{"id":1511,"date":"2016-04-24T21:37:07","date_gmt":"2016-04-24T20:37:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oli.li\/blog\/?p=1511"},"modified":"2016-04-26T06:17:45","modified_gmt":"2016-04-26T05:17:45","slug":"zurich-marathon-6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oli.li\/blog\/2016\/04\/24\/zurich-marathon-6\/","title":{"rendered":"Z\u00fcrich Marathon"},"content":{"rendered":"<p>Mein grosses Saisonziel und zugleich zweites Highlight (nach dem <a href=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/2016\/04\/03\/freiburg-halbmarathon\/\">Halbmarathon in Freiburg<\/a>) der Laufsaison stellt einmal mehr der Z\u00fcrich Marathon dar &#8211; meine nunmehr sechste Teilnahme. In der Vorbereitung musste ich aus Termingr\u00fcnden einige Abstriche oder Anpassungen machen, konnte den Trainingsplan aber mehr oder weniger einhalten. Nur die letzte Woche vor dem Marathon war mit der ersten WK-Woche nicht wirklich optimal &#8211; aber Tapering l\u00e4sst sich auch im Milit\u00e4r betreiben, abgesehen vom Schlafmanko.<\/p>\n<p>Das Ziel ist klar: Ich will ein zweites Mal Sub-3-Stunden laufen, bevor die pers\u00f6nlichen Priorit\u00e4ten eine Verschiebung erfahren. Daf\u00fcr muss aber alles zusammenstimmen, da dies als ambitionierter Hobbyl\u00e4ufer mit vollem Arbeitspensum doch ziemlich meine Leistungsgrenze markiert. Eine Komponente scheint nicht mitzuspielen: das Wetter. Nach extrem miesen Prognosen (Temperatursturz, Schnee) zu Wochenbeginn, verbesserten sich die Vorhersagen von Tag zu Tag und ich sch\u00f6pfe Hoffnung.<\/p>\n<p>Ich quartiere mich f\u00fcr die letzte Nacht bei den Eltern in Z\u00fcrich ein, um eine m\u00f6glichst kurze Anreise an den Start zu haben. Auch das Bekochtwerden am Vorabend mit feinen Spaghetti tr\u00e4gt zur optimalen Vorbereitung bei. Nach einer ruhigen Nacht ist um 6:00 Uhr Tagwache, um ein leichtes Fr\u00fchst\u00fcck &#8211; bestehend aus Zopf und Honig &#8211; einzunehmen. Anschliessend das \u00fcbliche Ritual mit Dusche, Toilette, Anziehen und letzte \u00dcberpr\u00fcfung aller Parameter. Ein Blick aus dem Fenster \u00fcber die D\u00e4cher von Z\u00fcrich zeigt sehr tief h\u00e4ngende Wolken mit leichtem Niederschlag. Dazu Temperaturen um 6 \u00b0C. Ich entscheide mich f\u00fcr kurz\/kurz mit \u00c4rmlingen.<\/p>\n<p>Eingeh\u00fcllt&nbsp;in einen Plastik mache ich mich um 7:45 Uhr auf den Weg zum Shuttlebus ab Strassenverkehrsamt. Der Bus ist praktisch leer und wird erst bei der zweiten Haltestelle Saalsporthalle richtig gef\u00fcllt. Kurz nach 8:10 Uhr erreichen wir das Startgel\u00e4nde, wo uns Hagelschauer erwarten. Die schlimmsten Prognosen scheinen einzutreffen&#8230; Ein letzter Toilettengang und ab Richtung Startblock. Ich kann direkt hinter der Elite im roten Block starten, der auch 10 Minuten vor Start noch nicht \u00fcberf\u00fcllt ist. Kaum habe ich mich dem Plastik entledigt, intensivieren sich die Schauer mit Nassschnee und kaltem Regen &#8211; das kann ja heiter werden! F\u00fcr einen guten Lacher sorgt ein afrikanischer Tempomacher, dem noch das Preisetikett aus der Hose lugt.