Zürich Marathon

Mein grosses Saisonziel und zugleich zweites Highlight (nach dem Halbmarathon in Freiburg) der Laufsaison stellt einmal mehr der Zürich Marathon dar – meine nunmehr sechste Teilnahme. In der Vorbereitung musste ich aus Termingründen einige Abstriche oder Anpassungen machen, konnte den Trainingsplan aber mehr oder weniger einhalten. Nur die letzte Woche vor dem Marathon war mit der ersten WK-Woche nicht wirklich optimal – aber Tapering lässt sich auch im Militär betreiben, abgesehen vom Schlafmanko.

Das Ziel ist klar: Ich will ein zweites Mal Sub-3-Stunden laufen, bevor die persönlichen Prioritäten eine Verschiebung erfahren. Dafür muss aber alles zusammenstimmen, da dies als ambitionierter Hobbyläufer mit vollem Arbeitspensum doch ziemlich meine Leistungsgrenze markiert. Eine Komponente scheint nicht mitzuspielen: das Wetter. Nach extrem miesen Prognosen (Temperatursturz, Schnee) zu Wochenbeginn, verbesserten sich die Vorhersagen von Tag zu Tag und ich schöpfe Hoffnung.

Ich quartiere mich für die letzte Nacht bei den Eltern in Zürich ein, um eine möglichst kurze Anreise an den Start zu haben. Auch das Bekochtwerden am Vorabend mit feinen Spaghetti trägt zur optimalen Vorbereitung bei. Nach einer ruhigen Nacht ist um 6:00 Uhr Tagwache, um ein leichtes Frühstück – bestehend aus Zopf und Honig – einzunehmen. Anschliessend das übliche Ritual mit Dusche, Toilette, Anziehen und letzte Überprüfung aller Parameter. Ein Blick aus dem Fenster über die Dächer von Zürich zeigt sehr tief hängende Wolken mit leichtem Niederschlag. Dazu Temperaturen um 6 °C. Ich entscheide mich für kurz/kurz mit Ärmlingen.

Eingehüllt in einen Plastik mache ich mich um 7:45 Uhr auf den Weg zum Shuttlebus ab Strassenverkehrsamt. Der Bus ist praktisch leer und wird erst bei der zweiten Haltestelle Saalsporthalle richtig gefüllt. Kurz nach 8:10 Uhr erreichen wir das Startgelände, wo uns Hagelschauer erwarten. Die schlimmsten Prognosen scheinen einzutreffen… Ein letzter Toilettengang und ab Richtung Startblock. Ich kann direkt hinter der Elite im roten Block starten, der auch 10 Minuten vor Start noch nicht überfüllt ist. Kaum habe ich mich dem Plastik entledigt, intensivieren sich die Schauer mit Nassschnee und kaltem Regen – das kann ja heiter werden! Für einen guten Lacher sorgt ein afrikanischer Tempomacher, dem noch das Preisetikett aus der Hose lugt.

Pünktlich werden wir auf die Strecke beziehungsweise Startschleife geschickt. Wie üblich starte ich zu schnell und muss mich aktiv drosseln. Das gelingt mir jedoch nicht allzu gut und ich laufe die ersten 11 Kilometer konstant zu schnell. Mein persönlicher Fanclub hat sich am Bürkliplatz installiert, so dass ich ihn viermal passiere, bevor es dann nach Meilen geht. Angesichts der garstigen Bedingungen ist die Unterstützung vom Strassenrand doppelt wertvoll. Wobei mir die ersten zehn Kilometer super laufen und ich die Marke in 40.50,4 Minuten passiere.

_DSC2536Der Nassschnee verbunden mit den tiefen Temperaturen setzt vor allem an den Extremitäten zu. Mit den Händen ist es schwierig, die Verpflegung (Riegel) zu greifen und die Füsse spüre ich schon bald gar nicht mehr. Zur Verpflegung habe ich persönliche Gels dabei, doch das Hervorholen und Öffnen mit den klammen Fingern ist nicht erfolgsversprechend. Somit konzentriere ich mich vorerst auf die angebotenen Riegelstücke, mit denen man jedoch Nägel einschlagen könnte – super tiefgefroren! So müssen 1-2 Bissen genügen, heruntergespült mit einigen Schlucken Wasser.

Auch mein Magen macht mit und so geht es munter Richtung Meilen der Halbmarathon-Marke entgegen. Nachdem die Spitze mich bereits passiert hat, sehe ich bei der gegenüber liegenden Kilometermarke 32 einen afrikanischen Tempomacher in einer Rettungsdecke eingewickelt. Wie ich später erfahre, war dies der zweite Tempomacher von Adrian Lehmann. Der erste war bereits früher ausgestiegen. Laut Zeitungsberichten hatten sie vorher noch nie Schnee gesehen.

