Frühlingslauf Schaffhausen

Auf meinem Weg zum diesjährigen Zürich Marathon vom 24. April habe ich wiederum einige Vorbereitungswettkämpfe zur Standortbestimmung eingeplant. Den Anfang macht der Frühlingslauf in Schaffhausen, den ich zum ersten Mal bestreite.

Ein sehr kleiner Anlass über 10 km am Sonntagmorgen. Dementsprechend unüblich früh ist Tagwache, so dass ich rechtzeitig die Turnhalle in Herblingen erreiche, um die Startgebühr zu begleichen und im Gegenzug die Startnummer entgegen zu nehmen. Die Laufrunde ist ein gutes Stück entfernt, so dass ich mich entscheide, nach dem Umziehen mit dem Auto ans Ziel zu fahren. Schon auf der Fahrt nach Schaffhausen ist mir der sehr starke Wind aufgefallen, der noch eine entscheidende Rolle spielen soll. Die Temperaturen sind mit etwa 5 °C eher tief, glücklicherweise aber trocken.

Gut 15 Minuten vor Start wage ich mich aus dem warmen und windgeschützten Auto, um mich einzulaufen. Dazu nutze ich die gute halbe Runde vom Ziel zum Start. Denn es gilt, 6.5 Runden zu laufen, um die 10 km voll zu machen. Das Teilnehmerfeld ist eher klein und besteht zum grossen Teil aus Laufclub-Mitgliedern. Ich reihe mich ziemlich vorne ins Startfeld ein und hoffe, dass ich mich wegen des Winds einer Gruppe anschliessen kann.

Mit ein paar Minuten Verspätung fällt der Startschuss und los geht es direkt in den Gegenwind. Die Startgerade liegt jeweils voll im Gegenwind, die beiden Querstücke im Seitenwind und nur bei der Zielgeraden weht der Wind von hinten. Somit ist die Pace nicht konstant und die Einteilung entsprechend schwierig. Gemäss Trainingsplan wäre eine Zielzeit zwischen 38:30 und 39:30 Minuten anzupeilen, wobei ich mir die untere Limite als Ziel setze.

Nach dem ersten Kilometer kann ich mich einer kleineren Gruppe anschliessen und versuche so, teilweise im Windschatten zu laufen, was aber nur bedingt gelingt. Der Wind ist wirklich stark und der Kraftaufwand spürbar, so dass die Pace tendenziell zu langsam ist. Ich achte jedoch darauf, bis zur Rennhälfte keine unnötigen Kräfte zu verbrauchen.

Kurz vor Rennhälfte und somit früher als erhofft muss ich dann selbst die Führung übernehmen, da die Gruppe abbaut. Ich kann die Pace halten und ab der zweitletzten Runde noch aufdrehen. Der Schlussspurt mit Rückenwind reicht, um die Position zu verteidigen und in 38:52 Minuten zu finishen. Dies bringt mir den eher schlechten 24. Rang von 60 Teilnehmern ein, was jedoch aufgrund des Teilnehmerfelds und der Zeit durchaus im Rahmen der Erwartungen ist. Nun gilt es, die restliche Vorbereitung inklusive Wettkämpfe seriös weiterzuführen.

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Silvesterlauf

Nach einem dreijährigen Unterbruch startete ich dieses Jahr wieder am traditionellen Silvesterlauf durch Zürich. Seit meiner letzten Teilnahme im 2011 wurde die Strecke von dazumals 8.6 Kilometer auf deren zehn verlängert. Es gilt, vier grosse Runden durch die Innenstadt von Zürich zu laufen.

Nach meiner Zeit in Belgrad und der ausgedehnten Reise bin ich mir bewusst, dass ich nicht mehr in Hochform bin. Trotzdem nahm ich mir vor, eine solide Zeit deutlich unter 40 Minuten zu laufen.

Perfektes Wetter erwartete uns an diesem Sonntagnachmittag: sonnige 10 °C. Ich fuhr mit der S-Bahn bis Stadelhofen und ging dann zu Fuss zum Zielgelände, um mich im Garderobenwagen umzuziehen. Kurz/kurz war bei diesem Wetter die Kleidung meiner Wahl.

Nach einem kurzen Einlaufen zum Startgelände direkt beim Bellevue traf ich noch einige bekannte Gesichter, stellte mich dann aber bald in die vorderen Startreihen. Nach kurzem Gedränge kam ich gut weg und konnte trotz grosser Läufermasse eine konstante Pace laufen. Die vielen Kurven, Steigungen und Baustellen sorgen dafür, dass der Rhythmus regelmässig gebrochen wird.

5773691_pIch lief die ersten beiden Runden ziemlich konstant, merkte jedoch, dass ich nicht allzu viele Reserven habe. Und so wurde die dritte Runde richtig hart – vor allem bei der Steigung der Uraniawache. Bestmöglichst rettete ich mich in die letzte Runde und mobilisierte nochmals die letzten Kräfte.

Den Schlussspurt hätte ich noch intensiver führen können. Jedoch war ich ob der Streckenführung ein wenig verwirrt, da ich mir sie vorgängig auf dem Plan falsch eingeprägt hatte. Nichts desto trotz resultierte eine einigermassen solide Zeit von 38.07,4, was mir den 104. Rang von 1450 Läufern in meiner Kategorie einbrachte.

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Chicago

Chicago ist (leider) unsere letzte Station, bevor es zurück in die Schweiz geht. Nach dem Besuch in Springfield bietet sich die Stadt an, da wir sowieso umsteigen müssen. Wir kommen am Sonntagabend spät an, fahren mit der U-Bahn eine knappe Stunde ins Zentrum und beziehen unser Hotel.

