über Meer geht es zum ersten Ziel Selun auf 2′204 Metern über Meer. Diese erste Etappe verläuft vollständig auf dem ausgeschilderten Wanderweg und dauert gemäss offizieller Angabe 4:15 Stunden. Diese Angabe flösst uns ein wenig Respekt ein, haben wir doch nur etwa mit der Hälfte gerechnet. In der Tat unterbieten wir die Zeitangabe deutlich und geniessen trotzdem den wunderschönen Sonnenaufgang und die mystische Stimmung. Zudem treffen wir kurz vor dem Gipfel eine ganze Schneehuhn-Familie, ansonsten lässt sich aber nicht viel Fauna blicken. In unter zwei Stunden erreichen wir mit dem Selun den ersten Churfirsten des Tages. Die Ersten auf dem Gipfel sind wir jedoch nicht, treffen wir doch auf zwei ältere Damen, die soeben ihr Biwak zusammen gepackt haben nach einer erfrischenden Nacht auf dem Gipfel.

Rechts Selun-Ostflanke, links Frümsel

Der folgende Abstieg ins Chalttal, um anschliessend auf den Frümsel zu gelangen, ist unsere grösste Unsicherheit während der Vorbereitung. Zwar soll es einige Möglichkeiten in der Ostwand des Seluns geben, einige sind aber sehr exponiert. Wir versuchen es auf ca. 1′900 müM, beurteilen die Stelle aber als zu heikel und das Risiko als zu hoch. Wir entscheiden uns, erst auf Höhe Wildmannlisloch eine kleine Abkürzung zu nehmen und via Torloch auf den Frümsel zu steigen. Dies «schenkt» uns zwar zusätzliche Höhenmeter, jedoch kommen wir auf den Flur- und Wanderwegen zügig voran. Zudem können wir so am Fuss des Bergs ein Gepäckdepot machen und einige Flaschen abladen, um durch weniger Gewicht den Aufstieg zu erleichtern. 1:40 Stunden nach dem ersten Gipfel stehen wir auf dem Frümsel und machen unseren zweiten Gipfelbuch-Eintrag.

Die direkte Traverse zum Brisi gelingt gut in Form eines flotten Stein- und Felsentanz› nach initialer Querung eines kleinen Schneefelds. Am Fusse des Bergs beurteilen wir die Möglichkeit gemäss Beschrieb, direkt aufzusteigen und anschliessend über den Grasrücken zum Weg zu traversieren. Wir sind jedoch schon ziemlich nahe beim offiziellen Weg und meinen, dass ein Aufstieg darüber effizienter und damit schneller sei mit der zusätzlichen Option eines erneuten Gepäckdepots. Um 10:00 Uhr erreichen wir bereits den dritten Gipfel und spüren die Hitze immer intensiver.

Zuestoll mit dem Direktaufstieg unter dem Felsband links im Bild

Die nun folgende Traverse zum Zuestoll und vor allem der Aufstieg unter einem überhängenden Felsband macht mir auch noch während dem Abstieg vom Brisi Sorgen, als ich krampfhaft versuche, die Wegspuren an der gegenüber liegenden Felswand zu erspähen. Wir entscheiden, vorerst an den vermeintlichen Einstieg zu traversieren und spontan zu entscheiden, ob wir wiederum den Umweg auf den offiziellen Wanderweg nehmen. Kurz nach dem Brisi-Gipfel erklärt uns ein Berggänger, dass der beschriebene Direktaufstieg der alte offizielle Wanderweg sei. Mit mehr Zuversicht nehmen wir die Traverse unter die Füsse. Beim Einstieg angekommen, entpuppt sich der Direktaufstieg als problemlos und sogar ausgebaut. Zusätzlich laufen wir dank der überhängenden Felsen im Schatten. Einzig die Option auf ein Gepäckdepot bleibt uns verwehrt. Am Mittag stehen wir bereits auf dem vierten Gipfel und haben somit klar mehr als die Hälfte der Tour geschafft.