Zwischenzeitlich bilden sich kleinere Gruppen, doch so richtig konstant wird die Zusammensetzung nie. Eine der wenigen Konstanten ist Nicole Lohri, die schlussendlich 7. bei den Frauen wird. Ich laufe auf dem Hinweg nach Meilen einige Meter hinter ihr und kann sie dann kurz nach dem Wendepunkt ein- und anschliessend überholen.

Die Musiken am Strassenrand mögen kurzzeitig die graue Stimmung übertönen. Leider folgt der Regen uns nach Osten. Während in Zürich der Regen bald stoppt, geniessen wir die Niederschläge bis nach Meilen. Auf dem Rückweg wird es endlich besser und zusammen mit der mentalen Motivation, dass es «nur» noch zurück geht, versuche ich, die Pace zu halten.

Vorerst kann ich die Pace weiterhin unter 4:15 min/km halten, was mich zuversichtlich stimmt, die 3-Stunden-Grenze zu knacken. Langsam beginnen die Rechenspiele: Welche Pace reicht ab dem aktuellen Punkt, um die Limite zu unterbieten? Klar ist, dass jeder Kilometer unter 4:15 mir mehr Sicherheit gibt. Noch ausserhalb der Stadt passiere ich eine Elite-Frau, die schluchzend am Strassenrand steht und von Sanitätern gestützt wird. Diese Bedingungen schreiben die eine oder andere Sporttragödie am heutigen Tag.

Bereits kommt der Bahnhof Tiefenbrunnen in Sicht – nun geht es definitiv zielwärts. Ich verspüre ein Hungergefühl gepaart mit einer übervollen Blase. Soll ich nun wirklich nochmals Zeit verschenken? Die Beine wären ob einer kurzen Pause auch nicht abgeneigt, doch das Anlaufen wird nicht schön sein. Ich ringe innerlich mit mir und entscheide mich kurz nach einem Verpflegungsposten für eine Pinkelpause. Auf einen Gel verzichte ich, da ich Probleme beim Schlucken bekundete und die Feinmotorik sich schon lange aus den Fingern verabschiedet hat. Schliesslich sind es nur noch gut vier Kilometer bis ins Ziel!

Kurz vor dem Bellevue wird es dann richtig hart für mich. Zwar habe ich nun die Gewissheit, dass auch 4:30-Kilometer für Sub-3-Stunden reichen, doch fühle ich mich auch nicht mehr für mehr im Stande. In Tat und Wahrheit bleibe ich unter 4:20 min/km.

_DSC2549Meine Familie empfängt mich wieder am Bürkliplatz, bevor ich in die (momentan für mich völlig unnötige) Zusatzschleife via Bahnhofstrasse entschwinde. Ich nehme mir fest vor, am letzten Verpflegungsposten das isotonische Getränk statt Wasser wie bisher zu wählen, um einen Hungerast kurz vor dem Ziel zu vermeiden. Zu meinem grossen Entsetzten hat es dann aber nur Wasser. Einen Kilometer vor dem Ziel will ich nicht mehr einen Gel öffnen und sammle nochmals alle meine Kräfte.

Die Flasche ist definitiv leer und ein Schlussspurt trotz wohlwollenden Anfeuerungsrufen von links und rechts keine Option. Auf den letzten Metern überwiegt jedoch ganz klar die Freude über meinen zweiten Marathon unter drei Stunden, als ich in 2:58.02,8 Stunden einlaufe und damit den 50. Rang von 585 Läufern meiner Kategorie erreiche.

Mit dieser Zeit bin ich – ungeachtet der Wetterbedingungen – vorbehaltslos zufrieden. Hätte man mir die Zeit vor dem Start angeboten, ich hätte sofort unterschrieben. Ein Erdinger Alkoholfrei und natürlich die Gratulationen meiner Familie runden das rundum positive Erlebnis ab und ich mache mich zähneklappernd auf den Weg zur warmen Dusche. Mission Zürich Marathon accomplished!

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GP Dübendorf

Als letzten Formtest vor dem Zürich Marathon und eine Woche nach dem Freiburg Halbmarathon steht der GP Dübendorf auf dem Programm. 10 Kilometer auf einer mir bereits bekannten Strecke, leicht coupiert. Bei der Anreise mit dem Roller pfeift mir bereits die relativ kühle Luft um die Beine und einige Nieseltropfen sind auch spürbar.