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Am nächsten Morgen wollen wir uns zuerst eine Übersicht verschaffen – wörtlich gemeint. Dazu erklimmen wir den Willis (ehemals Sears) Tower – wohlgemerkt der zweithöchste Wolkenkratzer der USA und das zehnthöchste Gebäude weltweit. Der Wolkenkratzer ist 527 Meter hoch, wobei sich die Besucherplattform auf 412 Metern befindet. Berühmt sind die Erker mit Glasboden, wo man nach kurzem Anstehen über dem Abgrund «schweben» kann. Ansonsten ist es lediglich ein weiterer Wolkenkratzer/Turm auf unserer Reise…

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Wir geniessen das schöne Wetter und machen uns zu Fuss auf zum Millenium Park mit «The Bean» (offizieller Name: Cloud Gate), einer grossen Edelstahl-Skulptur in Form einer Bohne. Der Park ist auch sonst schön gemacht und grenzt im Osten an den Lake Michigan. Es gibt sogar eine Minigolf-Anlage, doch wir entscheiden uns dagegen und für zusätzliches Shopping.

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Schliesslich können wir von Chicago nach Zürich je ein zusätzliches Gepäckstück aufgeben. Ganz ausreizen wollen wir dies zwar nicht, doch haben wir noch ein paar Besorgungen, die wir bis hierhin aufgespart haben. Unter anderem gibt es eine Tasche für mich, die direkt als zusätzliches Gepäckstück dient und schnell mit zusätzlicher Beute gefüllt wird.

Den kulinarischen Abschluss zelebrieren wir am letzten Abend in der Cheesecake Factory. Leider weiss das Fleisch beim ersten Mal überhaupt nicht zu überzeugen, sowohl Siljas als auch mein Stück ist völlig versalzen. Im zweiten Anlauf klappt es und wir geniessen im Anschluss nochmals einen zünftigen Dessert à la USA.

Nach schönen, aufregenden, erholsamen und aktiven neun Wochen, fünf Ländern auf zwei Kontinenten und unzähligen Eindrücken (davon über 2′300 fotografisch festgehalten) geht es zu Ende, wie es begonnen hat: mit einem Swiss-Langstreckenflug. Einerseits sind wir natürlich traurig, dass die Reise fertig ist, andererseits freuen wir uns wieder auf Familie, Freunde und berufliche Herausforderungen (ja, wirklich! 🙂 ). Und schliesslich wären Ferien und Reisen nichts Spezielles, wenn sie ewig dauern würden…

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Springfield

Die beiden Gründe für unseren Zwischenstopp in der Mitte der USA auf unserem Weg von Seattle nach Zürich heissen Veronika und Stefan. Mein Bruder und seine Frau leben und arbeiten seit diesem Jahr in Springfield, Missouri. Da die Stadt wohl eher aus der Simpsons-Serie statt aus dem Reiseführer bekannt ist, geht es uns vor allem um den Familienbesuch. Wir erleben ein sehr kurzweiliges und lustiges verlängertes Wochenende.

Bevor die Temperatur am Wochenende um 10 °C fallen soll, nutzen wir den Sonnenschein bei gut 30 °C am Freitag für einen Badeausflug. Wir fahren eine Stunde nach Süden nahe Branson und treffen auf einen bereits geschlossenen Park – natürlich nachdem wir bereits die Parkgebühren bezahlt haben. Kurzerhand wird vor den Schranken geparkt und zu Fuss zum Strandbad gegangen. Im und beim warmen See geniessen wir den Nachmittag.

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Fürs Nachtessen reservieren wir im bereits durch Stedi vorgekosteten Steakhouse – eine vorzügliche Wahl. Viel Fleisch, gute Beilagen und exzellentes Brot sorgen dafür, dass wir am Samstag fast kein Frühstück brauchen. Somit können wir nach einer kurzen Einheit Sport direkt weiter zum Shoppingvergnügen. Ich lasse mir vorgängig vom extrem speditiven Coiffeur meines Vertrauens einen echten Crew Cut schneiden, um wenigstens ein persönliches Andenken an die USA nachhause nehmen zu dürfen. 🙂

Einen weiteren Abstecher machen wir in einen der grössten Outdoor-Shops der USA. Mehr zur Belustigung als mit Kaufabsichten. In der Tat ist der «Laden» ziemlich eindrücklich: Neben einer ganzen Halle mit Booten, Anglerutensilien und Quads sind auch lebende Tiere zu bestaunen: Fische in allen Grössen und sogar Alligatoren – Erlebnis-Shopping pur!

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Die Zeit zwischen den Ausflügen geniessen wir mit Kartenspielen zu viert. Veronika und Stedi führen uns in die hohe Kunst des amerikanischen Kartenspiels ein und wir erleben einige hektische und emotionale Spielrunden – Siegestänzen inklusive. 😉

Auch der Samstagabend ist wieder voll dem Fleisch gewidmet. Dieses Mal zieht es uns kulinarisch weiter südlich in ein brasilianisches Restaurant: Barbecue à discretion. Mittels kleiner Ampel auf dem Tisch kann man grün signalisieren, dass man mehr möchte oder mit Rot eine Pause einlegen. Die Kellner laufen ständig mit Spiessen voller Leckereien umher und füllen die Teller. Unnötig zu sagen, dass der Abend fast in einer Eiweissvergiftung gipfelte. Der Cheesecake am Schluss wäre beinahe zum «Monty Python’schen Minzeblättchen» geworden…

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Seattle

Den Abschluss der Westküste zelebrieren wir in Seattle. Unser Hotel liegt direkt bei der Space Needle, so dass wir diese auch zuerst besuchen. Die Aussicht ist schön und lässt uns planen, wo wir als nächstes hingehen. Leider ist die Weitsicht eingeschränkt, so dass beispielsweise der Mount Rainier nicht sichtbar ist. Allzu lange bleiben wir nicht oben und machen uns auf den Weg zur Mono-Rail-Station direkt daneben.

