Big Island

Im Gegensatz zu Maui hatten wir Big Island von Anfang an geplant. Die Anreise erfolgt wiederum mittels kurzem Hüpfer von Honolulu nach Hilo. Dort fassen wir einen Mietwagen – dieses Mal einen SUV mit AWD. Und einmal mehr macht Alamo einen ausgezeichneten Job.

Wir fahren mehr oder weniger direkt zu unserer Unterkunft – einem Bed & Breakfast sehr nahe des Volcano Nationalparks. Das B&B wird von einem russischen Paar geführt, wobei Leon bereits sehr lange in den USA wohnt. Das Haus liegt ziemlich abgelegen mitten im Regenwald und um es zu erreichen, müssen wir für eine kurze Strecke gegen den Auto-Mietvertrag verstossen und über eine Kiesstrasse fahren. Marina und Leon erwarten uns bereits und führen uns in unser Reich für drei Nächte. Wir haben den gesamten unteren Stock für uns und können auch die Küche und die Terrasse oben benützen. Zudem ist Leon professioneller Reiseführer und versorgt uns umgehend mit ersten Tipps.

Wir fahren noch am ersten Abend nach dem Nachtessen zum aktiven Vulkan Kilauea. Im Dunkeln ist die rote Lava-Wolke eindrücklich erkennbar. Trotz leichtem Nieselregen ein super Naturschauspiel, das Eindruck macht. Noch nie war ich so nahe an einem aktiven Vulkan.

Am kommenden Tag erkunden wir den Nationalpark bei Tageslicht. Sehr eindrücklich sind die Dämpfe und Gase, die aus Löchern und Ritzen im Boden aufsteigen und teilweise fürchterlich nach Schwefel stinken. Vom Kraterrand kann man wunderschön die Caldera bewundern, die leider fürs Wandern wegen den gefährlichen Dämpfen zurzeit gesperrt ist. Wir reihen alternativ einige kleinere Trails aneinander und erkunden so einen Grossteil des Gebiets zu Fuss. Auch das Visitor’s Center sowie das Jaggar Museum bieten wertvolle Zusatzinformationen. Wie immer erläutern die anwesenden Rangers gerne Details und geben Tipps für die Besichtigung.

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Wir folgen am Nachmittag jedoch dem Tipp von Leon und machen uns auf Richtung Süden: Wir wollen mit dem South Point von Big Island den südlichsten Punkt der USA besuchen. Zuerst auf einer Haupt- und anschliessend auf einer holprigen Nebenstrasse erreichen wir den Parkplatz mit den steilen Klippen. Einheimische Kinder sind dabei, von den knapp 10 Metern hohen Klippen ins Meer zu springen. Leider haben wir keine Badesachen dabei, denn der Sprungplatz sieht wirklich verlockend paradiesisch aus. So bleibt es beim Zuschauen und Fotos machen. Den Green Sand Beach ganz in der Nähe schenken wir uns dann jedoch, da wir weder drei Meilen zu Fuss gehen noch 15 Dollar pro Person für den Hillbilly-Transport bezahlen wollen.

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Der Samstag soll unser grosser Wandertag werden: Wir wollen den weltgrössten (aktiven) Vulkan Mauna Loa zu Fuss erklimmen! Leon hat uns zwar ganz klar gesagt «forget about it», doch dies basiert auf seinem Unwissen, dass es einen offiziellen Wanderweg gibt. Wir brüten in den Vortagen intensiv über den Wetterprognosen und identifizieren das Wetter zusammen mit der Höhe (4′170 Meter über Meer) als grössten Risikofaktor. Beim Besuch des Nationalparks suchen wir auch noch das Backcountry Office auf und diskutieren unseren Plan intensiv mit den anwesenden Rangern, die uns wertvolle Tipps geben und uns eher ermuntern als entmutigen. Am Vorabend wird nach abermaliger Konsultation des Wetters, intensivem Kartenstudium und Internetrecherche der definitive Entscheid gefällt: Wir versuchen es!

Zu unchristlicher Zeit geht es mit dem Auto los bis zum kleinen Parkplatz unterhalb des Observatoriums auf gut 3000 Metern über Meer. Die Anfahrt verläuft problemlos durchgehend auf asphaltierten Strassen. Noch sind einige Wolkenfetzen zu sehen, doch «unsere» Seite des Vulkans scheint offen zu sein. Der Wind bläst jedoch extrem und die Temperatur ist merklich zurückgegangen. Angesichts dieser Verhältnisse geniessen wir unser Morgenessen im Auto mit Blick auf den Mauna Kea gegenüber. Ich habe schon in schlechterer Kulisse gefrühstückt…

Wir verspüren beide keine körperlichen Beschwerden bezüglich Höhe und geniessen die Ruhe vor dem Sturm. Dass dies noch wörtlich ausgelegt werden wird, wissen wir zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. Um 8:00 Uhr machen wir uns auf den steinigen Weg, die gut 1000 Höhenmeter zu bezwingen. In herrlichem Panorama ohne Leute weit und breit folgen wir den Steintürmchen, welche den Weg markieren, zum Gipfel.