Auf den Schibenstoll geht es entlang des offiziellen Wanderwegs. Abstieg Zuestoll ist T4 (weiss-blau-weiss) mit einigen ausgesetzten Passagen. Die steilen Abstiege kumulieren sich langsam aber sicher spürbar in den Oberschenkeln. Bis zum Rüggli müssen wir auf ca. 1′750 müM absteigen, traversieren und zum zweitletzten Aufstieg antreten. Vorher errichten wir aber noch unser letztes Depot und nehmen den Aufstieg mit leichtem Gepäck in Angriff. Trotzdem ist der Kampf gegen Hitze und Müdigkeit voll im Gang. Jeder steigt konstant in seinem Tempo dem Gipfel entgegen. Bei den gelegentlichen Verschnaufpausen lassen wir uns aber das sagenhafte Panorama nicht entgehen. Auf dem Schibenstoll kurz nach 13:30 Uhr bin ich dann das erste Mal froh, dass die Tour bald vorbei ist. Die Oberschenkel brennen und die Wasservorräte gehen langsam zur Neige.

Nach dem letzten Abstieg gönnen wir uns beim Gepäckdepot eine Mittagsrast und essen ein Sandwich, nachdem wir uns bisher mangels richtigem Hunger nur laufend mit Studentenfutter, Biberli und dergleichen verpflegt haben. Die Wasserbilanz fällt ernüchternd aus: Jeder hat nur noch etwa einen halben Liter Flüssigkeit für die letzten gut 500 Höhenmeter zur Verfügung. Der Himmel scheint unsere Zeichen erhört zu haben, schickt er doch einige Wolken, die einen willkommenen Schleier vor die Sonne zaubern.

Blick zurück vom Aufstieg zum Hinderrugg. Rechts unten das obere Ende des Gluristals.

Guten Mutes wagen wir uns an die letzte Etappe. Auf die Abkürzung (ohne merklichen Zeitgewinn) via Gämswechsel verzichten wir und finden nach kurzem Suchen den Abstieg durch Büsche und kniehohe Vegetation ins Gluristal. Nun müssen wir die Traverse zum Westaufstieg finden. Aufgrund der Taltopographie halten wir uns ganz rechts und queren dabei noch zwei Schneefelder, die wir zur aktiven Kühlung nutzen. Mit Karte sowie den ungenauen Angaben des GPS-Höhenmessers zirkeln wir uns auf ca. 1′900 müM nach Osten und finden den Einstieg in den Wanderweg. Nun ist es lediglich noch eine Frage der Kondition (und des Willens), die Ungewissheit der Weg- und Abkürzungssuche ist vorüber.

Auf dem Hinderrugg angekommen ist die Freude riesig, auch wenn wir ein Gipfelkreuz mit Buch vermissen. Kurzes Erinnerungsfoto, Zwischenzeit stoppen und weiter zum ultimativen Ziel, der Bergstation auf dem Chäserrugg. Dieser ist rein topologisch kein richtiger Gipfel (respektive Nebengipfel), zählt aber trotzdem zu den sieben Churfirsten. Und wartet zudem als Einziger mit Bahn und Restaurant auf dem Gipfel auf. Wir stillen zuerst unseren ersten Durst am Wasserhahn, bevor wir uns zur Belohnung ein Glacé mit Getränk auf der Terrasse gönnen und neben der Bergwelt die ansprechende Architektur von Herzog & de Meuron bestaunen.

In netto knapp 10 Stunden Laufzeit und brutto ziemlich genau 12 Stunden nach dem Start in Starkenbach haben wir den Chäserrugg erreicht und dabei 28 Kilometer Distanz und 3′500 Höhenmeter zurückgelegt. Mit der zweitletzten Bahn des Tages nehmen wir den Rückweg via Seilbahn, Standseilbahn und Postauto zurück zum Auto in Starkenbach in Angriff. Eine wirklich eindrückliche Tour – nicht nur wegen dem mehrere Tage anhaltenden Muskelkater in den Oberschenkeln…

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SOLA-Stafette

Alle Jahre wieder… Auch im 2019 sind wir wiederum mit zwei Firmenteams am Start. Ich laufe im schnellen Dream Team die Strecke 2 von der ETH Hönggerberg nach Buchlern. Trotz frühem Start klappt die Anreise mit ÖV problemlos und ich habe genügend Zeit für meine Vorbereitungen sowie dem gemeinsamen Einlaufen mit Roman, der fürs zweite Team die Strecke läuft.

Das Wetter spielt mit und überzeugt mit angenehmen Lauftemperaturen. Kurz vor der errechneten Zeit begebe ich mich zum Startbereich und werde Zeuge einer Slapstick-Aktion des schnellsten Schweizer Marathonläufers: Tadesse Abraham sollte von der führenden Frau übernehmen, ist aber noch halb mit Einlaufen beschäftigt. Als sie ihm das Band endlich übergeben kann, läuft er in die falsche Richtung los direkt in die Sackgasse. Mit vereinten Kräften schreien wir ihn Richtung Ausgang, so dass er nach etwa 30 Sekunden auf der korrekten Strecke ist.