Startnummer abholen und ab an die Wärme in der Garderobe. Trotz allem kurz/kurz montieren und im Eingangsbereich auf den Start warten. Kurz vor der Zeit begeben ich mich ziemlich vorne in den Block und treffe Dan, der sich den letzten Schliff für Boston holt. Während dem Rennen werde ich ihn wohl nur von hinten sehen und so verabreden wir uns für nachher auf ein Bier.

Mein Ziel sind 38 Minuten, 37:30 Minuten (3:45 min/km) wären sogar sehr gut. Und so geht es mit einer Pace deutlich unter vier Minuten los. Das Feld ist noch ziemlich dicht zusammen und die Positionskämpfe nicht sehr ausgeprägt. In der ersten Steigung auf der Startschleife werden die Schnellstarter bereits durchgereicht.

Ich versuche, trotz coupiertem Kurs, meinen Rhythmus zu finden und laufe schon ziemlich bald am Limit. Auf der lang gezogenen Geraden nach dem ersten Zieldurchgang ist es nicht immer leicht, das Tempo zu halten. Ich kann mich zwischendurch einzelnen Läufern anhängen, führe aber sehr oft selbst. Reto treffe ich unterwegs und überhole ihn sogleich – Zeit (und Luft) für einen Schwatz habe ich momentan sowieso nicht. 🙂

Als der Kurs abermals ansteigt, habe ich bereits seit einigen Metern einen hartnäckigen Konkurrenten im Nacken, der sich einfach nicht abschütteln lässt. Ich mache somit den Pacemaker und versuche dann auf dem Bergab-Stück, ihn die Führung übernehmen zu lassen. Doch er möchte lieber hinten beleiben und entschuldigt sich kurz für die Lärmkulisse. 😉 Ich kann die Pace halten, jedoch reicht es nicht mehr für einen Schlussspurt, der den Namen auch verdient hätte.

In guten 37.21,2 komme ich ins Ziel und belege damit den 14. Rang in meiner Kategorie von 160 Läufern. Hauptprobe soweit geglückt und das Bier mit Dan verdient.

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Freiburg Halbmarathon

Im Rahmen der Vorbereitung für den Zürich Marathon sollte drei Wochen vor der vollen Distanz ein Halbmarathon gelaufen werden. Am besagten Datum gibt es nicht allzu viele Events. Den Berliner Halbmarathon kenne ich schon und ist sowieso bereits ausgebucht. Wieso also nicht ins ziemlich nahe Freiburg im Breisgau fahren?

Die Strecke sieht zwar nicht ganz so schnell aus und der Event steht mit seinem Motto «Rock & Run» auch nicht für Rekordzeiten sondern eher für Unterhaltung und gute Stimmung. Wir buchen ein Hotel und reisen bereits am Samstag an. Die Startnummer-Abholung klappt problemlos und zwei Maultaschen spenden anschliessend benötigte Kohlehydrate. Natürlich geniessen wir auch noch die Altstadt bei gutem Wetter, deren Kopfsteinpflaster ich morgen noch laufend geniessen werde.

Der Start ist um 11:15 Uhr für meinen ersten Block – zusammen mit den Marathonläufern. Die Stimmung ist super und das Prachtswetter mit seinen 20 °C fast zu warm. Die Toilettensituation im Startgelände eher dürftig. Zum Glück ist das Hotel sehr nah, so dass ich relativ knapp zum Start komme. Laut Trainingsplan soll ich eine Zeit von 1:25 Stunden laufen. Ich bin mir ob meiner Form ziemlich unsicher und nehme mir vor, vorerst mit einer 4-Minuten-Pace anzulaufen.

Erwähnenswert finde ich das Projekt «laufend integrieren» der Stadt Freiburg, welche Flüchtlinge als Helfer engagieren und sogar eine Marathonstaffel aus Flüchtlingen am Start haben. Eine sehr sympathische Aktion! Pünktlich geht es los und die Positionskämpfe beginnen. Ich fühle mich gut und lasse mich vorerst vom Feld mittragen. Natürlich wiederum leicht zu schnell am Anfang.

Ich fühle mich aber sehr gut, ausser dass ich bereits aufs WC müsste. Vorerst lasse ich mich jedoch nicht davon beirren und laufen in wechselnden Gruppen auf Umwegen Richtung Altstadt. Bei den Verpflegungsposten schnappe ich mir jeweils ein Wasser und trinke einige Schlucke. Kurz vor Kilometer 5 ist es dann soweit: Ich betrachte kurz ein Toitoi von innen und verliere so etwa 20 Sekunden. Das befreite Laufen anschliessend ist es jedoch wert! 🙂

Ich fühle mich gut und laufe ständig Sub-4-Kilometer. Wenn das nur gut kommt… Auf dem Weg zum Kehrpunkt überhole ich die dritte Frau und mache auch sonst einige Positionen gut. Kurz nach Halbzeit erreicht die Strecke höhenmässig ihren Kulminationspunkt. Nur noch nach Hause jetzt! Ich lasse es rollen und finde ein paar Läufer, die ich während den nächsten Kilometern – unter anderem auch in der Altstadt – in wechselnder Zusammensetzung wiederholend sehe.

