Big Island

Im Gegensatz zu Maui hatten wir Big Island von Anfang an geplant. Die Anreise erfolgt wiederum mittels kurzem Hüpfer von Honolulu nach Hilo. Dort fassen wir einen Mietwagen – dieses Mal einen SUV mit AWD. Und einmal mehr macht Alamo einen ausgezeichneten Job.

Wir fahren mehr oder weniger direkt zu unserer Unterkunft – einem Bed & Breakfast sehr nahe des Volcano Nationalparks. Das B&B wird von einem russischen Paar geführt, wobei Leon bereits sehr lange in den USA wohnt. Das Haus liegt ziemlich abgelegen mitten im Regenwald und um es zu erreichen, müssen wir für eine kurze Strecke gegen den Auto-Mietvertrag verstossen und über eine Kiesstrasse fahren. Marina und Leon erwarten uns bereits und führen uns in unser Reich für drei Nächte. Wir haben den gesamten unteren Stock für uns und können auch die Küche und die Terrasse oben benützen. Zudem ist Leon professioneller Reiseführer und versorgt uns umgehend mit ersten Tipps.

Wir fahren noch am ersten Abend nach dem Nachtessen zum aktiven Vulkan Kilauea. Im Dunkeln ist die rote Lava-Wolke eindrücklich erkennbar. Trotz leichtem Nieselregen ein super Naturschauspiel, das Eindruck macht. Noch nie war ich so nahe an einem aktiven Vulkan.

Am kommenden Tag erkunden wir den Nationalpark bei Tageslicht. Sehr eindrücklich sind die Dämpfe und Gase, die aus Löchern und Ritzen im Boden aufsteigen und teilweise fürchterlich nach Schwefel stinken. Vom Kraterrand kann man wunderschön die Caldera bewundern, die leider fürs Wandern wegen den gefährlichen Dämpfen zurzeit gesperrt ist. Wir reihen alternativ einige kleinere Trails aneinander und erkunden so einen Grossteil des Gebiets zu Fuss. Auch das Visitor’s Center sowie das Jaggar Museum bieten wertvolle Zusatzinformationen. Wie immer erläutern die anwesenden Rangers gerne Details und geben Tipps für die Besichtigung.

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Wir folgen am Nachmittag jedoch dem Tipp von Leon und machen uns auf Richtung Süden: Wir wollen mit dem South Point von Big Island den südlichsten Punkt der USA besuchen. Zuerst auf einer Haupt- und anschliessend auf einer holprigen Nebenstrasse erreichen wir den Parkplatz mit den steilen Klippen. Einheimische Kinder sind dabei, von den knapp 10 Metern hohen Klippen ins Meer zu springen. Leider haben wir keine Badesachen dabei, denn der Sprungplatz sieht wirklich verlockend paradiesisch aus. So bleibt es beim Zuschauen und Fotos machen. Den Green Sand Beach ganz in der Nähe schenken wir uns dann jedoch, da wir weder drei Meilen zu Fuss gehen noch 15 Dollar pro Person für den Hillbilly-Transport bezahlen wollen.

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Der Samstag soll unser grosser Wandertag werden: Wir wollen den weltgrössten (aktiven) Vulkan Mauna Loa zu Fuss erklimmen! Leon hat uns zwar ganz klar gesagt «forget about it», doch dies basiert auf seinem Unwissen, dass es einen offiziellen Wanderweg gibt. Wir brüten in den Vortagen intensiv über den Wetterprognosen und identifizieren das Wetter zusammen mit der Höhe (4′170 Meter über Meer) als grössten Risikofaktor. Beim Besuch des Nationalparks suchen wir auch noch das Backcountry Office auf und diskutieren unseren Plan intensiv mit den anwesenden Rangern, die uns wertvolle Tipps geben und uns eher ermuntern als entmutigen. Am Vorabend wird nach abermaliger Konsultation des Wetters, intensivem Kartenstudium und Internetrecherche der definitive Entscheid gefällt: Wir versuchen es!

