{"id":1552,"date":"2017-09-09T20:49:47","date_gmt":"2017-09-09T19:49:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oli.li\/blog\/?p=1552"},"modified":"2017-09-10T20:50:11","modified_gmt":"2017-09-10T19:50:11","slug":"jungfrau-marathon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oli.li\/blog\/2017\/09\/09\/jungfrau-marathon\/","title":{"rendered":"Jungfrau-Marathon"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich vor Jahresfrist bei bestem Wetter aus privaten Gr\u00fcnden am Morgen vor dem Lauf aus Interlaken abreisen musste, wollte ich die offene Rechnung mit der Jungfrau dieses Jahr begleichen. Bei diesem Lauf in sch\u00f6nster Umgebung hofft man nat\u00fcrlich umso mehr auf Wettergl\u00fcck, dieses scheint in der Vorwoche jedoch nicht einzutreffen. Und so ist es am Freitag bei Anreise noch sch\u00f6n, doch Regen ist am Samstag fest eingeplant &#8211; die Prognosen sind sich nur noch nicht einig, wann genau dieser einsetzen soll.<\/p>\n<p>Erste Tropfen fallen bereits am Morgen in Interlaken, so dass ich mich f\u00fcr kurz\/kurz mit \u00c4rmlingen entscheide. Dies ist zwar f\u00fcr die erste H\u00e4lfte eher zu warm, doch sollen es auf der Kleinen Scheidegg nur gerade 5 \u00b0C bei Regen werden. Der Anlass ist perfekt durchorganisiert und die Stimmung im Startgel\u00e4nde trotz fehlendem Sonnenschein bestens. Ich verlade mein Gep\u00e4ck zum Transport ins Ziel, laufe locker ein und nutze die Selbstmassage-Stationen w\u00e4hrend ich die Startstimmung auf mich wirken lasse und geniesse. Gerade um die Alphornbl\u00e4ser und Fahnenschwinger sammeln sich Heerscharen von asiatischen und arabischen Touristen.<\/p>\n<p>Um 08:30 Uhr erfolgt der Startschuss durch <a href=\"http:\/\/www.dariocologna.ch\/\">Dario Cologna<\/a>. Eine Premiere bei der Jubil\u00e4umsausgabe zur 25. Durchf\u00fchrung ist der Blockstart in Abst\u00e4nden von f\u00fcnf Minuten. Mit meiner Zielzeit starte ich im ersten Block zusammen mit der Elite. Anders als bei meinen bisherigen Marathons geht die Masse den Lauf eher gem\u00fctlich und sogar leicht unterhalb meiner Zielpace an. Die Strassen sind aber breit, so dass ich mich schnell einordnen und gem\u00e4ss meinem Fahrplan laufen kann. Ich habe mehr oder weniger nach meinem bew\u00e4hrten Sub-3-Marathon-Trainingsplan trainiert und visiere hier eine Sub-4-Zeit an.<\/p>\n<p>Auf der gr\u00f6sstenteils flachen ersten H\u00e4lfte habe ich mir vorgenommen, mit der Marathonpace von 4:15 min\/km zu laufen und anschliessend zu schauen, was die Beine hergeben. Auf den ersten Kilometern bin ich leicht schneller, was sich bei den Steigungen Richtung Lauterbrunnen wieder aufhebt. Gerade in den leichten Bergaufpassagen ist es jeweils schwierig, einzusch\u00e4tzen, was die optimale Pace ist, ohne zu \u00fcberdrehen. Zumal ich mich sehr gut f\u00fchle und den Lauf geniesse.<\/p>\n<p>In Lauterbrunnen werden wir L\u00e4ufer herzlich von den Zuschauern am Strassenrand empfangen. Es geht durchs Dorf hindurch zu einer Zusatzschleife im Landegebiet der Base-Jumper. Und in der Tat \u00f6ffnet sich direkt \u00fcber mir mit lautem Rauschen ein Fallschirm und der Base-Jumper gleitet zur Landewiese links neben der Laufstrecke. Im engen Tal zwischen den Felsw\u00e4nden l\u00e4sst sich kurzzeitig sogar die GPS-Uhr aus der Ruhe bringen und erarbeitet sich eine Abweichung gegen\u00fcber der gelaufenen Strecke. Erst am Fusse des Aufstiegs findet sie sich wieder.<\/p>\n<p>Und dieser Aufstieg nach Wengen kurz nach Kilometer 25 hat es in sich. Eigentlich eher eine Wand denn ein Weg. Auf dem Streckenprofil sah es schon steil aus, aber die erstmalige Erfahrung ist nochmals eindr\u00fccklicher. Ich wechsle zwischen Laufen und Gehen und k\u00e4mpfe mich hoch. Gem\u00e4ss Zeitmessung mache ich in dieser Phase einige R\u00e4nge gut, auch wenn es sich ziemlich langsam anf\u00fchlt. Noch vor dem Dorf wird der Weg wieder laufbar und ich kann Tempo aufholen. Ich f\u00fchle mich richtig gut und fliege f\u00f6rmlich Wengen entgegen.