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Die Bahn bringt uns nach Downtown. Eigentlich nur einige Blocks entfernt und mit der schon ziemlich in die Jahre gekommenen Bahn nicht wesentlich schneller als zu Fuss. Trotzdem eine bequeme Möglichkeit, speditiv in die Innenstadt zu kommen. Wir erkunden die diversen Shops und müssen natürlich auch einen Abstecher zum Pike Place Market machen, wo vor allem die lauten Fischverkäufer eine Attraktion für sich sind. Von den Strapazen erholen wir uns unmittelbar daneben im ersten Starbucks, welcher 1971 eröffnet wurde.

Am nächsten Tag fahren wir nach Norden aus der Stadt hinaus nach Everett. Für mich als Flugzeug-Fan ist die Besichtigung der Boeing-Werke im Grossraum Seattle fast ein Muss. Zum Glück kann ich Silja überreden (respektive als Ausgleich zu all den Marktbesuchen «verkaufen»), so dass wir eine geführte 90-Minuten-Tour buchen. Vorgängig erfahren wir im «Future of Flight«-Museum interessante Fakten über die neuen Materialien und Bauweisen des Dreamliners.

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Die Tour startet mit einem einleitenden Film, bevor wir mit einem Bus zur Werkhalle des 747 (Jumbo-Jet) gefahren werden. Unser Guide weiss allerlei interessante Details und Anekdoten zu erzählen, so dass auch die Transferzeiten sehr kurzweilig sind. Die Hallen sind schon alleine von der Dimension her eindrücklich: Es handelt sich um das volumenmässig grösste Gebäude der Welt – ganz Disneyland Los Angeles inklusive zusätzlicher Parkplätze hätte darin Platz. Innerhalb von 24 Stunden arbeiten 41′000 Leute darin.

Anschliessend geht es wiederum mit dem Bus (Fussmärsche sind für Amerikaner des Teufels) zum nächsten Gebäude, in dem die beiden Langstreckenflugzeuge 777 und 787 (Dreamliner) gebaut werden. Beide Typen haben spezielle Fertigungstechniken. Der 777 wird auf einem Fliessband gebaut, so dass sich die Flugzeuge in unterschiedlichem Fertigstellungsgrad alle paar Minuten um einen Zentimeter bewegen. Zurzeit wird alle zwei Tage ein neues Flugzeug aus dem Hangar gerollt.

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Der Dreamliner hingegen wird in Komponentenbauweise hergestellt. Die Komponenten werden unter anderem mittels Dreamlifter-Flugzeug angeliefert und in Everett zusammengeklebt (es wird grösstenteils kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff eingesetzt). Somit amtet Boeing hierbei eher als Integrator denn als Hersteller. Leider dürfen wir während der gesamten Tour keinerlei Fotos machen. Uns beiden gefällt die Tour sehr gut. Einerseits natürlich wegen der Thematik (vor allem für mich), andererseits ist es extrem eindrücklich zu sehen und zu erleben, wie moderne Passagierjets hergestellt werden und was es dazu braucht.

Nach dem technischen Morgen lassen wir am Nachmittag unsere Kreditkarten im Outlet glühen. Alle namhaften Marken sind vertreten und da wir unsere Einkäufe bis jetzt aufgespart hatten, schlagen wir umso unerbärmlicher zu. Mit vollen Tüten treten wir zufrieden den Rückzug an, um am nächsten Tag Richtung Osten aufzubrechen.

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Vancouver

Mit einer Übernachtung in Portland geht es nach Kanada. Portland erlebe ich als eine Stadt der Obdachlosen und Kiffer. Obwohl vor allem das Zentrum mit den Läden und Restaurants schön ist, lungern überall zwielichtige Gestalten herum und die Parks sind voll von Leuten, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Und am Jahrestag von 9/11 gesellen sich noch die Verschwörungs-Theoretiker mit ihren «Informationsständen» dazu.

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Auf der Fahrt nach Norden machen wir einen Halt beim Mount St. Helens Science and Learning Center. Die Ausstellung zeigt sowohl die Geschichte rund um den verheerenden Ausbruch anno 1980 als auch deren Nachgang mit Wiederherstellung der Infrastruktur, Aufforstung und Pflege der Tierwelt. Zudem steht es in Sichtdistanz zum Vulkan und mit bester Aussicht auf den ehemaligen Lavastrom, der sich nun als teils karge Ebene präsentiert. Ein kleines aber feines Besucherzentrum, das durchaus den kurzen Abstecher nach Osten wert ist.

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Der Grenzübertritt gestaltet sich mit lockerem Smalltalk problemlos. Der kanadische Zöllner fragt sogar nach unseren Französischkenntnissen. Angesichts des doch sehr eigenartigen Akzents bevorzuge ich jedoch, die Konversation in Englisch fortzusetzen. Unser Hotel in Vancouver befindet sich direkt beim Stadion, bei dem die Fans gerade für ein Footballspiel zusammenströmen.

