{"id":1641,"date":"2019-07-25T20:28:13","date_gmt":"2019-07-25T19:28:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oli.li\/blog\/?p=1641"},"modified":"2019-07-29T21:42:55","modified_gmt":"2019-07-29T20:42:55","slug":"churfirsten-alle-7-auf-einen-streich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oli.li\/blog\/2019\/07\/25\/churfirsten-alle-7-auf-einen-streich\/","title":{"rendered":"Churfirsten: Alle 7 auf einen Streich"},"content":{"rendered":"\n<p>Auf der Suche nach einer neuen sportlichen Herausforderung bin ich anfangs Jahr auf das Projekt &#8220;alle 7 Churfirsten an einem Tag&#8221; gekommen. Im Internet finden sich nicht nur einige Erfahrungsberichte, sondern auch <a href=\"http:\/\/www.hikr.org\/route201.html\">sehr detaillierte Routenbeschriebe<\/a> &#8211; insbesondere f\u00fcr die willkommenen Abk\u00fcrzungen, da bei den Wanderwegen viele H\u00f6henmeter verschenkt werden. Zudem konnte ich auf direkte Erfahrungstipps eines Kollegen zur\u00fcckgreifen. So legte ich mir einen Schlachtplan zurecht, doch eine grosse Portion Ungewissheit und somit Abenteuer blieb gl\u00fccklicherweise erhalten. An den reservierten Daten im Juni hatte es noch zuviel Schnee, so dass eine Verschiebung in den Juli n\u00f6tig wurde. Und dann wurde es richtig heiss&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Freund sagte spontan zu zum Abenteuer und so verabredeten wir uns am Vorabend, als die Wetterprognose Sonne ohne Gewitter voraussagte. Wobei Temperaturen bis 37 \u00b0C angesagt waren. Und eine Besonderheit dieser Route ist das Nicht-Vorhandensein von Brunnen oder Quellen, um den Wasservorrat unterwegs aufzuf\u00fcllen. Letzte Besprechungen fanden beim vorabendlichen Carboloadoing mittels Spaghetti statt. Die n\u00f6tige Portion Abenteuer blieb &#8211; wie bereits oben geschrieben &#8211; bestehen. In einer groben Sch\u00e4tzung rechneten wir mit netto zehn Stunden Laufzeit f\u00fcr unsere Tour von West nach Ost.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06275.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06275-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1645\" width=\"251\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06275-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06275-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06275-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 251px) 100vw, 251px\" \/><\/a><figcaption>Mystische Morgenstimmung auf dem Selun-Gipfel<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Wecker um 02:00 Uhr. Fr\u00fchst\u00fcck, Proviant richten, Wasser abf\u00fcllen. Ich g\u00f6nne mir f\u00fcnf Liter und f\u00fclle die Fl\u00fcssigkeitsspeicher zus\u00e4tzlich bis zum Start zuhause und w\u00e4hrend der Anfahrt. Mit einer Viertelstunde Versp\u00e4tung auf unseren Fahrplan starten wir um 04:15 Uhr bei der Talstation der <a href=\"http:\/\/www.jwalker.ch\/selun\/selun.html\">Seilbahn Selun in Starkenbach<\/a>. Neben dem permanenten Parkplatz ist auch eine grosse Wiese ausgeschildert, wo wir unser Auto parkierten. Von 900 Metern \u00fcber Meer geht es zum ersten Ziel Selun auf 2&#8217;204 Metern \u00fcber Meer. Diese erste Etappe verl\u00e4uft vollst\u00e4ndig auf dem ausgeschilderten Wanderweg und dauert gem\u00e4ss offizieller Angabe 4:15 Stunden. Diese Angabe fl\u00f6sst uns ein wenig Respekt ein, haben wir doch nur etwa mit der H\u00e4lfte gerechnet. In der Tat unterbieten wir die Zeitangabe deutlich und geniessen trotzdem den wundersch\u00f6nen Sonnenaufgang und die mystische Stimmung. Zudem treffen wir kurz vor dem Gipfel eine ganze Schneehuhn-Familie, ansonsten l\u00e4sst sich aber nicht viel Fauna blicken. In unter zwei Stunden erreichen wir mit dem Selun den ersten Churfirsten des Tages. Die Ersten auf dem Gipfel sind wir jedoch nicht, treffen wir doch auf zwei \u00e4ltere Damen, die soeben ihr Biwak zusammen gepackt haben nach einer erfrischenden Nacht auf dem Gipfel.