<\/p>\n<p>P\u00fcnktlich werden wir auf die Strecke beziehungsweise Startschleife geschickt. Wie \u00fcblich starte ich zu schnell und muss mich aktiv drosseln. Das gelingt mir jedoch nicht allzu gut und ich laufe die ersten 11 Kilometer konstant zu schnell. Mein pers\u00f6nlicher Fanclub hat sich am B\u00fcrkliplatz installiert, so dass ich ihn viermal passiere, bevor es dann nach Meilen geht. Angesichts der garstigen Bedingungen ist die Unterst\u00fctzung vom Strassenrand doppelt wertvoll. Wobei mir die ersten zehn Kilometer super laufen und ich die Marke in 40.50,4 Minuten passiere.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2536-e1461622987776.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1520 alignleft\" src=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2536-e1461622987776-142x300.jpg\" alt=\"_DSC2536\" width=\"142\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2536-e1461622987776-142x300.jpg 142w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2536-e1461622987776-768x1622.jpg 768w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2536-e1461622987776-485x1024.jpg 485w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2536-e1461622987776.jpg 1880w\" sizes=\"auto, (max-width: 142px) 100vw, 142px\" \/><\/a>Der Nassschnee verbunden mit den tiefen Temperaturen setzt vor allem an den Extremit\u00e4ten zu. Mit den H\u00e4nden ist es schwierig, die Verpflegung (Riegel) zu greifen und die F\u00fcsse sp\u00fcre ich schon bald gar nicht mehr. Zur Verpflegung habe ich pers\u00f6nliche Gels dabei, doch das Hervorholen und \u00d6ffnen mit den klammen Fingern ist nicht erfolgsversprechend. Somit konzentriere ich mich vorerst auf die angebotenen Riegelst\u00fccke, mit denen man jedoch N\u00e4gel einschlagen k\u00f6nnte &#8211; super tiefgefroren! So m\u00fcssen 1-2 Bissen gen\u00fcgen, heruntergesp\u00fclt mit einigen Schlucken Wasser.<\/p>\n<p>Auch mein Magen macht mit und so geht es munter Richtung Meilen der Halbmarathon-Marke entgegen. Nachdem die Spitze mich bereits passiert hat, sehe ich bei der gegen\u00fcber liegenden Kilometermarke 32 einen afrikanischen Tempomacher in einer Rettungsdecke eingewickelt. Wie ich sp\u00e4ter erfahre, war dies der zweite Tempomacher von <a href=\"http:\/\/www.adrianlehmann.ch\/\">Adrian Lehmann<\/a>. Der erste war bereits fr\u00fcher ausgestiegen. Laut Zeitungsberichten hatten sie vorher noch nie Schnee gesehen.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich bilden sich kleinere Gruppen, doch so richtig konstant wird die Zusammensetzung nie. Eine der wenigen Konstanten ist Nicole Lohri, die schlussendlich 7. bei den Frauen wird. Ich laufe auf dem Hinweg nach Meilen einige Meter hinter ihr und kann sie dann kurz nach dem Wendepunkt ein- und anschliessend \u00fcberholen.<\/p>\n<p>Die Musiken am Strassenrand m\u00f6gen kurzzeitig die graue Stimmung \u00fcbert\u00f6nen. Leider folgt der Regen uns nach Osten. W\u00e4hrend in Z\u00fcrich der Regen bald stoppt, geniessen wir die Niederschl\u00e4ge bis nach Meilen. Auf dem R\u00fcckweg wird es endlich besser und zusammen mit der mentalen Motivation, dass es &#8220;nur&#8221; noch zur\u00fcck geht, versuche ich, die Pace zu halten.<\/p>\n<p>Vorerst kann ich die Pace weiterhin unter 4:15 min\/km halten, was mich zuversichtlich stimmt, die 3-Stunden-Grenze zu knacken. Langsam beginnen die Rechenspiele: Welche Pace reicht ab dem aktuellen Punkt, um die Limite zu unterbieten? Klar ist, dass jeder Kilometer unter 4:15 mir mehr Sicherheit gibt. Noch ausserhalb der Stadt passiere ich eine Elite-Frau, die schluchzend am Strassenrand steht und von Sanit\u00e4tern gest\u00fctzt wird. Diese Bedingungen schreiben die eine oder andere Sporttrag\u00f6die am heutigen Tag.