Je höher wir steigen, desto näher kommen die Wolken. Es mag sie zwar auf unserer Lee-Seite fortlaufend wegblasen, doch kurz unterhalb der Caldera tauchen wir ein. Konnten wir vorhin stets den Weitblick zum Mauna Kea und hinab ins Tal schweifen lassen, beträgt die Sichtweite abrupt nur noch 50-100 Meter. Wir beraten das weitere Vorgehen und entscheiden uns dann, vorerst weiterzugehen. Und kurz nach dem Passieren der 4000er-Marke entdecken wir den wohl stilvollsten Ort für die gepflegte Morgentoilette. Logisch, dass ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lasse. 😛

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Bei der anschliessenden Weggabelung mit Sicht in die Caldera kann man entweder zum Campingplatz mit Baracken oder zum Gipfel (auf der gegenüberliegenden Seite der Caldera) abzweigen. Wir schreiten wacker voran Richtung Gipfel. Nach knapp 500 Metern wird der Nebel dichter, wir sehen teilweise nur noch 20-50 Meter in einem unbekannten Gebiet mit Felsspalten und scharfer Aa-Lava. Wir machen eine Denkpause und analysieren die Lage. Noch bevor wir einen definitiven Entscheid fällen, setzt der Regen ein und nimmt ihn uns ab. Wir haben lediglich Regenjacken und keine -hosen dabei und auch wärmende Kleidung ist nur begrenzt vorhanden. Zudem fühlen wir uns bei diesen Sichtverhältnissen in unbekanntem Gebiet nicht wohl. Sehr schweren Herzens (so kurz vor dem Ziel!) treten wir den geordneten Rückzug an. 🙁

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Wir kommen zügig voran und sind schon fast beim Parkplatz, als wir vermehrt Donnergrollen hören, das immer näher kommt. Schnell identifizieren wir die Gewitterzelle (nachdem wir zuerst meinten, es wird im nahen Militärgelände gesprengt), die sich bedrohlich zwischen uns und dem rettenden Auto aufbaut. Schlussendlich dreht sie jedoch leicht ab und wir müssen uns nicht im munteren Blitzhüpfen zwischen den Felsen üben. Lediglich nass und ein wenig abgekühlt steigen wir in unseren zuverlässigen Buick, schlängeln uns die Passstrasse des Mauna Loas hinunter und direkt vis-à-vis diejenige des Mauna Keas hinauf – jedoch nur bis zum Besucher-Informationszentrum. Da anschliessend ein ungeteertes Strassenstück folgt, ist die Zufahrt zum Gipfel nur für 4WD-Fahrzeuge empfohlen und von den meisten Vermietern auch via Mietvertrag verboten. Vorerst halten wir uns daran und sehen zudem im Informationszentrum ein aktuelles Bild des Wetterradars mit einem roten Kern über dem Mauna Loa. Trotz fortwährenden Zweifeln scheint die Entscheidung richtig gewesen zu sein.

Bevor wir heimwärts fahren, geht es noch zum neusten Lavastrom, der 2012 am südöstlichen Punkt der Insel ins Meer geflossen ist und dem Staat einige Hektaren neues Land beschert hat. Durch Hinweisschilder kommen wir zu Gerys Haus, der laut eigenen Angaben ein «Lava-Problem» hat und süchtig nach dem flüssigen Gestein ist. Sein Haus wurde 2012 durch die Lava zerstört, so dass er sich daraufhin ein neues auf dem ausgekühlten Lavafeld gebaut hat. Er zeigt uns eindrückliche Bilder (und möchte diese auf einer DVD auch verkaufen) und erzählt lebhaft, wie er in und mit der Lava lebt – ein wahrer Lebenskünstler. Auch momentan gibt es einen aktiven Lavastrom, der jedoch öffentlich nicht zugänglich sich weiter oben gemächlich seinen Weg bahnt.