Zu unchristlicher Zeit geht es mit dem Auto los bis zum kleinen Parkplatz unterhalb des Observatoriums auf gut 3000 Metern über Meer. Die Anfahrt verläuft problemlos durchgehend auf asphaltierten Strassen. Noch sind einige Wolkenfetzen zu sehen, doch «unsere» Seite des Vulkans scheint offen zu sein. Der Wind bläst jedoch extrem und die Temperatur ist merklich zurückgegangen. Angesichts dieser Verhältnisse geniessen wir unser Morgenessen im Auto mit Blick auf den Mauna Kea gegenüber. Ich habe schon in schlechterer Kulisse gefrühstückt…

Wir verspüren beide keine körperlichen Beschwerden bezüglich Höhe und geniessen die Ruhe vor dem Sturm. Dass dies noch wörtlich ausgelegt werden wird, wissen wir zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. Um 8:00 Uhr machen wir uns auf den steinigen Weg, die gut 1000 Höhenmeter zu bezwingen. In herrlichem Panorama ohne Leute weit und breit folgen wir den Steintürmchen, welche den Weg markieren, zum Gipfel.

Je höher wir steigen, desto näher kommen die Wolken. Es mag sie zwar auf unserer Lee-Seite fortlaufend wegblasen, doch kurz unterhalb der Caldera tauchen wir ein. Konnten wir vorhin stets den Weitblick zum Mauna Kea und hinab ins Tal schweifen lassen, beträgt die Sichtweite abrupt nur noch 50-100 Meter. Wir beraten das weitere Vorgehen und entscheiden uns dann, vorerst weiterzugehen. Und kurz nach dem Passieren der 4000er-Marke entdecken wir den wohl stilvollsten Ort für die gepflegte Morgentoilette. Logisch, dass ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lasse. 😛

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Bei der anschliessenden Weggabelung mit Sicht in die Caldera kann man entweder zum Campingplatz mit Baracken oder zum Gipfel (auf der gegenüberliegenden Seite der Caldera) abzweigen. Wir schreiten wacker voran Richtung Gipfel. Nach knapp 500 Metern wird der Nebel dichter, wir sehen teilweise nur noch 20-50 Meter in einem unbekannten Gebiet mit Felsspalten und scharfer Aa-Lava. Wir machen eine Denkpause und analysieren die Lage. Noch bevor wir einen definitiven Entscheid fällen, setzt der Regen ein und nimmt ihn uns ab. Wir haben lediglich Regenjacken und keine -hosen dabei und auch wärmende Kleidung ist nur begrenzt vorhanden. Zudem fühlen wir uns bei diesen Sichtverhältnissen in unbekanntem Gebiet nicht wohl. Sehr schweren Herzens (so kurz vor dem Ziel!) treten wir den geordneten Rückzug an. 🙁

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Wir kommen zügig voran und sind schon fast beim Parkplatz, als wir vermehrt Donnergrollen hören, das immer näher kommt. Schnell identifizieren wir die Gewitterzelle (nachdem wir zuerst meinten, es wird im nahen Militärgelände gesprengt), die sich bedrohlich zwischen uns und dem rettenden Auto aufbaut. Schlussendlich dreht sie jedoch leicht ab und wir müssen uns nicht im munteren Blitzhüpfen zwischen den Felsen üben. Lediglich nass und ein wenig abgekühlt steigen wir in unseren zuverlässigen Buick, schlängeln uns die Passstrasse des Mauna Loas hinunter und direkt vis-à-vis diejenige des Mauna Keas hinauf – jedoch nur bis zum Besucher-Informationszentrum. Da anschliessend ein ungeteertes Strassenstück folgt, ist die Zufahrt zum Gipfel nur für 4WD-Fahrzeuge empfohlen und von den meisten Vermietern auch via Mietvertrag verboten. Vorerst halten wir uns daran und sehen zudem im Informationszentrum ein aktuelles Bild des Wetterradars mit einem roten Kern über dem Mauna Loa. Trotz fortwährenden Zweifeln scheint die Entscheidung richtig gewesen zu sein.

Bevor wir heimwärts fahren, geht es noch zum neusten Lavastrom, der 2012 am südöstlichen Punkt der Insel ins Meer geflossen ist und dem Staat einige Hektaren neues Land beschert hat. Durch Hinweisschilder kommen wir zu Gerys Haus, der laut eigenen Angaben ein «Lava-Problem» hat und süchtig nach dem flüssigen Gestein ist. Sein Haus wurde 2012 durch die Lava zerstört, so dass er sich daraufhin ein neues auf dem ausgekühlten Lavafeld gebaut hat. Er zeigt uns eindrückliche Bilder (und möchte diese auf einer DVD auch verkaufen) und erzählt lebhaft, wie er in und mit der Lava lebt – ein wahrer Lebenskünstler. Auch momentan gibt es einen aktiven Lavastrom, der jedoch öffentlich nicht zugänglich sich weiter oben gemächlich seinen Weg bahnt.