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06280.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06280-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1651\" width=\"256\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06280-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06280-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06280-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/a><figcaption>Rechts Selun-Ostflanke, links Fr\u00fcmsel<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der folgende Abstieg ins Chalttal, um anschliessend auf den Fr\u00fcmsel zu gelangen, ist unsere gr\u00f6sste Unsicherheit w\u00e4hrend der Vorbereitung. Zwar soll es einige M\u00f6glichkeiten in der Ostwand des Seluns geben, einige sind aber sehr exponiert. Wir versuchen es auf ca. 1&#8217;900 m\u00fcM, beurteilen die Stelle aber als zu heikel und das Risiko als zu hoch. Wir entscheiden uns, erst auf H\u00f6he Wildmannlisloch eine kleine Abk\u00fcrzung zu nehmen und via Torloch auf den Fr\u00fcmsel zu steigen. Dies &#8220;schenkt&#8221; uns zwar zus\u00e4tzliche H\u00f6henmeter, jedoch kommen wir auf den Flur- und Wanderwegen z\u00fcgig voran. Zudem k\u00f6nnen wir so am Fuss des Bergs ein Gep\u00e4ckdepot machen und einige Flaschen abladen, um durch weniger Gewicht den Aufstieg zu erleichtern. 1:40 Stunden nach dem ersten Gipfel stehen wir auf dem Fr\u00fcmsel und machen unseren zweiten Gipfelbuch-Eintrag.<\/p>\n\n\n\n<p>Die direkte Traverse zum Brisi gelingt gut in Form eines flotten Stein- und Felsentanz&#8217; nach initialer Querung eines kleinen Schneefelds. Am Fusse des Bergs beurteilen wir die M\u00f6glichkeit gem\u00e4ss Beschrieb, direkt aufzusteigen und anschliessend \u00fcber den Grasr\u00fccken zum Weg zu traversieren. Wir sind jedoch schon ziemlich nahe beim offiziellen Weg und meinen, dass ein Aufstieg dar\u00fcber effizienter und damit schneller sei mit der zus\u00e4tzlichen Option eines erneuten Gep\u00e4ckdepots. Um 10:00 Uhr erreichen wir bereits den dritten Gipfel und sp\u00fcren die Hitze immer intensiver.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06292.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06292-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1662\" width=\"256\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06292-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06292-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06292-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/a><figcaption>Zuestoll mit dem Direktaufstieg unter dem Felsband links im Bild<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die nun folgende Traverse zum Zuestoll und vor allem der Aufstieg unter einem \u00fcberh\u00e4ngenden Felsband macht mir auch noch w\u00e4hrend dem Abstieg vom Brisi Sorgen, als ich krampfhaft versuche, die Wegspuren an der gegen\u00fcber liegenden Felswand zu ersp\u00e4hen. Wir entscheiden, vorerst an den vermeintlichen Einstieg zu traversieren und spontan zu entscheiden, ob wir wiederum den Umweg auf den offiziellen Wanderweg nehmen. Kurz nach dem Brisi-Gipfel erkl\u00e4rt uns ein Bergg\u00e4nger, dass der beschriebene Direktaufstieg der alte offizielle Wanderweg sei. Mit mehr Zuversicht nehmen wir die Traverse unter die F\u00fcsse. Beim Einstieg angekommen, entpuppt sich der Direktaufstieg als problemlos und sogar ausgebaut. Zus\u00e4tzlich laufen wir dank der \u00fcberh\u00e4ngenden Felsen im Schatten. Einzig die Option auf ein Gep\u00e4ckdepot bleibt uns verwehrt. Am Mittag stehen wir bereits auf dem vierten Gipfel und haben somit klar mehr als die H\u00e4lfte der Tour geschafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den Schibenstoll geht es entlang des offiziellen Wanderwegs. Abstieg Zuestoll ist T4 (weiss-blau-weiss) mit einigen ausgesetzten Passagen. Die steilen Abstiege kumulieren sich langsam aber sicher sp\u00fcrbar in den Oberschenkeln. Bis zum R\u00fcggli m\u00fcssen wir auf ca. 1&#8217;750 m\u00fcM absteigen, traversieren und zum zweitletzten Aufstieg antreten. Vorher errichten wir aber noch unser letztes Depot und nehmen den Aufstieg mit leichtem Gep\u00e4ck in Angriff. Trotzdem ist der Kampf gegen Hitze und M\u00fcdigkeit voll im Gang. Jeder steigt konstant in seinem Tempo dem Gipfel entgegen. Bei den gelegentlichen Verschnaufpausen lassen wir uns aber das sagenhafte Panorama nicht entgehen. Auf dem Schibenstoll kurz nach 13:30 Uhr bin ich dann das erste Mal froh, dass die Tour bald vorbei ist. Die Oberschenkel brennen und die Wasservorr\u00e4te gehen langsam zur Neige.