Die Stimmung in der Altstadt mit ihren relativ engen Gassen mit Kopfsteinpflaster ist super. Neben den insgesamt 42 Bands machen hier auch die Zuschauer einen ziemlichen Lärm. So muss ich aufpassen, den Motor nicht zu überdrehen. Ich bremse mich nach einem Blick auf die Uhr bewusst, denn schliesslich sind es noch einige Kilometer bis ins Ziel. Doch der Einbruch kommt glücklicherweise nicht – ich laufe kontrolliert auf der guten Seite meines Limits.

Auf den letzten drei Kilometern taucht dann auch noch die zweite Frau auf. Ich arbeite mich Position um Position vor und hieve mich auch auf dem «Frauenpodest» auf die zweite Treppenstufe. Auf den letzten zwei Kilometern lasse ich nichts mehr anbrennen, setze mich erfolgreich von allen Verfolgern ab und rette meine Platzierung ins Ziel.

Schlussendlich resultiert eine Schlusszeit von 1:23:14 Stunden. Angesichts des unklaren Formstands und des warmen Wetters ein gutes Resultat, mit dem ich sehr zufrieden bin. Auch wenn ich den 11. Kategorienrang von 502 Klassierten betrachte! Die Reise nach Baden-Württemberg hat sich gelohnt.

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Männedörfler Waldlauf

Zuletzt habe ich den Männedörfler Waldlauf im 2013 absolviert. Höchste Zeit also, wieder einmal teilzunehmen – dieses Jahr im Rahmen der Vorbereitungen auf den Zürich Marathon. In meinem jugendlichen Übermut habe ich am Vorabend noch ein hartes Workout im CrossFit auf meine Oberschenkel geladen. Diese spüre ich entsprechend am Morgen vor dem Lauf.

Silja begleitet mich bei bestem Frühlingswetter und wir erreichen das Startgelände bequem mit dem Roller. Startnummer entgegen nehmen, trinken, ankleiden, Toilettengang, einwärmen. Und schon geht es los.

Vielleicht ist es auch ein Glück, dass meine Beine nicht voll bereit sind. Denn so verhindere ich ein Übersäuern auf dem ersten harten Anstieg. Das Problem sind dann aber auch die Passagen mit Gefälle, da ich nicht voll «laufen lassen» kann. Und auch die Steigungen sind ziemlich zäh. Überflüssig zu erwähnen, dass es eine sehr coupierte Strecke ist, wo man praktisch nie einen Rhythmus finden kann – auch mit flotten Beinen.

Ich finde ziemlich bald eine Gruppe in ähnlichem Tempo, der ich bis fast zum Schluss treu bleibe. Wir wechseln uns abhängig von der Streckentopografie ab mit der Führung, bleiben aber immer in Sichtdistanz zueinander.

Der steile und langgezogene Schlussaufstieg lässt mich wieder ein paar Positionen gut machen. Allgemein kann ich sagen, dass bergauf heute mehr läuft als bergab. Ein kurzer Schreckmoment auf dem Kulminationspunkt, wo ich mir den Fuss umknicke. Glücklicherweise nichts passiert und ab in den Abstieg zum Schlussteil.

Wie erwartet unterbiete ich meine Bestleistung nicht und komme in 46.34,5 Minuten ins Ziel, was mir den 24. Kategorienrang von 105 Teilnehmern einbringt. Na ja, den Umständen entsprechend in Ordnung aber alles andere als eine Glanzleistung.

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Frühlingslauf Schaffhausen

Auf meinem Weg zum diesjährigen Zürich Marathon vom 24. April habe ich wiederum einige Vorbereitungswettkämpfe zur Standortbestimmung eingeplant. Den Anfang macht der Frühlingslauf in Schaffhausen, den ich zum ersten Mal bestreite.

Ein sehr kleiner Anlass über 10 km am Sonntagmorgen. Dementsprechend unüblich früh ist Tagwache, so dass ich rechtzeitig die Turnhalle in Herblingen erreiche, um die Startgebühr zu begleichen und im Gegenzug die Startnummer entgegen zu nehmen. Die Laufrunde ist ein gutes Stück entfernt, so dass ich mich entscheide, nach dem Umziehen mit dem Auto ans Ziel zu fahren. Schon auf der Fahrt nach Schaffhausen ist mir der sehr starke Wind aufgefallen, der noch eine entscheidende Rolle spielen soll. Die Temperaturen sind mit etwa 5 °C eher tief, glücklicherweise aber trocken.