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Nach dem Einchecken erkunden wir auf dem Wasserweg Granville Island. Die Wassertaxis sind super-kleine bis mittlere Boote, die sehr regelmässig etwa sieben Stationen verbinden. Granville Island ist vollgestopft mit Restaurants, Geschäften und einem grossen Markt. Wir bleiben länger als geplant und kehren nicht mit leeren Taschen zurück.

Vor dem Nachtessen erkunde ich den Stanley Park in meinen neuen Laufschuhen. Auf einmal treffe ich auf eine Menschenansammlung, die synchron aufs Meer hinaus schaut. Ich schliesse mich spontan an, ohne zu wissen, wonach ich suchen soll. Auf einmal wird knapp 30 Meter vom Ufer entfernt Luft ausgeblasen: ein Buckelwal! Er kommt sogar aufs Ufer zu und schwimmt anschliessend lediglich noch in 15-20 Meter Entfernung. Ein Satz und ein paar (kalte) Schwimmzüge und ich könnte ihn berühren – extrem eindrücklich!

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Am Abend geht es zum Hafen, wo neben den Anlegeplätzen für grosse Kreuzfahrtschiffen zahlreiche Restaurants und historische Gebäude zu finden sind. Wir flanieren herum und geniessen eine Portion Poutine zur Stärkung. Die Stadt hat einen historischen Charme, steht aber bezüglich Randständigen (und Kiffern) durchaus in starker Konkurrenz zum US-Pendant Portland.

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Den kommenden Morgen haben wir mit einem Ausflug in die sehr nahe Umgebung verplant. Wir besuchen den Capilano Suspension Bridge Park. Hauptattraktion ist die 140 Meter lange Fussgänger-Hängebrücke, die in ihrer ersten Version bereits 1889 gebaut wurde. Daneben gibt es allerlei Wissenswertes über die Regenwälder Kanadas. Zudem kann man auf einem Baumwipfelweg in 30 Metern Höhe durch den Wald streifen oder aber auf dem Cliff-Walk hoch über dem Abgrund zum Fluss «schweben». Ein kurzweiliger Ausflug mit klarem Fokus auf Flora aber alles in allem durchaus auch als Fauna-Fan sehenswert.

Den Kurzausflug auf kanadisches Hoheitsgebiet beschliessen wir am Abend stilecht (nein, nicht mit einem Hockeyspiel oder einem Bad in Maple-Sirup) mit einem saftigen Stück Fleisch im Steakhouse. Eines der besten Steaks, das ich auf unserer Reise geniessen durfte. Wer hätte das gedacht: Kanada schlägt die USA auf dem (provisorischen) Fleischranking!

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Mount Hood

Leider blieb es uns verwehrt, im Yellowstone einen Bären – speziell einen Grizzly – zu sehen. Umso freudiger nehme ich ein grosses Plakat neben der Autobahn auf dem Weg zurück nach Westen wahr, welches einen Drive-thru-Zoo bewirbt – mit Bärengarantie! Nach sehr kurzer Besprechung mit Silja steht der Entscheid und wir verlassen die Autobahn umgehend. Konstant mit maximal 5 MPH fahrend geht die Entdeckungstour los. Zuerst treffen wir auf Rehe und Hirsche – darunter ein sehr seltenes Albino-Exemplar. Nach einem weiteren Checkpoint wird es interessant und wir befahren Bärengebiet. Zuerst Grizzly- dann Schwarzbären und auch zwei Wölfe sollen herumstreifen.

Die Grizzlys können sich (noch) erfolgreich vor unseren Blicken verstecken, obwohl wir super-aufmerksam die Büsche absuchen. Anschliessend bei den Schwarzbären müssen wir uns überhaupt nicht anstrengen, da diese sogar auf der Fahrbahn herumlungern und sich nicht beeindrucken lassen. Am Eingang wurde uns gesagt, dass wir nicht anhalten sollen, da die Bären es lieben, zu klettern… Ich stelle mir die anschliessende Diskussion bei der Mietwagen-Rückgabe ziemlich interessant vor. 😉

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Beim Ausgang sehen wir noch Elche. Aber weder Grizzlys noch Wölfe tauchen auf – so können wir unmöglich weiterfahren! Gerade läuft eine Fütterungstour und so reihen wir uns direkt dahinter nochmals ein. Schliesslich dürfen wir den ganzen Tag rumkurven mit unserem Ticket. Tatsächlich ist nun das Grizzly-Weibchen am Strassenrand und wirkt (nicht «winkt») ganz freundlich wie ein grosser Teddy. Ich habe mir die Grizzlys bedrohlicher vorgestellt. Befriedigt fahren wir weiter zum Mount Hood.

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Dort haben wir uns für eine Nacht in der berühmten Timberline Lodge eingemietet. Berühmt deshalb, weil die Nobellodge schon in Filmen (Shining) «aufgetreten» ist, eine bekannte (und ersehnte) Station auf dem Pacific Crest Trail darstellt und für ihre Buffets berühmt ist. Mir gefällt die Lodge inmitten der imposanten Natur sehr gut. Ich geniesse ein praktisch senkrechtes Abendjogging, das für den nötigen Hunger sorgt. Wir bestellen zu zweit ein 35 oz (992 g) Ribeye. Fairerweise muss gesagt werden, dass noch ein Knochen und einiges an Fettschicht dazugehört. Trotzdem ein ganz anständiges Nachtessen.