Der folgende Tag soll – zumindest was die körperliche Ertüchtigung angeht – nicht mehr ganz so intensiv werden. Wir nutzen unseren Transfer nach Waikoloa (Westküste) und machen eine Sightseeing-Tour per Auto mit Fokus auf die Ostküste. Zuerst geht es zu den «Rainbow Falls» und den dahinter liegenden «Boiling Pots». Ein bisschen Wildwasser, das mich nicht richtig überzeugen kann. Viel besser gefallen mir weiter nordwärts die «Akaka Falls«: Richtig im Regenwald gelegen fällt das Wasser wunderbar 129 Meter in die Tiefe. Den Abschluss der Tour bildet das Waipia-Tal, das wir von hoch oben begutachten. Hinunter müsste man entweder laufen oder ein 4WD-Fahrzeug besitzen. Anschliessend geht es einmal quer durch die Insel zu unserer neuen Unterkunft im Marriott auf der Westseite.

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Dort werden wir erstmals von sehr viel Regen begrüsst. Wir erhalten ununterbrochen Springflut-Warnungen auf unsere Telefone (ich habe diese iPhone-Funktion noch gar nicht gekannt 😉 ) und müssen auf den letzten Meilen sogar unsere Geschwindigkeit mangels Sicht drosseln. Auch der nächste Tag ist völlig verregnet, so dass wir lediglich eine kurze Ausfahrt nach Kona unternehmen. Die Hotelanlage inklusive Poollandschaft können wir aber trotzdem oder eben erst recht ausgiebig geniessen.

Die Regenmenge ist für die hawaiianischen Inseln bemerkenswert bis verheerend: Mehrere Strassen und sogar der berühmte Waikiki Beach in Honolulu müssen gesperrt werden, da die Kanalisation überläuft und ins Meer fliesst.

Am letzten Big-Island-Tag wollen wir es aber nochmals wissen und die «verlorenen» Stunden nachholen. Frühmorgens fahren wir ab ins Zentrum der Insel auf das Dach von Hawaii: Wir «erklimmen» den Mauna Kea und essen nach erfolgtem Gipfelsturm auf einem Parkplatz kurz unterhalb der Spitze unser Frühstück. Wieso hat es diesmal geklappt, nachdem wir das letzte Mal nicht übers Besucherzentrum hinausgekommen sind? Nach dem letzten «Versuch» haben wir nochmals mit Leon gesprochen und im Internet recherchiert. In Wahrheit sind die ungeteerten knapp fünf Meilen bei guten Witterungsverhältnissen überhaupt kein Problem – auch für normale Autos. Mitunter werden sogar Mustang-Cabrios auf dem Gipfel gesichtet… Und mit unserem AWD-SUV geht es dann auch wirklich problemlos. Trotz den vergangenen starken Regenfällen präsentiert sich die Piste in ausgezeichnetem Zustand – ich habe in Asien manche Teerstrasse gesehen, die in schlechterem Zustand ist!

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Lediglich beim Hinunterfahren muss man an die Bremsen denken. Also nicht einfach in Automatik herunterbrettern, sondern schön manuell die Motorenbremse nutzen. Diese ist zwar bei unserem Fahrzeug nicht allzu wirkungsvoll, doch wir kommen unbeschadet und um eine Erfahrung reicher unten an. Leider verdecken auf dem Gipfel Wolkenfetzen die absolute Weitsicht, trotzdem geniessen wir den Ausflug sehr.

Am Nachmittag gibt es Action wiederum auf der Ostseite: Wir gönnen uns eine Zipline-Tour! Nach kurzer Sicherheitsinstruktion und einer holprigen Fahrt im Kleinbus geniessen wir sieben Fahrten per Zipline über Fruchtplantagen, Regenwald, Flüsse und als Abschluss sogar über einen Wasserfall. Atemraubende Landschafen so schwerelos durchqueren macht grossen Spass und nur zu schnell ist das Abenteuer auch wieder vorbei. Wir sind so begeistert, dass wir gleich nochmals oben beginnen wollen…

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Und bereits ruft Oahu wieder. Wir müssen zurück ins regengeplagte Honolulu. Wir sehen sehr viel Wasser und überschwemmte Strassen. Der Waikiki Beach ist jedoch bereits wieder offen. Als am Nachmittag ein Gewitter aufzieht, wird es aber furchteinflössend: Das Zentrum zieht voll über uns hinweg und wir sehen und hören (!!!) die Blitze einschlagen – begleitet von Platzregen mit riesigen Tropfen. Hawaii möchte uns wohl los werden und so fügen wir uns der Naturgewalt und ziehen weiter aufs Festland…

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Oahu (2)

Durch die Planänderung mit Maui ist unser Aufenthalt auf Oahu zweigeteilt worden. Während im ersten Teil noch die Freude über die Ankunft in einer neuen Kultur überwiegte, haben wir uns mittlerweile sehr gut auf den Inseln im Pazifik eingelebt.