Gut 15 Minuten vor Start wage ich mich aus dem warmen und windgeschützten Auto, um mich einzulaufen. Dazu nutze ich die gute halbe Runde vom Ziel zum Start. Denn es gilt, 6.5 Runden zu laufen, um die 10 km voll zu machen. Das Teilnehmerfeld ist eher klein und besteht zum grossen Teil aus Laufclub-Mitgliedern. Ich reihe mich ziemlich vorne ins Startfeld ein und hoffe, dass ich mich wegen des Winds einer Gruppe anschliessen kann.

Mit ein paar Minuten Verspätung fällt der Startschuss und los geht es direkt in den Gegenwind. Die Startgerade liegt jeweils voll im Gegenwind, die beiden Querstücke im Seitenwind und nur bei der Zielgeraden weht der Wind von hinten. Somit ist die Pace nicht konstant und die Einteilung entsprechend schwierig. Gemäss Trainingsplan wäre eine Zielzeit zwischen 38:30 und 39:30 Minuten anzupeilen, wobei ich mir die untere Limite als Ziel setze.

Nach dem ersten Kilometer kann ich mich einer kleineren Gruppe anschliessen und versuche so, teilweise im Windschatten zu laufen, was aber nur bedingt gelingt. Der Wind ist wirklich stark und der Kraftaufwand spürbar, so dass die Pace tendenziell zu langsam ist. Ich achte jedoch darauf, bis zur Rennhälfte keine unnötigen Kräfte zu verbrauchen.

Kurz vor Rennhälfte und somit früher als erhofft muss ich dann selbst die Führung übernehmen, da die Gruppe abbaut. Ich kann die Pace halten und ab der zweitletzten Runde noch aufdrehen. Der Schlussspurt mit Rückenwind reicht, um die Position zu verteidigen und in 38:52 Minuten zu finishen. Dies bringt mir den eher schlechten 24. Rang von 60 Teilnehmern ein, was jedoch aufgrund des Teilnehmerfelds und der Zeit durchaus im Rahmen der Erwartungen ist. Nun gilt es, die restliche Vorbereitung inklusive Wettkämpfe seriös weiterzuführen.

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Silvesterlauf

Nach einem dreijährigen Unterbruch startete ich dieses Jahr wieder am traditionellen Silvesterlauf durch Zürich. Seit meiner letzten Teilnahme im 2011 wurde die Strecke von dazumals 8.6 Kilometer auf deren zehn verlängert. Es gilt, vier grosse Runden durch die Innenstadt von Zürich zu laufen.

Nach meiner Zeit in Belgrad und der ausgedehnten Reise bin ich mir bewusst, dass ich nicht mehr in Hochform bin. Trotzdem nahm ich mir vor, eine solide Zeit deutlich unter 40 Minuten zu laufen.

Perfektes Wetter erwartete uns an diesem Sonntagnachmittag: sonnige 10 °C. Ich fuhr mit der S-Bahn bis Stadelhofen und ging dann zu Fuss zum Zielgelände, um mich im Garderobenwagen umzuziehen. Kurz/kurz war bei diesem Wetter die Kleidung meiner Wahl.

Nach einem kurzen Einlaufen zum Startgelände direkt beim Bellevue traf ich noch einige bekannte Gesichter, stellte mich dann aber bald in die vorderen Startreihen. Nach kurzem Gedränge kam ich gut weg und konnte trotz grosser Läufermasse eine konstante Pace laufen. Die vielen Kurven, Steigungen und Baustellen sorgen dafür, dass der Rhythmus regelmässig gebrochen wird.

5773691_pIch lief die ersten beiden Runden ziemlich konstant, merkte jedoch, dass ich nicht allzu viele Reserven habe. Und so wurde die dritte Runde richtig hart – vor allem bei der Steigung der Uraniawache. Bestmöglichst rettete ich mich in die letzte Runde und mobilisierte nochmals die letzten Kräfte.

Den Schlussspurt hätte ich noch intensiver führen können. Jedoch war ich ob der Streckenführung ein wenig verwirrt, da ich mir sie vorgängig auf dem Plan falsch eingeprägt hatte. Nichts desto trotz resultierte eine einigermassen solide Zeit von 38.07,4, was mir den 104. Rang von 1450 Läufern in meiner Kategorie einbrachte.