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Das Frühstücksbuffet ist einsame Spitze: Nicht übermässig gross aber mit sehr ausgewählten und exklusiven Speisen – alle frisch hausgemacht und zusammen mit der Bergluft besonders schmackhaft. Ein (kleiner) Umweg, der sich eindeutig gelohnt hat. Ich hätte auch noch eine zweite Nacht bleiben können, um den Berg ausgiebiger zu geniessen – und, ich gebe es zu, wegen dem Essen.

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Yellowstone Nationalpark

Wir wollen unbedingt den Yellowstone Nationalpark besuchen, auch wenn dies einer ziemlichen Fahrdistanz bedingt. Um möglichst schnell nach Osten zu kommen, planen wir einen Monster-Fahrtag mit knapp elf Stunden Fahrzeit von San Francisco nach Salt Lake City. Mit Fahrerwechsel schaffen wir die Strecke schlaffrei, fallen dafür abends umso müder ins Bett.

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Salt Lake City selber nutzen wir lediglich für die Übernachtung. Doch besuchen wir am nächsten Morgen den namensgebenden Salzsee im Nordwesten der Stadt. Dieser lässt sich am besten vom Antelope Island State Park aus erreichen, was wiederum eine Fahrt über den Deich und einen kleinen Obolus an die Parkverwaltung mit sich bringt. Der See ist an diesem noch frischen Morgen seeehr kalt, doch wir wagen den Sprung (oder vielmehr das Waten und Abliegen). Und dies lohnt sich hundertprozentig: Ein einmaliges Gefühl, einfach im Wasser zu schweben, ohne irgendwelche Schwimmbewegungen.

Neben dem Wassererlebnis sehen wir im Park noch Bisons und Antilopen. Anschliessend fahren wir nach Jackson, das noch zwei Autostunden vom Yellowstone entfernt liegt. Wir waschen die Kleider in der Maschine und uns im Pool. Nach einem super Nachtessen im Steakhouse geniessen wir die kalte Nacht im Cowboy-Dorf vor unserem Parkabenteuer.

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Frühmorgens bringen wir das letzte Stück Richtung Norden hinter uns und fahren via Südeingang und dem Visitor Center im Süden zu unserer Unterkunft direkt beim Old Faithful. Da gerade eine Eruption ansteht, nehmen wir noch vor dem Einchecken unsere Plätze in der vordersten Reihe der Arena ein und geniessen kurze Zeit später ein erstes Mal dieses Spektakel, das sich etwa alle 90 Minuten wiederholt.

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Im anderen Besucherzentrum sowie in der Ranger Station versorgen wir uns mit weiteren Infos, um das weitere Besuchsprogramm festzulegen. Noch am Nachmittag fahren wir mit dem Auto diverse Sehenswürdigkeiten ab – meistens Geysire oder heisse Seen, die in allen möglichen Farben leuchten. Und natürlich schwebt ständig ein Schwefelgeruch in der Luft, der an gekochte oder faule Eier erinnert – je nach Intensität. Eindrücklich sind auch die Stellen, wo das Wasser aus den heissen Quellen wild dampfend in die kalten Bäche und Flüsse fliesst. Zudem sehen wir ganze Bisonherden friedlich grasend und ein einzelnes Exemplar direkt auf dem Parkplatz nur gerade wenige Meter vom Auto entfernt.

Nach einer kalten Nacht in einer praktisch ungeheizten Baracke geht es früh los zum Avalanche Peak. Dies ist einer der höchsten Berge im Park und verspricht somit eine wunderbare Aussicht. Zuerst wollen aber die gut 700 Höhenmeter bezwungen werden. Der Ranger erklärte uns am Vortag, dass es keine Grizzlys haben sollte und wir somit auch ohne Bären-Pfefferspray die Wanderung machen können. Trotzdem sehen wir als erstes beim Wegbeginn ein Warnhinweis, der den Spray empfiehlt. Es handelt sich jedoch um einen allgemeinen Flyer und keine unmittelbare Warnung, wie sie der Ranger angekündigt hat für den Fall, dass doch Bären in der Umgebung wären. Ich möchte zwar liebend gerne einen Grizzly sehen, jedoch aus sicherer Entfernung und nicht überrascht in wenigen Metern Entfernung wie der Schwarzbär im Sequoia Nationalpark.

Wir sind das erste Auto auf dem Parkplatz und somit auch die ersten Wanderer auf dem Weg. Die Bären sind also noch nicht vorgewarnt… 😉 Vorsichtig starten wir im dichten Wald und halten alle unsere Sinne offen, um eine möglichst lange Vorwarnzeit zu garantieren. Jedes Knacken und Pfeifen wird von uns analysiert und führt teilweise auch zu kurzen Pausen, um es zu orten und einzuordnen. Ich gehe vorsichtig als Bärenwarner voraus und vernehme bald ein deutliches Knacken aus den Büschen direkt am Wegrand. Ich bleibe stehen und warne Silja. Doch anstatt eines Grizzlys begrüsst uns eine Hirschkuh mit ihrem Jungen.

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Während Bambi leicht eingeschüchtert und ziemlich nervös durch das Unterholz hüpft, ist die Mutter weitaus zutraulicher und beäugt uns interessiert. Als Silja ihr ruft, kommt sie sogar auf uns zu und bleibt nur gerade zwei Meter entfernt stehen. Herzig ist auch ein Specht, der unmittelbar am Wegrand auf Kniehöhe laut hämmern nach Futter sucht. Er lässt sich durch die zwei Schweizer Wandervögel überhaupt nicht aus der Ruhe bringen und hämmert sich gemütlich ein Schleudertrauma.

