{"id":782,"date":"2014-08-23T20:00:23","date_gmt":"2014-08-23T19:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oli.li\/blog\/?p=782"},"modified":"2014-08-25T07:33:16","modified_gmt":"2014-08-25T06:33:16","slug":"ultravasan-90","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oli.li\/blog\/2014\/08\/23\/ultravasan-90\/","title":{"rendered":"UltraVasan 90"},"content":{"rendered":"<p>Bereits vor Jahresfrist machte mich ein Arbeitskollege darauf aufmerksam, dass es ab 2014 den ber\u00fchmten Vasalauf auch im Sommer gibt \u2013 als Ultra-Marathon. Nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern \u2013 da ich aufgrund meines Umzugs nach Belgrad nicht sicher war, ob das Trainingspensum f\u00fcr einen solchen Lauf ausreichen w\u00fcrde \u2013 entschied ich mich trotzdem, dieses Unterfangen zu wagen. Leider waren bis dahin bereits alle Startpl\u00e4tze vergeben. Gl\u00fccklicherweise konnte man als Ausl\u00e4nder noch entsprechend reservierte Pl\u00e4tze erhalten, was mir dann auch gelang.<\/p>\n<p>Nach dem <a title=\"Belgrad Marathon\" href=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/2014\/04\/27\/belgrad-marathon\/\" target=\"_blank\">Belgrad Marathon <\/a>im Fr\u00fchling, der nicht ganz wunschgem\u00e4ss lief, war dies also mein zweiter grosser Laufanlass im 2014. Trotz nicht vollkommen optimalem Training konnte ich noch ein paar gute Longjogs an den Wochenenden vorher einschalten \u2013 teilweise in grosser Hitze und unter der sengenden Sonne von Belgrad. Dabei hoffte ich, dass die Temperaturen in Schweden angenehmer sein w\u00fcrden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Photo-22.08.14-15-14-59.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-787 size-medium\" src=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Photo-22.08.14-15-14-59-300x225.jpg\" alt=\"Stillleben der Gep\u00e4ckvorbereitungen\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Photo-22.08.14-15-14-59-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Photo-22.08.14-15-14-59-900x675.jpg 900w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Photo-22.08.14-15-14-59.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Doch zuerst musste ich einmal nach Schweden kommen. Das Hotel hatte ich bereits im Vorjahr zusammen mit dem Lauf reserviert. Ein weiser Entscheid, war es doch mittlerweile ausgebucht. Der Flug ging mit Lufthansa \u00fcber M\u00fcnchen und anschliessend reiste ich per Bahn von Stockholm nach Mora. Die gesamte Anreise verlief problemlos und so war ich bereits am Donnerstagabend am Ort des Laufziels. Am Freitag holte ich die Startnummer und war positiv \u00fcberrascht \u00fcber die perfekte Organisation \u2013 die lange Geschichte des Vasalaufs machte sich hier bemerkbar. Nach ein paar kleinen Eink\u00e4ufen bereitete ich meine Gep\u00e4ckst\u00fccke vor, versuchte ein wenig vorzuschlafen und legte mich auch nach dem Nachtessen nochmals hin. Denn um 01:00 Uhr am Samstagmorgen ging bereits wieder der Wecker!