Die Rückgabe des (leicht angekratzten) Mietwagens geht wie bereits abgeklärt problemlos und wiederum in Rekordgeschwindigkeit. Ich bin nach wie vor restlos begeistert von unserem Autovermieter Alamo und hoffe, dass er die zwei sich noch bietenden Gelegenheit nicht nutzt, mir das Gegenteil zu beweisen.

Am Flughafen wünsche ich mir, mich am Morgen doch rasiert zu haben. Anscheinend sehe ich mit 3-Tage-Bart ziemlich verdächtig aus. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso ich drei Mal auf Sprengstoff untersucht werde. Zuerst animalisch per Spürhund, dann ein erstes Mal vor der Sicherheitskontrolle mit Handabstrich und Maschine um nur wenige Minuten nachher anschliessend an die Sicherheitskontrolle die Prozedur nochmals über mich ergehen zu lassen.

Nun steht Pearl Harbor auf dem Programm – einen ganzen Tag lang. Wir haben im Voraus eine Tour gebucht. Eigentlich ist es mehr einen Chauffeur mit Bus sowie reservierte Eintrittstickets, die wir gebucht haben. Ein Teil der Museen sind nämlich gratis, jedoch braucht es dafür trotzdem Tickets, die auf Monate hinaus ausverkauft sind. Es gibt auch täglich noch sogenannte Walk-in-Tickets, die aber begrenzt und in der Hochsaison schnell weg sind. Deshalb haben wir uns für die komfortable Variante entschieden und lassen uns dieses Eintauchen in die Geschichte etwas kosten.

Als erstes besuchen wir das USS Arizona Memorial. Dieses Schiff wurde beim Überraschungsangriff der Japaner mitsamt Besatzung versenkt, wovon ein Grossteil noch immer im Rumpf eingeschlossen auf dem Meeresgrund liegt. Auch das Öl ist noch in den Tanks, wovon täglich ein paar Liter auslaufen und die «Tränen der Besatzung» auf der Wasseroberfläche bilden.

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Bevor wir von der US Navy auf das Memorial gefahren werden, können wir eine Ausstellung mit Audio-Guide sowie einen einführenden Film geniessen. Im Anschluss wartet unmittelbar daneben das U-Boot USS Bowfin darauf, erkundet zu werden. Immer wieder eindrücklich zu sehen, wie eng der Platz auf einem U-Boot ist und was dies fürs tägliche Leben der Besatzung bedeutet: Schlafen zwischen Torpedos und Essen in Ablösungen.

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Anschliessend fahren wir mit dem Bus ins Pacific Aviation Museum, wo wir zuerst einmal unser inkludiertes Mittagessen einnehmen. Mir gefällt das Museum sehr, ist es doch voll der Fliegerei gewidmet. Es werden nicht nur die Modelle des Zweiten Weltkriegs gezeigt, sondern auch moderne Jets wie F-14, F-15 oder B-52 (Cockpit). Ein Hangar hat sogar noch originale Einschusslöcher, bei denen man jedoch nicht weiss, ob sie von den Japanern geschossen oder durch «Friendly Fire» entstanden sind.

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Die letzte Station auf unserem Weg zurück in der Geschichte bildet das riesige Schlachtschiff USS Battleship Missouri. Darauf unterzeichneten die Japaner ihre Kapitulationserklärung. Vor uns betritt noch eine Kompanie Navy-Aspiranten singend und in Formation das Schiff zur Besichtigung. Nach einer halbstündigen Führung dürfen wir das Schiff auf eigene Faust erkunden. Wir verirren uns beinahe in den Katakomben und entdecken allerlei Interessantes, beispielsweise die schiffseigene Donut-Bäckerei. Das Leben darauf ist um einiges angenehmer als auf dem zuvor besichtigten U-Boot.

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Auf dem Rückweg nach Waikiki fahren wir noch durch diverse Quartiere und den (ausgebuchten) Friedhof «National Memorial Cemetery of the Pacific». Während der ganzen Fahrt unterhält uns unser Fahrer bestens mit Anekdoten und interessanten Hintergrundinformationen. Ein überaus gelungener Weg, Pearl Harbor zu besichtigen. Dazu kann man sagen, dass die Aufbereitung der Geschichte in den Museen sehr gelungen ist – natürlich amerikanisch gefärbt aber dennoch ziemlich ausgewogen.