Meine Ablösung ist auch relativ früh im Block und sogleich gehe ich leicht zu schnell ins Rennen. Zuerst einige Kilometer einrollen, bevor es dann hinab nach Schlieren geht. Ich fühle mich relativ gut, kann aber nicht voll aufs Tempo drücken. Zudem habe ich Respekt vor dem Schlussanstieg und will noch nicht das ganze Pulver verschiessen. Trotzdem kann ich mich gut halten und sogar erste Läufer der langsamen Welle, die 30 Minuten früher gestartet waren, überholen.

Hinab nach Schlieren lasse ich die Beine laufen und versuche, mich ein wenig zu erholen. Dies gelingt mir nicht vollständig, so dass es mit ziemlich hohem Puls durch Schlieren geht. Bereits kurz nach dem Zentrum beginnt die Steigung – und zwar nicht zu knapp. Ich achte mich, nicht voll zu überdrehen und versuche konstant die Steigung zu laufen. Noch immer bin ich am Überholen, sehne mich aber zusehends dem Ende entgegen.

Die Strecke verläuft auf bekanntem Terrain und so kann ich meine Kräfte optimal einteilen. Den Schlussspurt setze ich an, als das Buchlern-Gelände in Sichtweite kommt. Mit einer Zeit von 53:17 Minuten erreiche ich den 61. Rang auf meiner Strecke und verbessere unsere zwischenzeitliche Platzierung auf 37. Am Ende des Tages resultiert für uns der 42. Rang.

Für mich geht es direkt nachhause zum Kinder hüten, bevor wir den gelungenen Anlass am Abend mit einem gemeinsamen Nachtessen ausklingen lassen.

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SOLA-Stafette

Dieses Jahr starten wir mit zwei Firmenteams. Ich habe mir Strecke 6 von Buchlern zur ETH Hönggerberg gesichert. Ein Revival meiner ersten SOLA-Teilnahme anno 2008. Seither haben sich aber einige Strecken verändert, so auch die sechste. Und in der Vorwoche gab es wegen der Limmattalbahn-Baustelle in Schlieren nochmals eine Anpassung, so dass wir nun an einem unserer Firmengebäude vorbei rennen.

Vom Zürich Marathon vor zwei Wochen habe ich mich gut erholt, seither jedoch eher lockere Trainings gemacht. Die 10.47 km und 230 hm sollte ich dennoch gut überstehen. Meine ungefähre Startzeit ist kurz nach 11:00 Uhr morgens. Ich fahre mit dem Roller zur ETH Hönggerberg und von dort mit dem Bus hinüber zur Buchlern. Dort treffe ich auf meine beiden Fans in Form meiner Eltern. Noch bleibt Zeit für einen kurzen Schwatz, letzte Getränke sowie eine WC-Pause. Kurz vor 11:00 Uhr reihe ich mich in meinen Startsektor ein.

Marco kommt auf die Minute pünktlich gemäss Fahrplan und bei schönstem Sonnenschein nehme ich den Stafettenstab entgegen und entschwinde sogleich mit einem veritablen Startsprint. Wie immer bei der SOLA bereits von Beginn weg im nahezu roten Bereich, voll auf Tempo laufend. Das Profil sollte bis nach Schlieren eher bergab  gehen, trotzdem werde ich noch von ein paar kleineren Steigungen überrascht. Trotzdem kann ich meine Pace klar unter 4:00 min/km halten und bin ständig am Überholen – zumeist aber Läufer der langsamen Teams. Einen Rhythmus finden ist schwierig und so lasse ich meine Beine so gut als möglich laufen. Dies gelingt natürlich vorzüglich hinab nach Schlieren.

Die Strassenquerungen werden jeweils von Helfern gesichert und die Bahngleise werden mittels Brücke überquert. Dann hinab am Firmengebäude vorbei und ab Richtung Limmat. Beim Wasserposten kurz vor dem Fluss gönne ich mir ein Wasser sowie einen Schwamm und mache anschliessend Tempo der Werdinsel entgegen. Ich fühle mich gut und möchte den Motor noch nicht überdrehen – im Wissen, dass die brutale Steigung alsbald folgt. Meine Erkältung, die mich kurz nach dem Marathon getroffen hat, ist noch immer spürbar und schränkt mich leicht ein.