Der folgende Tag soll – zumindest was die körperliche Ertüchtigung angeht – nicht mehr ganz so intensiv werden. Wir nutzen unseren Transfer nach Waikoloa (Westküste) und machen eine Sightseeing-Tour per Auto mit Fokus auf die Ostküste. Zuerst geht es zu den «Rainbow Falls» und den dahinter liegenden «Boiling Pots». Ein bisschen Wildwasser, das mich nicht richtig überzeugen kann. Viel besser gefallen mir weiter nordwärts die «Akaka Falls«: Richtig im Regenwald gelegen fällt das Wasser wunderbar 129 Meter in die Tiefe. Den Abschluss der Tour bildet das Waipia-Tal, das wir von hoch oben begutachten. Hinunter müsste man entweder laufen oder ein 4WD-Fahrzeug besitzen. Anschliessend geht es einmal quer durch die Insel zu unserer neuen Unterkunft im Marriott auf der Westseite.

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Dort werden wir erstmals von sehr viel Regen begrüsst. Wir erhalten ununterbrochen Springflut-Warnungen auf unsere Telefone (ich habe diese iPhone-Funktion noch gar nicht gekannt 😉 ) und müssen auf den letzten Meilen sogar unsere Geschwindigkeit mangels Sicht drosseln. Auch der nächste Tag ist völlig verregnet, so dass wir lediglich eine kurze Ausfahrt nach Kona unternehmen. Die Hotelanlage inklusive Poollandschaft können wir aber trotzdem oder eben erst recht ausgiebig geniessen.

Die Regenmenge ist für die hawaiianischen Inseln bemerkenswert bis verheerend: Mehrere Strassen und sogar der berühmte Waikiki Beach in Honolulu müssen gesperrt werden, da die Kanalisation überläuft und ins Meer fliesst.

Am letzten Big-Island-Tag wollen wir es aber nochmals wissen und die «verlorenen» Stunden nachholen. Frühmorgens fahren wir ab ins Zentrum der Insel auf das Dach von Hawaii: Wir «erklimmen» den Mauna Kea und essen nach erfolgtem Gipfelsturm auf einem Parkplatz kurz unterhalb der Spitze unser Frühstück. Wieso hat es diesmal geklappt, nachdem wir das letzte Mal nicht übers Besucherzentrum hinausgekommen sind? Nach dem letzten «Versuch» haben wir nochmals mit Leon gesprochen und im Internet recherchiert. In Wahrheit sind die ungeteerten knapp fünf Meilen bei guten Witterungsverhältnissen überhaupt kein Problem – auch für normale Autos. Mitunter werden sogar Mustang-Cabrios auf dem Gipfel gesichtet… Und mit unserem AWD-SUV geht es dann auch wirklich problemlos. Trotz den vergangenen starken Regenfällen präsentiert sich die Piste in ausgezeichnetem Zustand – ich habe in Asien manche Teerstrasse gesehen, die in schlechterem Zustand ist!

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Lediglich beim Hinunterfahren muss man an die Bremsen denken. Also nicht einfach in Automatik herunterbrettern, sondern schön manuell die Motorenbremse nutzen. Diese ist zwar bei unserem Fahrzeug nicht allzu wirkungsvoll, doch wir kommen unbeschadet und um eine Erfahrung reicher unten an. Leider verdecken auf dem Gipfel Wolkenfetzen die absolute Weitsicht, trotzdem geniessen wir den Ausflug sehr.

Am Nachmittag gibt es Action wiederum auf der Ostseite: Wir gönnen uns eine Zipline-Tour! Nach kurzer Sicherheitsinstruktion und einer holprigen Fahrt im Kleinbus geniessen wir sieben Fahrten per Zipline über Fruchtplantagen, Regenwald, Flüsse und als Abschluss sogar über einen Wasserfall. Atemraubende Landschafen so schwerelos durchqueren macht grossen Spass und nur zu schnell ist das Abenteuer auch wieder vorbei. Wir sind so begeistert, dass wir gleich nochmals oben beginnen wollen…

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Und bereits ruft Oahu wieder. Wir müssen zurück ins regengeplagte Honolulu. Wir sehen sehr viel Wasser und überschwemmte Strassen. Der Waikiki Beach ist jedoch bereits wieder offen. Als am Nachmittag ein Gewitter aufzieht, wird es aber furchteinflössend: Das Zentrum zieht voll über uns hinweg und wir sehen und hören (!!!) die Blitze einschlagen – begleitet von Platzregen mit riesigen Tropfen. Hawaii möchte uns wohl los werden und so fügen wir uns der Naturgewalt und ziehen weiter aufs Festland…

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1 Response to Big Island

  1. Erich says:

    Iidrücklich!!! 4000 müM isch scho cheibe höch für untrainierti Flachland-Indianer!

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