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Der Aufstieg zuerst durch dichten Wald, dann durch lockere, lichtdurchflutete Baumformationen ist wunderschön aber ziemlich steil. Oberhalb der Baumgrenze bläst der Wind heftig. In den Schlusspassagen sind wir froh um unsere Regenjacken als Windschutz und müssen aufpassen, dass wir im lockeren Schotter nicht umgeblasen werden. Die Rundumsicht vom Gipfel ist jedoch überaus beeindruckend und entschädigt für die Unannehmlichkeiten. Nach kurzer Verpflegungsrast nehmen wir den Abstieg in Angriff, um den Park weiter per Auto zu erforschen.

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Wir fahren nordwärts und machen einen Halt beim «Mud Vulcano», der trüb-stinkend vor sich hin brodelt. Danach geht es zum «Grand Canyon of the Yellowstone». Ich habe gar nicht gewusst, dass der Yellowstone seinen eigenen Canyon hat. Dieser muss sich aber überhaupt nicht verstecken und beeindruckt mit seiner Dimension, den Farben und natürlich dem Wasserfall, den wir vom Artist Point bestens einsehen können.

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Auf der anschliessenden Fahrt zu den Gesteinsterrassen werden wir kurzzeitig durch eine Bisonherde auf der Strasse aufgehalten, bevor wir das kleine Dorf Mammoth passieren und Zeugen eines ganz einmaligen Spektakels werden. Ein Elk-Harem mit mächtigem Bullen und seinen zahlreichen Frauen hat es sich auf dem sauber gepflegten Rasen der Hotelanlage gemütlich gemacht. Mehrere Rangers haben alle Hände voll zu tun, die wilden Tiere vor der fotografierenden Touristenmasse abzuschirmen und den Verkehr zu regeln, wenn mal wieder ein Tier die Strasse überquert, um zu einem weiteren gepflegten Rasenstück zu gelangen.

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Richtig spannend wird es, als der Bulle zum Aufbruch bläst und die Herde in Richtung der aufgestellten Touristen führen will. Sofort müssen die Ranger das Trottoir räumen und die Herde setzt sich in Bewegung. Einige Weibchen reissen jedoch aus, worauf der Bulle sofort aktiv wird: Laut rufend rennt er mitten durch die Hoteleinfahrt nur wenige Meter neben den verdutzten Menschen durch. Glücklicherweise werden keine Beteiligten (Menschen und Tiere) verletzt und die Situation beruhigt sich ein wenig nach der anfänglichen Aufregung. Auch der Bulle scheint sich abreagieren zu müssen, als er daraufhin den gepflegten Rasen mit seinem imposanten Geweih umpflügt. Wir kommen aus dem Staunen fast nicht heraus und amüsieren uns prächtig. Trotzdem fahren wir weiter zu den Gesteinsterrassen.

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Durch die ständige Veränderung des Wasserflusses sind diese Formationen immer im Wandel. Nicht nur verändern sie ihre Farben, auch ganze Teile trocknen aus und zerfallen. Oder werden dann wieder «reaktiviert» durch erneut fliessendes Wasser und steigen wieder ins Farbenspiel mit ein. Keine Formation ist wie die andere und es scheint, als wollen sie sich gegenseitig mit ausgefallenen Formen und fast unglaublichen Farbtönen übertrumpfen.

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Unseren Parkbesuch wollen wir gemütlich beenden und uns ein Bad im wohl temperierten Fluss gönnen. An einem Zusammenfluss von heissem Quellwasser mit einem Bergfluss befindet sich ein natürliches Jacuzzi. Vom Parkplatz laufen wir hinauf zum Einstieg, werden jedoch kurz vor dem Ziel durch einen mächtigen Elk-Bullen aufgehalten. Er grast friedlich, möchte aber nicht gestört werden. Dies zeigt er eindrücklich, als er mit gesenktem Geweih auf ein Paar los geht, das sich vorsichtig vorbeimogeln möchte. Es kommt glücklicherweise nicht zur Berührung, da sich die beiden schnell zurückziehen und einen alternativen Weg wählen. Dies machen auch wir und gelangen durch den unteren Einstieg in den Fluss. In herrlicher Kulisse geniessen wir das warme bis heisse Bad und lassen einen weiteren eindrücklichen Parkbesuch bestmöglichst ausklingen.

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San Francisco

Dass Religion in dieser Region eine (grössere) Rolle spielt, wird für mich zum ersten Mal offensichtlich, als ich auf der Autofahrt ein riesiges Plakat sehe. Auf diesem erzählt eine junge Frau, dass nach der Vergewaltigung die Geburt ihres Kindes (des «Produkts» des Verbrechens) ihr bei der Bewältigung der Tat geholfen hat. Aber auch in der Stadt stehen an jeder Ecke die Zeugen Jehovas und die Scientology-Kirche befindet sich zentral und bietet Psychologie-Tests an. Und dass San Francisco sehr multikulturell ist, zeigt sich zudem daran, dass die Zeugen Jehovas Stände in Englisch, Arabisch und Chinesisch unterhalten. Einen guten Start in eine für mich neue Stadt also. 😉

Wir residieren direkt an der Fisherman’s Wharf unweit vom bekannten Pier 39. Für San Francisco haben wir ein ziemlich günstiges Hotel gefunden, wobei das Valet Parking zusätzlich mit 50 USD pro Nacht zu Buche schlägt. In dieser Gegend aber durchaus Standard und kaum zu umgehen. Die zentrale Lage ist für uns wichtiger, so dass wir in diesen sauren Apfel beissen.