Nach der Querung der Limmat befinden wir uns sehr bald am Fuss der Steigung. Nach den ersten paar Höhenmetern sehe ich meine Eltern ein zweites Mal und nehme die netten Worte mit in den Anstieg. Zwischendurch mache ich kurze Gehpausen. In der Vorwoche habe ich diesen Teil der Strecke besichtigt und kenne die Steigung. So teile ich es gut ein und kann mich motivieren, einige Abschnitte zu laufen. Oben angekommen finde ich ziemlich schnell wieder das Tempo und sprinte der ETH entgegen. Kurz bevor das Gelände in Sicht kommt, werde ich das einzige Mal auf der ganzen Strecke überholt – jedoch von einem Läufer eines langsamen Teams.

Vor dem Übergabebereich wartet die letzte Steigung, um das Gelände von oben her anzulaufen. Ich setze zu den letzten Überholmanövern an, ein richtiger Schlussspurt will mir aber dann erst im flachen Teil kurz vor Übergabe gelingen. Erschöpft übergeben ich den Stab, schicke noch ein paar nette Worte hintendrein und geniesse anschliessend die Stimmung und die Sonne auf dem Kunstrasen.

In 43:52 Minuten erreiche ich den 31. Rang auf meiner Strecke. Gesamthaft klassieren wir uns am Abend im Rang 70, nachdem wir am Mittag zwischenzeitlich auf Position 25 waren. Mit Apéro und Nachtessen beschliessen wir eine weitere Ausgabe des Teamevents wo der Spass klar im Vordergrund steht – die Klassierung wollen wir nächstes Jahr dennoch verbessern.

 

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Zürich Marathon

Zum diesjährigen Zürich-Marathon melde ich mich am letztmöglichen Termin eine Woche vor dem Rennen an. Eine nicht optimale Vorbereitung mit Achillessehnenproblemen anfangs Jahr und teilweise ungenügend Zeit für Trainings sorgen für Unsicherheit. Ich kann zwar sowohl die langen Läufe als auch die Intervalltrainings alle absolvieren, aber die mittleren Läufe kriege ich nicht alle unter. Und als dann noch ein Long Jog in der Hitze mit zu wenig Flüssigkeit und Essen ziemlich misslingt, zweifle ich zusätzlich. Jedoch geben mir sowohl die guten Trainings als auch die Erfahrung Zuversicht und als sich das Wetter perfekt ankündigt und der letzte Long Jog gut verläuft, entscheide ich mich zur Teilnahme. Der richtige Entscheid…

In den Tagen zuvor gibt es viel Kohlehydrate und am Vorabend quartiere ich mich wiederum bei den Eltern in Zürich ein. Tagwache ist um 06:00 Uhr mit perfektem Sonnenaufgang über dem Zürichberg. Heute soll es bis zu 28 °C werden. Somit ist die Devise, früh zurück im Ziel zu sein. Frühstück (Zopf mit Honig und eine halbe Banane), Tenüvorbereitung, Toilette und um 07:45 Uhr auf den Shuttlebus ab Strassenverkehrsamt zum Startgelände. Dreissig Minuten vor dem Start nochmals eine halbe Banane und die Flüssigkeitszufuhr weiterhin hoch halten. Im roten Startblock treffe ich auf bekannte Gesichter und stehe anschliessend kurz vor den 3-Stunden-Tempomacher ein, um vor dem Pulk laufen zu können. Trotz suboptimaler Vorbereitung, möchte ich wiederum die 3-Stunden-Schallmauer anpeilen. Entgegen der teilweisen Unsicherheit bezüglich meines Formstands freue ich mich extrem auf den Lauf. Wetter super, Magen (noch) bestens und top motiviert fiebere ich dem Startschuss entgegen.

Um Punkt 08:30 Uhr geht es los. Direkt hinter der Elite dauert es nur wenige Sekunden, bis ich die Startmatte überquere und ins Zuschauermeer rund um Bürkliplatz und Bellevue eintauche. Bereits bei der Quaibrücke erspähe ich meine persönlichen Fans ein erstes Mal und verabschiede mich sogleich auf die Ehrenrunde Richtung Bahnhof Tiefenbrunnen. Meine Taktik sieht vor, mindestens bis zur Halbmarathon-Marke – besser noch bis nach Meilen (Kilometer 25) – keine Reserven anzubrauchen mit konstanter Pace so um die 4:10 min/km. Dies ist nicht nur eine utopische Wunschvorstellung sondern gelingt vorerst exzellent, auch wenn ich zu Beginn wie gewohnt deutlich schneller unterwegs bin. Bald findet sich eine lose aber ziemlich konstant laufende Gruppe. Erneut passiere ich das Bellevue und biege ein in die Bahnhofstrasse – wohl wissend, dass diese Schleife am Schluss schmerzhafter sein wird als jetzt. Ich präge mir ein paar Stellen ein, um für die Schlusskilometer motivierende Anhaltspunkte zu haben.