<\/p>\n<p>Die Stimmung im Dorf ist super aber schnell vorbei. Es wartet der n\u00e4chste Aufstieg. Langsam macht sich der Hunger bemerkbar. Bisher habe ich nichts gegessen, jedoch von der ersten M\u00f6glichkeit an neben Wasser auch Bouillon zu mir genommen, um das Salz zu ersetzen. Da ich gegen\u00fcber dem normalen Marathon etwa eine Stunde l\u00e4nger unterwegs sein werde, muss wohl festere Nahrung her. Ich entscheide mich f\u00fcr einen Winforce-Gel, von denen ich zwei dabei habe und weiss, dass ich sie gut vertrage. Den Magen m\u00f6chte ich mir n\u00e4mlich h\u00f6chst ungern &#8220;kaputt machen&#8221;, so kurz nach Kilometer 30. Bei der n\u00e4chsten Verpflegungsm\u00f6glichkeit &#8220;Caf\u00e9 Oberland&#8221; schnappe ich mir ein Wasser und geniesse den Gel, der den Hungerast erfolgreich verhindert.<\/p>\n<p>Der Nebel wird mit steigender H\u00f6he dichter und die Feuchtigkeit nimmt zu. Ich kann den Grossteil laufen, muss aber bei den steilen Passagen immer wieder Gehpassagen zulassen. Die Strecke ist perfekt markiert und sogar alle 250 Meter ausgeschildert. Bei den Kilometermarkierungen stehen zus\u00e4tzlich (vom Start weg) Helfer und feuern die L\u00e4ufer an &#8211; Spitzenklasse. Einige Streckenposten haben nach Wengen noch zus\u00e4tzliche Aufgaben: Da die Strecke nicht \u00fcber die Weideroste sondern daneben durch f\u00fchrt, m\u00fcssen die K\u00fche aktiv zur\u00fcckgehalten werden.<\/p>\n<p>Die schlechten Sichtverh\u00e4ltnisse lassen leider das Geniessen der Aussicht nicht zu. Zudem weiss ich bei meiner Premiere bei Sichtweiten von unter 100 Metern auch nicht, wie lange die Steigung noch anh\u00e4lt respektive wo der Weg sich fortsetzt. Eigentlich m\u00fcsste langsam die Mor\u00e4ne kommen, denke ich mir&#8230; Doch noch laufen wir \u00fcber Wiesen und Schotterwege, deren flache Steine sch\u00f6n rutschig sind. In den Sanit\u00e4ts- und Massagezelten sieht man ab und zu wieder jemanden dick eingepackt sitzen. Die Waden ziehen sehr bei den steilen Passagen und lassen dort ein Laufen nicht mehr zu. Ohne klares Ziel vor Augen ist es schwierig, motiviert zu bleiben. Hauptsache ins Ziel kommen, sage ich mir, w\u00e4hrend ich mich den steilen Hang hinauf k\u00e4mpfe.<\/p>\n<p>Endlich h\u00f6re ich aus dem Nebel einen Dudelsack pfeifen &#8211; das unmissverst\u00e4ndliche Zeichen, dass der Kulminationspunkt naht! Und nach einer weiteren Wasserstelle laufe ich endlich auf der Mor\u00e4ne dem Pfeifen entgegen. Jetzt taucht der Dudelsackspieler auf und ich bin \u00fcbergl\u00fccklich &#8211; erste Emotionen kommen hoch. Jetzt nur noch bergab ins Ziel. Die Beine laufen lassen ist bei diesem rutschigen Terrain nicht ganz ohne nach \u00fcber 40 Kilometern und die Flasche ist langsam leer. Ein Schlussspurt, der den Namen auch verdient hat, liegt nicht mehr drin. Hingegen kann ich den Zieleinlauf &#8211; wiederum von zahlreichen Zuschauern ges\u00e4umt &#8211; voll geniessen und freue mich riesig, die 4-Stunden-Marke unterboten zu haben.<\/p>\n<p>In&nbsp;<a href=\"https:\/\/services.datasport.com\/2017\/lauf\/jungfrau\/rang012.htm\">3:54.03,2<\/a> Stunden erreiche ich mein Ziel und den 26. Rang von 429. Klassierten in meiner Alterskategorie. Overall erreiche ich mit dem 97. Rang sogar die Top 100, was mich zus\u00e4tzlich freut.<\/p>\n<p>Neben einer Regenpelerine gibt es eine Finisher-Medaille, das Finisher-Shirt und reichlich Verpflegung. Anschliessend gehe ich direkt zum Gep\u00e4ckdepot, wo die fleissigen Helfer die Gep\u00e4ckst\u00fccke bereits nach Startnummern sortiert haben. Nach kurzer Suche im Haufen finde ich meinen Rucksack und freue mich auf die warme Dusche im Zelt. Noch ist es ziemlich leer und ich geniesse es, wie die Lebensgeister langsam in die unterk\u00fchlten Extremit\u00e4ten zur\u00fcck finden.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckreise f\u00fchrt mich mit der Bahn via Grindelwald nach Interlaken, wo nach wie vor Feststimmung herrscht. Rundum zufrieden trete ich die Heimreise an und kann mir gut vorstellen, in der Hoffnung auf super Wetter diesen perfekt organisierten Lauf wieder einmal zu absolvieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich vor Jahresfrist bei bestem Wetter aus privaten Gr\u00fcnden am Morgen vor dem Lauf aus Interlaken abreisen musste, wollte ich die offene Rechnung mit der Jungfrau dieses Jahr begleichen. 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