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Um uns zuerst eine Übersicht über die Stadt und deren Sehenswürdigkeiten zu verschaffen, kann ich Silja überreden, eine selbstgesteuerte Go-kart-Tour zu buchen. Dieses Gefährt ist eigentlich ein verkleideter Motorroller mit eingebautem GPS. Während man durch die Stadt braust, erzählt einem die automatische Dame anhand der momentanen Position allerlei Wissenswertes über die Stadt und lotst einen durch die Strassen. Wir geniessen den ersten Eindruck und nutzen die Selbständigkeit für spontane Fotohalte sowie gewollte und ungewollte Umwege. Eine durchaus zu empfehlende Möglichkeit, einen ersten Eindruck einer Stadt zu gewinnen (wenn man den Preis nicht scheut).

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Nun haben wir also eine To-do-Liste, was wir noch im Detail ansehen müssen. Ganz klar ein Muss ist die Fisherman’s Wharf. Wir streuen umher, amüsieren uns ab den zahlreichen Seelöwen (nicht nur auf dem Pier 39, sondern auch «wild campierend» zwischen Schiffen) und lassen uns kulinarisch verwöhnen – mit Blick auf den Sonnenuntergang und die Golden Gate Bridge. Da haben wir durchaus schon in schlechterer Kulisse verpflegt. Das Pier 39 ist wirklich speziell: Extra für die Seelöwen wurde ein Dock geleert und dient jetzt rund ums Jahr als Plattform für die lauten und geruchsintensiven Viecher.

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Für den nachfolgenden Tag starten wir mit einer obligaten (und sinnlos überteuerten Fahrt) im Cable Car. Am Nachmittag haben wir das nächste Pflichtprogramm im Voraus online gebucht: Alcatraz. Die ehemalige Gefängnisinsel ist spätestens seit «The Rock» jedem ein Begriff. Heutzutage ist Alcatraz ein Nationalpark und als solcher sehr gut erschlossen und erlebbar gemacht. Mit dem Schiff geht es hinaus, wo man anschliessend mittels Audio-Guide die Insel mit ihren zahlreichen Gebäuden selbständig erkunden kann. Durch die Freiheit, irgendein Rückfahrt-Schiff zu nehmen, kann man seine Eintauchtiefe und somit Verweilzeit selbst planen. Mich fasziniert Alactraz extrem – nicht zuletzt wegen der einmal mehr sehr guten Präsentation durch den U.S. National Park Service.

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Am letzten Tag in San Francisco geht es zur und über die Golden Gate Bridge. Dafür mieten wir Velos und fahren auf dem Radweg, der bei der Fisherman’s Wharf beginnt, westwärts zur Brücke. Bereits mit dem Go-kart haben wir sie aus den besten Fotopositionen geknipst, jedoch nicht befahren. Dies holen wir nun nach und quälen uns am Nordufer in brütender Hitze auch noch hinauf zum Aussichtspunkt «Battery Spencer». Dort werden wir mit einer wunderbaren Aussicht für unsere Strapazen belohnt: Kein einziges Wölkchen, das Teile der Brücke oder der dahinter liegenden Skyline verdecken könnte!

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Noch gönnen wir unseren Oberschenkeln keine Erholung und fahren wieder rüber in die Innenstadt, was einer Pässefahrt in der Schweiz gleichkommt. «Horizontal» scheint in der Strassenplan-Sektion des Baudepartements San Fransiscos ein unbekanntes Wort zu sein. Somit haben wir unser Nachtessen in der Cheescake Factory redlich verdient und ich gönne mir einen super Burrito. Wobei sich «super» auf dessen Grösse bezieht… Gestärkt geht es nochmals in die Höhe und Richtung Norden den Berg runter zum Hotel beim Pier.

San Francisco gefällt mir extrem gut und liefert sich nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit LA und NY um die Vorherrschaft in meinem persönlichen Landesranking. Doch noch sind einige Kandidaten ausstehend. Ich denke hierbei an Chicago und freue mich bereits!

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Sequoia Nationalpark

Da wir nicht die schnellste Route von Los Angeles wählen, sondern dem Meer entlang auf den Highways 101 und 1 über Santa Barbara fahren, kommen wir erst am späten Nachmittag in Visalia an. Darum fahren wir direkt weiter ostwärts zum Sequoia Nationalpark. Da wir unser Besuchsprogramm noch nicht fixiert haben, möchten wir die Informationen im Besucherzentrum nutzen, um den folgenden Tag zu planen. Ich persönlich habe ja noch immer einen offenen Punkt auf meiner Bucket-List und so hege ich beim Parkbesuch – natürlich neben den typischen Sequoia-Tannen – den Wunsch, einen Bären zu sehen.

Leider ist das Besucherzentrum direkt beim Parkeingang bei unserer Ankunft bereits geschlossen. Nach kurzer Diskussion kann ich Silja überzeugen, dass wir die 45 Minuten zum anderen Parkende unter die Räder nehmen und das noch offene Zentrum anfahren. Mit ein paar Fotohalten unterwegs nähern wir uns Lodgepole Visitor Center.