<\/p>\n<p>Mit Bussen wurden wir um 02:30 Uhr nach S\u00e4len zum Startgel\u00e4nde gefahren. Auch dieses war extrem gut eingerichtet, obwohl wir nat\u00fcrlich nur einen Bruchteil des Langlauf-Startgel\u00e4ndes beanspruchten. Schliesslich waren auch nur 1000 Startpl\u00e4tze f\u00fcr den UltraVasan 90 vergeben worden. In den verbleibenden 1.5 Stunden genoss ich die Ruhe vor dem Sturm, versuchte mich, warm zu halten und \u00fcberdenkte mehrmals meinen Ten\u00fc- und Ausr\u00fcstungsentscheid. Die Wettervorhersage prognostizierte Temperaturen von 9-14&nbsp;\u00b0C mit hoher Regenwahrscheinlichkeit gegen den Nachmittag. Doch ich blieb dabei: kurz\/kurz und keinen zus\u00e4tzlichen Trinkrucksack oder \u2013flasche bis zur Halbzeit. Somit brachte ich die beiden Gep\u00e4ckst\u00fccke zu den Transportw\u00e4gen. W\u00e4hrend das Hauptgep\u00e4ck direkt nach Mora ins Ziel bef\u00f6rdert wurde, konnte man einen Sack mit Wechselkleidern nach Evertsberg zur Halbzeitmarke bringen lassen.<\/p>\n<p>Nun galt es ernst: Die Teilnehmer wurden aufgefordert, den Startbereich zu betreten. Die Stimmung war ausgelassen und man konnte die Spannung in der Luft f\u00f6rmlich sp\u00fcren. Anders als bei k\u00fcrzeren L\u00e4ufen herrschte aber keinerlei Gedr\u00e4nge und die Ellb\u00f6gen blieben am K\u00f6rper. Noch war es ziemlich dunkel und die Temperaturen frisch. Als p\u00fcnktlich um 05:00 Uhr der Startschuss erklang, setzte sich die knapp 800-k\u00f6pfige Masse in Bewegung. Unter lautem Applaus und Zurufen ging es in eine kurze Startschleife, bevor wir das Startgel\u00e4nde leicht ansteigend in den Wald hinein verliessen.<\/p>\n<p>Ein konkretes Zeitziel nahm ich mir nicht vor, vielmehr wollte ich versuchen, den Lauf als Erlebnis zu geniessen. Und wenn es optimal laufen sollte, stellte ich mir eine Zeit von unter neun Stunden als realistisch vor. Vorerst nahm ich mir vor, mithilfe meiner GPS-Uhr nicht schneller als 5:00&nbsp;min\/km anzulaufen. Ich f\u00fchlte mich gut und genoss die fr\u00fchmorgendliche Stimmung. Die Ten\u00fcwahl stellte sich bereits nach kurzer Zeit als richtig heraus. Jetzt hoffte ich lediglich, dass sich die prognostizierten Regenf\u00e4lle m\u00f6glichst lange Zeit liessen.<\/p>\n<p>Der erste Teil war nicht sehr technisch, sondern wurde auf breiten Waldstrassen gelaufen. Bereits kurz nach dem Start kam Daen \u2013 ein weiterer Schweizer Teilnehmer \u2013 von hinten angelaufen und erkannte mich. Trotz Knieproblemen versuchte er, den Lauf zu beenden. Bis zum ersten Verpflegungsposten in Smagan liefen wir zusammen, ehe ich dort das erste Mal ein Toitoi von innen inspizieren musste \u2013 nichts Neues bei meinem Magen also.<\/p>\n<p>Nun folgten die ersten technischen Passagen: Single-Trails mit sehr vielen Wurzeln durchsetzt, sumpfige Abschnitte und zahlreiche Holzbr\u00fccken, die lediglich aus zwei Brettern bestanden. Da sich zu diesem Zeitpunkt noch immer kleine Gruppen bildeten, wippten die Br\u00fccken extrem und das Wasser schwappte mitunter in die Schuhe. L\u00e4ngere Zeit war ich durch eine langsame Gruppe vor mir behindert und ein \u00dcberholen praktisch unm\u00f6glich. Dabei st\u00f6rten nicht die verlorenen Sekunden, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich nicht meinen Rhythmus laufen und nur immer 1-2 Meter voraus schauen konnte. In einem Waldst\u00fcck konnte ich dann endlich \u00fcberholen und lief bald darauf wieder auf Daen auf. Bis zum n\u00e4chsten Verpflegungs- und Totoi-Stopp liefen wir wiederum gemeinsam.