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Chicago

Chicago ist (leider) unsere letzte Station, bevor es zurück in die Schweiz geht. Nach dem Besuch in Springfield bietet sich die Stadt an, da wir sowieso umsteigen müssen. Wir kommen am Sonntagabend spät an, fahren mit der U-Bahn eine knappe Stunde ins Zentrum und beziehen unser Hotel.

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Am nächsten Morgen wollen wir uns zuerst eine Übersicht verschaffen – wörtlich gemeint. Dazu erklimmen wir den Willis (ehemals Sears) Tower – wohlgemerkt der zweithöchste Wolkenkratzer der USA und das zehnthöchste Gebäude weltweit. Der Wolkenkratzer ist 527 Meter hoch, wobei sich die Besucherplattform auf 412 Metern befindet. Berühmt sind die Erker mit Glasboden, wo man nach kurzem Anstehen über dem Abgrund «schweben» kann. Ansonsten ist es lediglich ein weiterer Wolkenkratzer/Turm auf unserer Reise…

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Wir geniessen das schöne Wetter und machen uns zu Fuss auf zum Millenium Park mit «The Bean» (offizieller Name: Cloud Gate), einer grossen Edelstahl-Skulptur in Form einer Bohne. Der Park ist auch sonst schön gemacht und grenzt im Osten an den Lake Michigan. Es gibt sogar eine Minigolf-Anlage, doch wir entscheiden uns dagegen und für zusätzliches Shopping.

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Schliesslich können wir von Chicago nach Zürich je ein zusätzliches Gepäckstück aufgeben. Ganz ausreizen wollen wir dies zwar nicht, doch haben wir noch ein paar Besorgungen, die wir bis hierhin aufgespart haben. Unter anderem gibt es eine Tasche für mich, die direkt als zusätzliches Gepäckstück dient und schnell mit zusätzlicher Beute gefüllt wird.

Den kulinarischen Abschluss zelebrieren wir am letzten Abend in der Cheesecake Factory. Leider weiss das Fleisch beim ersten Mal überhaupt nicht zu überzeugen, sowohl Siljas als auch mein Stück ist völlig versalzen. Im zweiten Anlauf klappt es und wir geniessen im Anschluss nochmals einen zünftigen Dessert à la USA.

Nach schönen, aufregenden, erholsamen und aktiven neun Wochen, fünf Ländern auf zwei Kontinenten und unzähligen Eindrücken (davon über 2′300 fotografisch festgehalten) geht es zu Ende, wie es begonnen hat: mit einem Swiss-Langstreckenflug. Einerseits sind wir natürlich traurig, dass die Reise fertig ist, andererseits freuen wir uns wieder auf Familie, Freunde und berufliche Herausforderungen (ja, wirklich! 🙂 ). Und schliesslich wären Ferien und Reisen nichts Spezielles, wenn sie ewig dauern würden…

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Springfield

Die beiden Gründe für unseren Zwischenstopp in der Mitte der USA auf unserem Weg von Seattle nach Zürich heissen Veronika und Stefan. Mein Bruder und seine Frau leben und arbeiten seit diesem Jahr in Springfield, Missouri. Da die Stadt wohl eher aus der Simpsons-Serie statt aus dem Reiseführer bekannt ist, geht es uns vor allem um den Familienbesuch. Wir erleben ein sehr kurzweiliges und lustiges verlängertes Wochenende.

Bevor die Temperatur am Wochenende um 10 °C fallen soll, nutzen wir den Sonnenschein bei gut 30 °C am Freitag für einen Badeausflug. Wir fahren eine Stunde nach Süden nahe Branson und treffen auf einen bereits geschlossenen Park – natürlich nachdem wir bereits die Parkgebühren bezahlt haben. Kurzerhand wird vor den Schranken geparkt und zu Fuss zum Strandbad gegangen. Im und beim warmen See geniessen wir den Nachmittag.

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Fürs Nachtessen reservieren wir im bereits durch Stedi vorgekosteten Steakhouse – eine vorzügliche Wahl. Viel Fleisch, gute Beilagen und exzellentes Brot sorgen dafür, dass wir am Samstag fast kein Frühstück brauchen. Somit können wir nach einer kurzen Einheit Sport direkt weiter zum Shoppingvergnügen. Ich lasse mir vorgängig vom extrem speditiven Coiffeur meines Vertrauens einen echten Crew Cut schneiden, um wenigstens ein persönliches Andenken an die USA nachhause nehmen zu dürfen. 🙂

Einen weiteren Abstecher machen wir in einen der grössten Outdoor-Shops der USA. Mehr zur Belustigung als mit Kaufabsichten. In der Tat ist der «Laden» ziemlich eindrücklich: Neben einer ganzen Halle mit Booten, Anglerutensilien und Quads sind auch lebende Tiere zu bestaunen: Fische in allen Grössen und sogar Alligatoren – Erlebnis-Shopping pur!