<\/p>\n<p>Bereits kommt der Bahnhof Tiefenbrunnen in Sicht &#8211; nun geht es definitiv zielw\u00e4rts. Ich versp\u00fcre ein Hungergef\u00fchl gepaart mit einer \u00fcbervollen Blase. Soll ich nun wirklich nochmals Zeit verschenken? Die Beine w\u00e4ren ob einer kurzen Pause auch nicht abgeneigt, doch das Anlaufen wird nicht sch\u00f6n sein. Ich ringe innerlich mit mir und entscheide mich kurz nach einem Verpflegungsposten f\u00fcr eine Pinkelpause. Auf einen Gel verzichte ich, da ich Probleme beim Schlucken bekundete und die Feinmotorik sich schon lange aus den Fingern verabschiedet hat. Schliesslich sind es nur noch gut vier Kilometer bis ins Ziel!<\/p>\n<p>Kurz vor dem Bellevue wird es dann richtig hart f\u00fcr mich. Zwar habe ich nun die Gewissheit, dass auch 4:30-Kilometer f\u00fcr Sub-3-Stunden reichen, doch f\u00fchle ich mich auch nicht mehr f\u00fcr mehr im Stande. In Tat und Wahrheit bleibe ich unter 4:20 min\/km.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2549-e1461623098653.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1521 alignright\" src=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2549-e1461623098653-168x300.jpg\" alt=\"_DSC2549\" width=\"168\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2549-e1461623098653-168x300.jpg 168w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2549-e1461623098653-768x1374.jpg 768w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/DSC2549-e1461623098653-572x1024.jpg 572w\" sizes=\"auto, (max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/><\/a>Meine Familie empf\u00e4ngt mich wieder am B\u00fcrkliplatz, bevor ich in die (momentan f\u00fcr mich v\u00f6llig unn\u00f6tige) Zusatzschleife via Bahnhofstrasse entschwinde. Ich nehme mir fest vor, am letzten Verpflegungsposten das isotonische Getr\u00e4nk statt Wasser wie bisher zu w\u00e4hlen, um einen Hungerast kurz vor dem Ziel zu vermeiden. Zu meinem grossen Entsetzten hat es dann aber nur Wasser. Einen Kilometer vor dem Ziel will ich nicht mehr einen Gel \u00f6ffnen und sammle nochmals alle meine Kr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Die Flasche ist definitiv leer und ein Schlussspurt trotz wohlwollenden Anfeuerungsrufen von links und rechts keine Option. Auf den letzten Metern \u00fcberwiegt jedoch ganz klar die Freude \u00fcber meinen zweiten Marathon unter drei Stunden, als ich in <a href=\"https:\/\/services.datasport.com\/2016\/lauf\/zuerich\/rang014.htm\">2:58.02,8 Stunden<\/a> einlaufe und damit den 50. Rang von 585 L\u00e4ufern meiner Kategorie erreiche.<\/p>\n<p>Mit dieser Zeit bin ich &#8211; ungeachtet der Wetterbedingungen &#8211; vorbehaltslos zufrieden. H\u00e4tte man mir die Zeit vor dem Start angeboten, ich h\u00e4tte sofort unterschrieben. Ein Erdinger Alkoholfrei und nat\u00fcrlich die Gratulationen meiner Familie runden das rundum positive Erlebnis ab und ich mache mich z\u00e4hneklappernd auf den Weg zur warmen Dusche. Mission Z\u00fcrich Marathon accomplished!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein grosses Saisonziel und zugleich zweites Highlight (nach dem Halbmarathon in Freiburg) der Laufsaison stellt einmal mehr der Z\u00fcrich Marathon dar &#8211; meine nunmehr sechste Teilnahme. 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