<\/p>\n<p>Die Verpflegungsauswahl war relativ \u00fcppig und so versuchte ich mich einmal mit Br\u00f6tchen und einer halben Banane. Und bei den Wasserstellen schnappte ich mir jeweils mindestens einen Becher Wasser. Trotz den Magenunannehmlichkeiten f\u00fchlte ich mich nach wie vor gut und war froh, dass es bisher nur ganz leicht nieselte.<\/p>\n<p>Kurz nach Risberg holte ich wiederum Daen ein und wir passierten zusammen die Marathon-Marke, die mit einem grossen Torbogen markiert war \u2013 zusammen mit einem anschliessenden Transparent: \u201eWe are ultramarathoners!\u201c Interessant war f\u00fcr mich auch die Tatsache, dass ich die Marathonmarke mit 3:50 Stunden schneller passierte als bei meinem allerersten <a title=\"Budapest Marathon\" href=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/2004\/10\/03\/budapest-marathon\/\">Marathon in Budapest<\/a>. Daen musste anschliessend reduzieren und so lief ich alleine nach Evertsberg.<\/p>\n<p>Mittlerweile regnete es in Str\u00f6men und ich war komplett durchn\u00e4sst. In Evertsberg wartete\u00a0neben Verpflegung auch das pers\u00f6nliche Gep\u00e4ck. Ich \u00fcberlegte kurz, ob ich die Socken oder das Shirt wechseln oder sogar die Regenjacke anziehen sollte. Ich verwarf s\u00e4mtliche Optionen, legte meine Sonnenbrille (bis hierhin in vollem Optimismus auf dem Kopf) in den Sack und nahm daf\u00fcr die Trinkflasche f\u00fcrs Handgelenk mit. Daen war mittlerweile auch eingetroffen und entschloss sich nach kurzer \u00dcberlegung, das Rennen trotz seinem Knie fortzusetzen. Ich g\u00f6nnte mir noch einen Teller Pasta und einen Becher <a title=\"Blaubeersuppe (Wikipedia)\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schwedische_Blaubeersuppe\" target=\"_blank\">Blaubeersuppe<\/a>, bevor ich mich ebenfalls auf die zweite H\u00e4lfte machte.<\/p>\n<p>In Evertsberg sagte Daen noch im Spass, wir k\u00f6nnen ja unterstehen, bis der Regen aufh\u00f6rt. Und in der Tat liess er bald nach. Ich war sehr froh dar\u00fcber, k\u00fchlt man doch mit v\u00f6llig durchn\u00e4ssten Kleidern trotz Laufen ziemlich schnell aus . Nun ging es hinunter nach Oxberg. In der Streckenbeschreibung hiess es, ab Evertsberg folge schnelles Terrain, doch kurz darauf fand ich mich im Sumpfgebiet wieder. Dies war ein \u00e4usserst kr\u00e4ftezehrender Abschnitt, in dem es mir mehr als einmal fast den Schuh auszog. Daen hatte ich mittlerweile wieder \u00fcberholt und lief alleine \u2013 wobei ich in einer losen Gruppe h\u00e4ufig die gleichen Gesichter um mich sah. Das Feld war aber sehr auseinander gezogen und es gab Phasen, wo ich vor und hinter mir niemanden sah. Dazu kamen teilweise Abzweigungen, wo auf den ersten Blick nicht ersichtlich war, welches die markierte Strecke ist. Immer wieder f\u00fchrte die Strecke durch Abschnitte mit Werbebannern links und rechts \u2013 ein klares Anzeichen, dass im Winter der Vasalauf hier durch geht.<\/p>\n<p>Bis hierhin lief ich s\u00e4mtliche Abschnitte und nahm mir immer wieder neue Ziele vor, bevor ich nicht ins Gehen wechseln wollte. Zuerst Streckenh\u00e4lfte, dann 50 km, 60 km. Dann entschied ich, jeweils bergauf zu gehen. Insbesondere bei kurzen, steilen Aufstiegen war der Zeitverlust dadurch minimal und die Kr\u00e4fteersparnis nennenswert. Bei H\u00f6kberg \u2013 19&nbsp;km vor dem Ziel \u2013 folgte der letzte, grosse Verpflegungsposten. \u00a0Ich g\u00f6nnte mir nochmals Pasta und Blaubeersuppe.