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Die Zeit zwischen den Ausflügen geniessen wir mit Kartenspielen zu viert. Veronika und Stedi führen uns in die hohe Kunst des amerikanischen Kartenspiels ein und wir erleben einige hektische und emotionale Spielrunden – Siegestänzen inklusive. 😉

Auch der Samstagabend ist wieder voll dem Fleisch gewidmet. Dieses Mal zieht es uns kulinarisch weiter südlich in ein brasilianisches Restaurant: Barbecue à discretion. Mittels kleiner Ampel auf dem Tisch kann man grün signalisieren, dass man mehr möchte oder mit Rot eine Pause einlegen. Die Kellner laufen ständig mit Spiessen voller Leckereien umher und füllen die Teller. Unnötig zu sagen, dass der Abend fast in einer Eiweissvergiftung gipfelte. Der Cheesecake am Schluss wäre beinahe zum «Monty Python’schen Minzeblättchen» geworden…

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Seattle

Den Abschluss der Westküste zelebrieren wir in Seattle. Unser Hotel liegt direkt bei der Space Needle, so dass wir diese auch zuerst besuchen. Die Aussicht ist schön und lässt uns planen, wo wir als nächstes hingehen. Leider ist die Weitsicht eingeschränkt, so dass beispielsweise der Mount Rainier nicht sichtbar ist. Allzu lange bleiben wir nicht oben und machen uns auf den Weg zur Mono-Rail-Station direkt daneben.

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Die Bahn bringt uns nach Downtown. Eigentlich nur einige Blocks entfernt und mit der schon ziemlich in die Jahre gekommenen Bahn nicht wesentlich schneller als zu Fuss. Trotzdem eine bequeme Möglichkeit, speditiv in die Innenstadt zu kommen. Wir erkunden die diversen Shops und müssen natürlich auch einen Abstecher zum Pike Place Market machen, wo vor allem die lauten Fischverkäufer eine Attraktion für sich sind. Von den Strapazen erholen wir uns unmittelbar daneben im ersten Starbucks, welcher 1971 eröffnet wurde.

Am nächsten Tag fahren wir nach Norden aus der Stadt hinaus nach Everett. Für mich als Flugzeug-Fan ist die Besichtigung der Boeing-Werke im Grossraum Seattle fast ein Muss. Zum Glück kann ich Silja überreden (respektive als Ausgleich zu all den Marktbesuchen «verkaufen»), so dass wir eine geführte 90-Minuten-Tour buchen. Vorgängig erfahren wir im «Future of Flight«-Museum interessante Fakten über die neuen Materialien und Bauweisen des Dreamliners.

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Die Tour startet mit einem einleitenden Film, bevor wir mit einem Bus zur Werkhalle des 747 (Jumbo-Jet) gefahren werden. Unser Guide weiss allerlei interessante Details und Anekdoten zu erzählen, so dass auch die Transferzeiten sehr kurzweilig sind. Die Hallen sind schon alleine von der Dimension her eindrücklich: Es handelt sich um das volumenmässig grösste Gebäude der Welt – ganz Disneyland Los Angeles inklusive zusätzlicher Parkplätze hätte darin Platz. Innerhalb von 24 Stunden arbeiten 41′000 Leute darin.

Anschliessend geht es wiederum mit dem Bus (Fussmärsche sind für Amerikaner des Teufels) zum nächsten Gebäude, in dem die beiden Langstreckenflugzeuge 777 und 787 (Dreamliner) gebaut werden. Beide Typen haben spezielle Fertigungstechniken. Der 777 wird auf einem Fliessband gebaut, so dass sich die Flugzeuge in unterschiedlichem Fertigstellungsgrad alle paar Minuten um einen Zentimeter bewegen. Zurzeit wird alle zwei Tage ein neues Flugzeug aus dem Hangar gerollt.

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Der Dreamliner hingegen wird in Komponentenbauweise hergestellt. Die Komponenten werden unter anderem mittels Dreamlifter-Flugzeug angeliefert und in Everett zusammengeklebt (es wird grösstenteils kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff eingesetzt). Somit amtet Boeing hierbei eher als Integrator denn als Hersteller. Leider dürfen wir während der gesamten Tour keinerlei Fotos machen. Uns beiden gefällt die Tour sehr gut. Einerseits natürlich wegen der Thematik (vor allem für mich), andererseits ist es extrem eindrücklich zu sehen und zu erleben, wie moderne Passagierjets hergestellt werden und was es dazu braucht.