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem letzten Abstieg g\u00f6nnen wir uns beim Gep\u00e4ckdepot eine Mittagsrast und essen ein Sandwich, nachdem wir uns bisher mangels richtigem Hunger nur laufend mit Studentenfutter, Biberli und dergleichen verpflegt haben. Die Wasserbilanz f\u00e4llt ern\u00fcchternd aus: Jeder hat nur noch etwa einen halben Liter Fl\u00fcssigkeit f\u00fcr die letzten gut 500 H\u00f6henmeter zur Verf\u00fcgung. Der Himmel scheint unsere Zeichen erh\u00f6rt zu haben, schickt er doch einige Wolken, die einen willkommenen Schleier vor die Sonne zaubern.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06315.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06315-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1665\" width=\"256\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06315-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06315-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/DSC06315-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px\" \/><\/a><figcaption>Blick zur\u00fcck vom Aufstieg zum Hinderrugg. Rechts unten das obere Ende des Gluristals.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Guten Mutes wagen wir uns an die letzte Etappe. Auf die Abk\u00fcrzung (ohne merklichen Zeitgewinn) via G\u00e4mswechsel verzichten wir und finden nach kurzem Suchen den Abstieg durch B\u00fcsche und kniehohe Vegetation ins Gluristal. Nun m\u00fcssen wir die Traverse zum Westaufstieg finden. Aufgrund der Taltopographie halten wir uns ganz rechts und queren dabei noch zwei Schneefelder, die wir zur aktiven K\u00fchlung nutzen. Mit Karte sowie den ungenauen Angaben des GPS-H\u00f6henmessers zirkeln wir uns auf ca. 1&#8217;900 m\u00fcM nach Osten und finden den Einstieg in den Wanderweg. Nun ist es lediglich noch eine Frage der Kondition (und des Willens), die Ungewissheit der Weg- und Abk\u00fcrzungssuche ist vor\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Hinderrugg angekommen ist die Freude riesig, auch wenn wir ein Gipfelkreuz mit Buch vermissen. Kurzes Erinnerungsfoto, Zwischenzeit stoppen und weiter zum ultimativen Ziel, der Bergstation auf dem Ch\u00e4serrugg. Dieser ist rein topologisch kein richtiger Gipfel (respektive Nebengipfel), z\u00e4hlt aber trotzdem zu den sieben Churfirsten. Und wartet zudem als Einziger mit Bahn und Restaurant auf dem Gipfel auf. Wir stillen zuerst unseren ersten Durst am Wasserhahn, bevor wir uns zur Belohnung ein Glac\u00e9 mit Getr\u00e4nk auf der Terrasse g\u00f6nnen und neben der Bergwelt die ansprechende Architektur von Herzog &amp; de Meuron bestaunen.<\/p>\n\n\n\n<p>In netto knapp 10 Stunden Laufzeit und brutto ziemlich genau 12 Stunden nach dem Start in Starkenbach haben wir den Ch\u00e4serrugg erreicht und dabei 28 Kilometer Distanz und 3&#8217;500 H\u00f6henmeter zur\u00fcckgelegt. Mit der zweitletzten Bahn des Tages nehmen wir den R\u00fcckweg via Seilbahn, Standseilbahn und Postauto zur\u00fcck zum Auto in Starkenbach in Angriff. Eine wirklich eindr\u00fcckliche Tour &#8211; nicht nur wegen dem mehrere Tage anhaltenden Muskelkater in den Oberschenkeln&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Suche nach einer neuen sportlichen Herausforderung bin ich anfangs Jahr auf das Projekt &#8220;alle 7 Churfirsten an einem Tag&#8221; gekommen. 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