Kurz vor der Viertelmarathon-Marke wird der Start nochmals überquert, bevor wir vorbei an Bürkliplatz, Quaibrücke, Bellevue, Opernhaus und Bahnhof Tiefenbrunnen hinunter nach Meilen geschickt werden. Der Wind ist heute durchaus ein Thema und äussert sich als Gegenwind auf dem Hinweg – zumindest psychologisch geschickt. Ich versuche teilweise im Windschatten zu laufen, führe aber oft, um entstandene Lücken zu schliessen. Ich fühle mich nach wie vor super, nutze jedoch jede Verpflegungsmöglichkeit, wo ich mir ein paar gehende Sekunden für die Verpflegung gönne. Von Beginn weg nehme ich Wasser und sobald es hat (Kilometer 15) auch zwei Bissen Riegel. Der Magen spielt bestens mit und auch die Blase lässt mich nach initialem Drang in Ruhe.

Die steigenden Temperaturen sind spürbar, dank regelmässigem Wasserkonsum geniesse ich aber vorwiegend Sonnenschein und trockene Verhältnisse – ein krasser Kontrast zur Teilnahme im 2016! Das zweite Viertel laufe ich ziemlich genau eine Minute langsamer als alle anderen Viertel. Witzig ist, dass Viertel 1, 3 und 4 sekundengenau gleich schnell sind. Die langsamere Pace auf den Kilometern 10-20 erkläre ich mir einerseits durch meine aktive Drosselung (keine Kräfte vorschnell verbrauchen), anfängliches Gedränge bei der Verpflegung sowie mit dem Gegenwind. Die Halbmarathonmarke passiere ich in 1:28.52 und somit mit einer guten Minute Reserve – noch kein komfortables Polster.

Weit vor Meilen kommt die Spitze entgegen. Schrittweise auch die weiteren Spitzenläufer sowie die führende Frau und spätere Siegerin Maude Mathys. Dan sehe ich extrem weit vorne, Marco scheine ich verpasst zu haben. Denn bereits biege ich in die Kehrschleife in Meilen ein und geniesse die laute Musik und die zahlreichen Zuschauer. Kurz ein Wasser und ab auf den Rückweg in die Stadt.

Nun darf ich gemäss meiner Taktik die Handbremse lösen. Mit gutem Gefühl laufe ich die Kilometer deutlich unter 4:10 Minuten und überhole einige Eliteläuferinnen. Ein gutes Zeichen, dass ich das Rennen bisher richtig eingeteilt habe. Mein Verpflegungskonzept behalte ich ebenfalls bei und habe keinerlei Probleme damit. Ab und an bieten auch Anwohner am Strassenrand Wasser an, wovon ich einmal Gebrauch mache. Noch immer säumt sich das Feld der Läufer auf der linken Seite Richtung Meilen, wo mir auch prompt ein Arbeitskollege kurz zuruft. Dann dünnt sich die Läuferschar aus, bis schliesslich der Besenwagen passiert. In Erlenbach sehe ich wieder meine Eltern. Auf dem Hinweg haben sie mich um ein paar Meter verpasst. Gutes Fotoshooting mit breitem Grinsen auf dem Gesicht.

Da ich mich weiterhin so gut fühle, kommen auch erste Zweifel auf, ob nicht plötzlich der Hammermann hinter der nächsten Kurve auf mich wartet. Parallel dazu beginnen die Rechenspiele: Welche Pace reicht, um unter drei Stunden im Ziel zu sein? Vorerst sind es 4:30 min/km. Doch bereits kommt wieder der Bahnhof Tiefenbrunnen ins Sichtfeld. Beim Verpflegungsposten kurz vorher habe ich die letzte Gelegenheit wahrgenommen und mir einen Notfallgel gekrallt, den ich als Gegenmittel zum möglichen Hammermann ins Ziel tragen will. Ab Bahnhof Tiefenbrunnen reicht mir bereits eine Pace von 5:00 min/km und ab da bin ich sehr sicher, dass ich meiner dritten Sub-3-Zeit entgegen laufe. Ich nehme mir vor, die letzten Kilometer durch die Zuschauermassen in der Innenstadt möglichst zu geniessen.