<\/p>\n<p>Beim Loslaufen traf ich einen Schweden, der in Schottland lebt. Nachdem er mir sagte, dass ich noch ziemlich frisch auss\u00e4he, kamen wir ins Gespr\u00e4ch und liefen anschliessend zusammen. Dieses \u201ePaarlaufen\u201c war extrem hilfreich, f\u00fchrte es doch dazu, dass niemand aufgab und ins Gehen wechselte. Entsprechend \u00fcberholten wir einige L\u00e4ufer in dieser Phase. Kurz vor Eldris musste ich ihn jedoch vorerst nochmals ziehen lassen.<\/p>\n<p>Eldris war ein letzter, kleiner Verpflegungsstopp 9 km vor dem Ziel. Nun schien es lediglich noch eine Formsache zu sein, nach Mora zu laufen. Seit dem Start gab es jeden Kilometer ein Schild mit den verbleibenden Kilometern bis Mora sowie zur jeweils n\u00e4chsten Verpflegung. Die mittlerweile einstelligen Zahlen machten Mut, jedoch waren auch die Kraftreserven entsprechend am Ende. Trotzdem lief ich bis auf die Bergauf-Passagen fast alles und freute mich dann, die Zahl \u201e3\u201c zu lesen. Nun waren auch die ersten H\u00e4user von Mora zu sehen. Wir liefen durch Moras Campingplatz und dann nochmals \u00fcber eine letzte Steigung: Eine Br\u00fccke kurz vor der langen Zielgeraden.<\/p>\n<p>Den Zieleinlauf wollte ich ausgiebig geniessen und die Stimmung entlang der Zielstrasse in Mora war super. Kurz nach 14:00 Uhr erreichte ich nach kr\u00e4ftezehrenden <a title=\"Resultat Vasaloppet 2014\" href=\"http:\/\/results.vasaloppet.se\/2014\/?content=detail&amp;fpid=search&amp;pid=search&amp;idp=9999991678885900001BF3C5&amp;lang=EN&amp;event=UL90_000017167888590000000399\" target=\"_blank\">9:07:53<\/a>&nbsp;Stunden das Ziel, was den 44. Kategorienrang (133 overall) bedeutete. Angesichts des reduzierten Trainings und der doch sehr anspruchsvollen Strecke war ich \u00e4usserst zufrieden mit der Zeit, auch wenn ich die neun Stunden nicht unterbot.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Photo-23.08.14-14-32-42.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-788 size-medium\" src=\"http:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Photo-23.08.14-14-32-42-225x300.jpg\" alt=\"Selfie mit Medaille\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Photo-23.08.14-14-32-42-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.oli.li\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Photo-23.08.14-14-32-42.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Obwohl die Verpflegung auch im Ziel wiederum reichhaltig war, konnte ich nichts essen. Ich nahm mir ein Getr\u00e4nk, setzte mich auf eine Bank und genoss den Moment. Das Gep\u00e4ck wartete bereits sauber sortiert und bald darauf stand ich bereits unter der warmen Dusche im Hotel. Anschliessend leerte es dann doch noch wie aus K\u00fcbeln herunter und ich war froh, nicht mehr auf der Strecke zu sein. Ein \u00fcberaus gelungenes Laufwochenende nahm am Abend mit einem Elch-Burger und einem anschliessenden Bier zusammen mit der Schweizer Delegation sein Ende.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits vor Jahresfrist machte mich ein Arbeitskollege darauf aufmerksam, dass es ab 2014 den ber\u00fchmten Vasalauf auch im Sommer gibt \u2013 als Ultra-Marathon. 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