Einen Halt machen wir noch beim Parkplatz zum grössten lebenden Baum, dem General Sherman Tree. Wir merken aber bald, dass der Fussweg dorthin zeitlich nicht mehr drin liegt, bevor das Besucherzentrum schliesst. Wir sind bereits auf der Weiterfahrt, als Silja plötzlich einen Bär direkt neben dem Parkplatz sieht. Schon jetzt hat sich für mich der Entscheid, noch in den Park zu fahren, gelohnt! Der Bär ist überhaupt nicht menschenscheu und verköstigt sich in aller Ruhe mit Tannzapfen. Ich kann fast nicht genug kriegen und lasse mich nur ungern zur Weiterfahrt bewegen – eine wirklich eindrückliche Begegnung! Auf der Heimfahrt sehen wir im Scheinwerferlicht sogar noch einen weiteren Bären die Strasse überqueren.

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Für den nächsten Tag planen wir nicht eine grosse Wanderung, sondern beschliessen, mehrere der kleineren Besichtigungsrouten zusammenzuhängen. Da ein Gratis-Shuttle im Park verkehrt, ist auch die resultierende Ein-Weg-Strecke kein Problem. Wir fahren relativ früh los zum Parkplatz des General Sherman Trees. Noch sind nicht viele Besucher unterwegs, so dass wir einen Abstecher zum «Tunnel Log» machen, bevor wir zum Parkplatz fahren.

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Wieder ist der gleiche Bär vom Vorabend daran, die Besucher (inklusive uns) mit Tannzapfen-Yoga zu unterhalten. Dann jedoch kommt ein Ranger und beginnt, ihn zu verjagen. Mit lauten Geräuschen und Wurfgegenständen versucht er ihn – mehr schlecht als recht – in die Büsche zu treiben.

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Wir machen uns auf den Weg, lassen die Fauna vorerst ruhen und wenden uns der Flora mit ihren eindrücklichen Bäumen zu. Der Grösste unter den Grossen, der General Sherman Tree ist wirklich eindrücklich. Und auch mit seinen 2′200 Jahren erfreut er sich nach wie vor bester Gesundheit. Aber auch die anderen Sequoia-Tannen – teilweise unter ihrer Last zusammengebrochen und am Boden liegend – vermögen zu beeindrucken. Die Beschreibungen von Leuten, die Zeugen eines solchen Umfallens wurden, lassen erahnen, wie sich ein solches Schauspiel anhört und anfühlt.

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Wir wollen anschliessend den Sequoia-Trial laufen. Noch immer sind sehr wenige Leute unterwegs und wir scheinen auf diesem Weg sogar die ersten zu sein. Dies scheint sich schon sehr bald zu bestätigen… Wir laufen noch immer auf einem asphaltierten Wegabschnitt, als ich kurz vor Silja um eine Ecke biege. Im Augenwinkel erspähe ich etwas und realisiere, dass ein Bär direkt neben dem Weg seinen Schönheitsschlaf hält. Nachdem ich mein halbes Leben lang eine Bärenbegegnung in freier Wildbahn gesucht habe, scheint sich innerhalb zweier Tage dieser Wunsch fast inflationsartig zu erfüllen.

Ich halte an, weiche ein wenig zurück und schildere Silja, was ich soeben gesehen habe. Sie glaubt an einen Scherz und läuft munter um die Ecke. Erst nach meiner genauen Richtungsangabe sieht sie den Mutz und meint, dass der ziemlich nahe und vor allem gross sei. Was nun? Können wir vorbei gehen? Er liegt zwischen zwei Wegen, von beiden nicht mehr als drei Meter entfernt. Den Weg verlassen und ihn via Wald umgehen? Oder treffen wir dann auf seine Freunde? Zuerst muss diese Begegnung sowieso einmal fotografisch festgehalten werden, bevor wir die weiteren Schritte besprechen.

Noch immer leicht in Trance und mein Glück noch nicht realisiert, nähere ich mich vorsichtig in der Paparazzo-Rolle. Einen Schritt, klick; ein weiterer Schritt, klick, ein weiterer Schritt… Plötzlich scheine ich des Bärs Intimzone betreten zu haben. Er richtet sich kurz auf und schlägt mit den Vorderpfoten auf den Boden. Ich weiche instinktiv zurück (andere Quellen sprechen von einem Kurzsprint), worauf er wieder in seine Schlafposition zurückkehrt. Nochmals gut gegangen!

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Als weitere Wanderer kommen, warnen wir sie und beraten mit ihnen, was zu machen sei. Als ein weiteres Paar ohne zu zögern auf dem unteren Weg durchläuft (und nicht gefressen wird), folgen wir ebenfalls auf gleichem Pfad. Mit leicht mulmigem Gefühl passieren wir den Bär in wenigen Metern Abstand. Als die weitere Gruppe passieren will, wird es ihm jedoch zu bunt und er steht auf. Gemütlich besetzt er den Weg und wir sehen erstmals seine eindrückliche Grösse. Wir beobachten noch ein wenig, bis er in den Büschen verschwunden ist und können es immer noch nicht recht fassen – extrem eindrücklich und wahrscheinlich einmalig.

Der Rest der Wanderung verläuft – verhältnismässig – nicht mehr ganz so aufregend. Trotzdem sehen wir noch allerlei Tiere (Hirsche, Hörnchen in allen Farben und Formen und Murmeltiere) und noch viel mehr Bäume. Zudem erklimmen wir zum Abschluss unserer Tour noch den «Moro Rock», der auf 2′050 Meter über Meer liegt. Die Weitsicht dort oben ist jedoch aufgrund der wütenden Waldbrände in der Nähe stark eingeschränkt.

Noch immer erfreue ich mich der Bärenbegegnungen und sehe den Besuch des Parks und vor allem die Wanderung als ein weiteres Reise-Highlight und Top-Kandidaten auf das Amt des einprägsamsten Erlebnisses unserer Weltreise.

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