Leichter gesagt als getan: Nun wird es wirklich hart. Zwar kein plötzlicher Hammermann, aber dennoch sind die Beine unnötig schwer. Und nach Bellevue und Quaibrücke erwartet mich auch noch die unnötige Zusatzschleife zum Hauptbahnhof. Trotzdem geniesse ich die Anfeuerungsrufe, kann mich aber nur noch mit einem gequälten Lächeln bedanken. Anfangs Bahnhofstrasse passiere ich das bereits zu Beginn wahrgenommene Schild «39″. Beim erneuten Rechenspiel zeigt sich, dass die Sauerstoffversorgung meines Hirns nicht mehr optimal ist: Bei noch 18 verbleibenden Minuten und zwei Kilometern schliesse ich, dass ich nun 9:00 min/km laufen darf. Der Fehler ist offensichtlich: es sind noch gut drei Kilometer bis ins Ziel. Beim Wendepunkt Nähe Hauptbahnhof bemerke ich meinen Fehler, was die Motivation nicht gerade steigert. Aber auch so bleibt noch genügend Spielraum.

Leider muss ich nun meinen Mitläufer, mit dem ich seit Höhe Opernhaus unterwegs bin, langsam ziehen lassen. Die Pace bricht zwar nicht völlig ein, aber ich bin nicht mehr in der Lage, mich zu steigern. Ein letztes Wasser mit Gehpause kurz vor dem Bürkliplatz, den Gel brauche ich aber nicht. Mit letzten Kräften hinein in den langgezogenen Schlussspurt und ins Zuschauermeer. Eine Arbeitskollegin nehme ich noch wahr, aber meine Eltern kurz vor dem Ziel werden bereits ein Opfer des Tunnelblicks. Erst als ich die Ziellinie überquert habe, kommt das Bewusstsein, das grosse Ziel erreicht zu haben – «Sub 3″! Nun geniesse ich den Moment, die Sonne und meine schweren Beine.

Ich bin vorbehaltlos zufrieden, auch wenn eine Steigerung am Schluss nicht mehr drin gelegen ist. Das Rennen bin ich extrem konstant gelaufen und die zweite Hälfte sogar eine Minute schneller als die erste. Schlussendlich resultieren 2:56.41,6 Stunden. Meine Bestzeit habe ich um knapp 40 Sekunden verpasst. Wenn mir jemand diese Zeit am Start angeboten hätte, wäre meine Unterschrift sicher gewesen – gerade auch aufgrund der Tatsache, dass ich anfangs Jahr wegen der Achillessehne überhaupt nicht trainieren konnte und auch sonst die Vorbereitung nicht perfekt war.

In meiner Alterskategorie erreiche ich den 31. Rang von 535 Klassierten. Gesamthaft den 72. Rang und somit Top 100. Zufrieden und nach wie vor ein bisschen ungläubig schlendere ich zurück zum Bahnhof Enge.

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NightRun Glattzentrum

Am Abend nach dem Männedörfler Waldlauf gibt es nochmals 10 Kilometer in Wettkampftempo. Ich habe mich zusätzlich zum NightRun im Glattzentrum Wallisellen angemeldet. Dabei müssen zwei Runden à fünf Kilometern auf einem abwechslungsreichen Kurs ums Einkaufszentrum absolviert werden. Der Start ist bei Dunkelheit um 20:20 Uhr und die Strecke dabei teilweise beleuchtet.

Es wird geraten, mit Stirnlampe zu laufen. Aufgrund von Erfahrungsberichten entscheide ich mich dagegen – eine mässig gute Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Der Lauf ist klar ein Erlebnislauf mit viel Musik, Party und bunten Lichtern. Durch das Organisationskomitee sind jedoch auch jeweils ein paar Spitzenläufer aus der Triathlonszene dabei.

Ich reise komfortable mit dem Auto an, hole die Startnummer und erledige noch ein paar Einkäufe, bevor ich mich im Auto umziehe. Der Start ist direkt vor dem Haupteingang und nach einem kurzen, animierten Aufwärmen darf eingestanden werden. Ich positioniere mich vorne, direkt hinter der Elite und den vorderen Couple-Läufern (Stafette mit je einer Runde). Nach dem Startschuss geht es zuerst verwinkelt durchs Parkhaus, bevor wir auf einen Naturweg in die Dunkelheit einbiegen. Die Spitze zieht rasch weg und ich kann mich dahinter mit einigen Läufern positionieren. Noch hat es durch Begleiter sowie vereinzelte Stirnlampen genügend Licht, so dass ich mir den Kurs einprägen kann.