Nach dem technischen Morgen lassen wir am Nachmittag unsere Kreditkarten im Outlet glühen. Alle namhaften Marken sind vertreten und da wir unsere Einkäufe bis jetzt aufgespart hatten, schlagen wir umso unerbärmlicher zu. Mit vollen Tüten treten wir zufrieden den Rückzug an, um am nächsten Tag Richtung Osten aufzubrechen.

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Vancouver

Mit einer Übernachtung in Portland geht es nach Kanada. Portland erlebe ich als eine Stadt der Obdachlosen und Kiffer. Obwohl vor allem das Zentrum mit den Läden und Restaurants schön ist, lungern überall zwielichtige Gestalten herum und die Parks sind voll von Leuten, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Und am Jahrestag von 9/11 gesellen sich noch die Verschwörungs-Theoretiker mit ihren «Informationsständen» dazu.

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Auf der Fahrt nach Norden machen wir einen Halt beim Mount St. Helens Science and Learning Center. Die Ausstellung zeigt sowohl die Geschichte rund um den verheerenden Ausbruch anno 1980 als auch deren Nachgang mit Wiederherstellung der Infrastruktur, Aufforstung und Pflege der Tierwelt. Zudem steht es in Sichtdistanz zum Vulkan und mit bester Aussicht auf den ehemaligen Lavastrom, der sich nun als teils karge Ebene präsentiert. Ein kleines aber feines Besucherzentrum, das durchaus den kurzen Abstecher nach Osten wert ist.

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Der Grenzübertritt gestaltet sich mit lockerem Smalltalk problemlos. Der kanadische Zöllner fragt sogar nach unseren Französischkenntnissen. Angesichts des doch sehr eigenartigen Akzents bevorzuge ich jedoch, die Konversation in Englisch fortzusetzen. Unser Hotel in Vancouver befindet sich direkt beim Stadion, bei dem die Fans gerade für ein Footballspiel zusammenströmen.

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Nach dem Einchecken erkunden wir auf dem Wasserweg Granville Island. Die Wassertaxis sind super-kleine bis mittlere Boote, die sehr regelmässig etwa sieben Stationen verbinden. Granville Island ist vollgestopft mit Restaurants, Geschäften und einem grossen Markt. Wir bleiben länger als geplant und kehren nicht mit leeren Taschen zurück.

Vor dem Nachtessen erkunde ich den Stanley Park in meinen neuen Laufschuhen. Auf einmal treffe ich auf eine Menschenansammlung, die synchron aufs Meer hinaus schaut. Ich schliesse mich spontan an, ohne zu wissen, wonach ich suchen soll. Auf einmal wird knapp 30 Meter vom Ufer entfernt Luft ausgeblasen: ein Buckelwal! Er kommt sogar aufs Ufer zu und schwimmt anschliessend lediglich noch in 15-20 Meter Entfernung. Ein Satz und ein paar (kalte) Schwimmzüge und ich könnte ihn berühren – extrem eindrücklich!

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Am Abend geht es zum Hafen, wo neben den Anlegeplätzen für grosse Kreuzfahrtschiffen zahlreiche Restaurants und historische Gebäude zu finden sind. Wir flanieren herum und geniessen eine Portion Poutine zur Stärkung. Die Stadt hat einen historischen Charme, steht aber bezüglich Randständigen (und Kiffern) durchaus in starker Konkurrenz zum US-Pendant Portland.

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Den kommenden Morgen haben wir mit einem Ausflug in die sehr nahe Umgebung verplant. Wir besuchen den Capilano Suspension Bridge Park. Hauptattraktion ist die 140 Meter lange Fussgänger-Hängebrücke, die in ihrer ersten Version bereits 1889 gebaut wurde. Daneben gibt es allerlei Wissenswertes über die Regenwälder Kanadas. Zudem kann man auf einem Baumwipfelweg in 30 Metern Höhe durch den Wald streifen oder aber auf dem Cliff-Walk hoch über dem Abgrund zum Fluss «schweben». Ein kurzweiliger Ausflug mit klarem Fokus auf Flora aber alles in allem durchaus auch als Fauna-Fan sehenswert.

Den Kurzausflug auf kanadisches Hoheitsgebiet beschliessen wir am Abend stilecht (nein, nicht mit einem Hockeyspiel oder einem Bad in Maple-Sirup) mit einem saftigen Stück Fleisch im Steakhouse. Eines der besten Steaks, das ich auf unserer Reise geniessen durfte. Wer hätte das gedacht: Kanada schlägt die USA auf dem (provisorischen) Fleischranking!

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