Bald zieht sich das Feld in die Länge und ich habe einige Meter Freiraum vor und hinter mir. Auf dem Rückweg der Schleife geht es durchs Wohnquartier, wo auch mitten in den Häuserblocks eine zusätzliche Schleife gelaufen wird. Dort ist die Strecke auch gut beleuchtet und klar markiert. Nur teilweise muss man bei Richtungswechseln extrem aufpassen, dass man die richtige Spur erwischt, geht es doch an Veloständern, Hauseingängen, Baustellen und unter Unterführungen durch.

Kurz vor Ende der ersten Runde bin ich ziemlich alleine und muss eingangs Glattzentrum prompt im Vorbeilaufen einen Streckenposten nach dem Weg fragen. Einfach im Parkhaus Richtung Haupteingang. Und so passiere ich den Start und werde auf die zweite Runde geschickt. Und in dieser hat es vor allem die erste Hälfte in sich: Mit ans Licht gewöhnten Augen in der Dunkelheit bin ich froh, den Streckenverlauf in der ersten Runde einigermassen eingeprägt zu haben. Trotzdem gibt es ein paar schwierige Passagen wir Brücken oder ganz gemein die Fotostation mit Blitz und anschliessender 90-Grad-Kurve.

Inklusive einem Becher Isostar meistere ich die halbe Runde souverän und kann die Pace auf auf dem Schlussabschnitt fast halten. Dies ist nicht selbstverständlich, bin ich doch bereits im Slalom-Modus, um die langsamen Läufer möglichst effizient zu überholen. Gar nicht so einfach bei den zahlreichen Verengungen und Richtungswechseln.

Kurz vor Schluss werde ich noch überholt, kann jedoch souverän kontern und zu einem langgezogenen Schlussspurt ansetzen. Mit gutem Gefühl laufe ich ins Glattzentrum ein und klatsche auf dem roten Teppich noch einige Kinderhände ab, bevor ich in 37.46,1 Minuten ins Ziel einlaufe. Dies bringt mir den 11. Rang von 243 Teilnehmenden ein. Mit dem Lauf bin ich zufrieden und gönne mir noch ein paar Stück Kuchen im Zielraum.

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Männedörfler Waldlauf

Nachdem ich den Lauf letztes Jahr ausgelassen habe, ist es nun an der Zeit, meinen neuen Heimlauf direkt vor der Haustür zu bestreiten. Speziell ist heuer, dass ich am Abend einen weiteren 10-km-Wettkampf bestreite und somit einen Halbmarathon in zwei Etappen laufe. Dies als Vorbereitung auf dem möglichen Weg zum Zürich Marathon.

Bestes Laufwetter erwartet uns und auch die Wege sollten trocken sein. Fast perfekte Voraussetzungen also. Ich reise mit Bus und zu Fuss an und treffe auf Dan und Guido. Kurzer Schwatz, Tenü anziehen (kurz/kurz) und ein kurzes Einlaufen, bevor wir uns an die Startlinie stellen. Das Teilnehmerfeld scheint kleiner zu sein als auch schon.

Unmittelbar nach dem Startschuss ermahne ich mich nochmals, nicht zu schnell anzugehen. Die Verengung und der initiale Anstieg machen es leicht, den Motor zu überdrehen. Ich halte mich zurück und lasse Dan rasch ziehen. Das Gefühl ist gut und so laufe ich stets mit etwas Reserve und beabsichtige, nie in den roten Bereich zu gehen.

Bereits bei Kilometer 1 sehe ich Silja und Carla ein erstes Mal. Schön, beim Heimspiel Fans am Streckenrand zu haben! Ich bleibe im Flow und nutze die Bergab-Passagen, um Tempo zu machen. Nach der Kehrschleife Richtung Oetwil warten meine Fans ein zweites Mal, wo ich mir die Zeit nehme, Carla kurz zu begrüssen. Mit weiterhin gutem Gefühl geht es der Hauptsteigung entgegen. Auf der Geraden dorthin kann ich nochmals Kräfte sammeln. Auch bergauf überdrehe ich nicht und bleibe innerhalb der Limiten.

Beim finalen Waldstück meldet sich mein Magen. Dadurch bin ich auf den letzten Kilometern ein wenig eingeschränkt und muss leicht reduzieren. Trotzdem bringe ich das Rennen den Umständen entsprechend in guter Zeit nachhause. Kurz vor und im Ziel treffe ich wieder meine Familie und wir reisen anschliessend mit dem Bus zurück.

Mit meiner Zeit von 47.05,4 Minuten erreiche ich den 17. Rang von 83 Läufern meiner Kategorie. Meine langsamste Zeit auf dieser Strecke bisher – teilweise den Umständen geschuldet.

 

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Pfäffikersee-Lauf

Einmal mehr der Pfäffikersee-Lauf zum Saisonabschluss. Ein würdiges Finale einer super Saison in gewohnter Laufumgebung. Auch wenn mein Trainingsrevier sich leicht verschoben hat, so kenne ich die Wege um den Pfäffikersee bestens und bin mit den Tücken der Strecke vertraut.

Das Laufwetter präsentiert sich nach heftigem Regen am Vorabend nahezu perfekt. Bedeckter Himmel bei angenehmen Temperaturen. Schon vor dem Lauf treffe ich Cesco und so vergeht die Zeit bis zum Start wie im Flug. Ich reihe mich ziemlich vorne ein im Wissen, dass die ersten zwei Kilometer eher eng für die Läuferschar sind.

Dank meiner guten Startposition komme ich relativ gut weg und kann sofort eine Sub-4-Pace laufen. Mein Schlachtplan ist, nach einem üblicherweise zu schnellen Start eine 4er-Pace zu laufen und in der zweiten Hälfte aufdrehen, was noch möglich ist. Doch die Pace bleibt konstant unter vier Minuten und ich fühle mich bestens.

Bereits in Pfäffikon ist das Feld ziemlich auseinander gezogen und das Laufen auf den eher schmalen Kieswegen trotz Spaziergänger und Wasserpfützen gut möglich. Zwischen Pfäffikon und der Steigung nach Ruetschberg ziehe ich meine obligate Konsolidierungs-Phase ein und versuche, möglichst konstant zu laufen. Auch dies gelingt mir gut mit einem schnellen Tempo. Und als die Steigung vergleichsweise sehr leichtfüssig dahinschmilzt, kommt immer mehr Freude auf.

Jetzt nur noch die Zusatzschleife und dann wieder hinunter zum See. Bergab schaffe ich es nicht wie sonst üblich, reichlich Tempo zu machen, sondern muss sogar einen Konkurrenten überholen lassen. Auch am See entlang Richtung Wetzikon beisse ich nochmals ziemlich, um dran zu bleiben. Ein Blick auf die Uhr und eine überschlagsmässige Rechnung zeigt aber, dass ich auf PR-Kurs bin. Also nochmals alle Kräfte mobilisieren – schliesslich sind es nur noch zwei Kilometer.

Kurz vor dem Ende der Naturschutzzone dann eine unschöne Szene: Rettungskräfte, Polizei und ein Rega-Helikopter mitten auf dem Weg. Die Polizei lotst uns dicht am Helikopter über das Moor, das spätere Feld wird grossräumiger umgeleitet. Ich sehe gerade noch, wie der Sportler in den Heli geladen wird und wünsche stumm alles Gute im Vorbeigehen. Die Szene beschäftigt mich ziemlich, aber schliesslich ist die Person in besten Händen, so dass ich mich auf den Schlussspurt fokussieren sollte.

Zusammen mit drei weiteren Läufern biege ich auf die Motorenstrasse ein: Die bestens bekannte und viel zu lange Zielgerade. Mein Puls ist hoch, die Flasche ziemlich leer. Trotzdem gelingt es mir, auf die zweite Position unserer Vierergruppe zu laufen. Und dank den zahlreichen jubelnden Zuschauer links und rechts kann ich sogar noch einen ungeahnten Turbo zünden: Mit einem herzhaften und langen Sprint distanziere ich die Gruppe und laufe in persönlicher Bestzeit von 46.47,6 Minuten ins Ziel. Dies bringt mir den 14. Kategorienrang bei 219 klassierten Teilnehmern ein.

Im Ziel bleibt Zeit, mit Cesco, Ralph und Bea die Saison Revue passieren zu lassen und Zukunftspläne zu schmieden. Trotz super Form schliesse ich die Saison ab. Reizen würde mich ein (flacher) Marathon trotzdem noch, um zu schauen, was in dieser Verfassung drin liegt.

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