Am letzten Tag vor der Weiterreise nach Big Island betätigen wir uns nochmals sportlich. Mit dem öffentlichen Bus geht es zum Diamond Head, einem kleinen Krater mit super Rundumsicht auf der Spitze. Der Weg hinauf ist völlig der Sonne ausgesetzt, die unbarmherzig herunterbrennt. In einer guten halben Stunde erklimmen wir den Hügel und geniessen die Aussicht.

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Den Nachmittag verbringen wir in einem Park direkt am Strand hinter dem Army Museum: Baden, Lesen, Sonne anbeten. Am Abend gönnen wir uns ein grosses Fleisch in einem edlen Steakhouse mit anschliessender spätabendlicher Shoppingtour. Wobei ich bezüglich Gaumenfreuden anmerken muss, dass mich Amerika respektive Hawaii bisher fleischmässig noch nicht überzeugt hat, wenn ich da an meine karnivoren Ausschweifungen in Belgrad zurück denke…

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Maui

Maui haben wir kurzfristig gebucht, als wir uns entschieden hatten, frühzeitig von Asien nach Hawaii zu wechseln. Und wir sollten es nicht bereuen… Kurz nach Ankunft werde ich ein erstes Mal positiv überrascht: Die Mietwagenübernahme ist in knapp 10 Minuten erledigt und niemand wollte uns irgendwelche Zusatzgebühren verrechnen.

Unbedingt auf dem Programm steht der Vulkan Haleakala. Das Wetter verspricht jedoch am ersten Tag eher regnerisch zu werden und so ziehen wir die Erkundungstour per Auto nach Hana vor. Die Strasse nach Hana ähnelt einer Passstrasse ohne Steigung und bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten auf dem Weg. Einen ersten Halt machen wir bei den Twin Falls: Idyllischer Wasserfall mitten in einem dichten Wald. Um ihn zu erreichen, muss das letzte Stück sogar gewatet werden. Belohnt wird man mit einem erfrischenden Bad (bevor Vermutungen zu neuer Frisur oder anderen «Umbauten» aufkommen: Ich bin derjenige unter dem Wasserfall).

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Als nächstes besuchen wir den Wai`anapanapa State Park mit seinen schwarzen Stränden und den Lavaformationen, die ins Meer ragen und die unverwechselbare Küste bilden. Zudem befindet sich dort eine Süsswasser-Grotte, in der man ein kühlendes Bad im glasklaren Wasser nehmen kann.

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Den Abschluss macht der Red Sand Beach. Diesen kleinen Strand muss man sich zuerst «verdienen». Vom Parkplatz geht es durch ein gelbes Tor über eine unscheinbare Wiese, bis der Weg zum Strand erkennbar ist. Nach einer kurzen Kletterpartie zeigt sich der Farbenzauber in voller Pracht.

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Auf der Rückfahrt sehen wir uns noch die «Iao Needle» an, eine ziemlich markante Felsformation. Einen Schweizer mag diese jedoch nicht besonders zu beeindrucken – erst recht nicht, wenn der mit 30 Minuten angegebene Fussweg in knapp fünf zurückgelegt werden kann. Eindrücklich ist jedoch die Tatsache, dass es sich um eine völlig andere Klimazone auf dieser kleinen Insel handelt. Zudem sind auch die fast senkrechten Felsen dicht bewachsen, so dass sich das ganze Gebirge in Grün präsentiert.

Am Samstag ist der Wetterbericht verheissungsvoller, so dass wir eine erste Erkundung zum Vulkan machen. In einer guten Stunde geht es dabei von 0 auf 3055 Meter über Meer. Wir haben eine kleine Wanderung am Nachmittag zur Einstimmung geplant. Vom Visitor’s Center laufen wir hinunter in den grossen Krater zu einem kleinen, der umrundet werden kann. Tückisch dabei ist, dass es zuerst sehr leichtfüssig bergab geht und der harte Aufstieg zum Schluss wartet.

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Die Farbenvielfalt und das Eintauchen in einen Vulkan fasziniert mich extrem. Schon von oben sieht die Landschaft eindrücklich aus. Doch so richtig erleben kann man sie erst, wenn man hinunter steigt. Tiere findet man nicht viele vor. Wenn, dann vor allem diverse Vogelarten – sowohl natürlich angesiedelte als auch eingeführte, die nicht gern gesehen werden und teilweise das Ökosystem bedrohen. Man sieht, auch andernorts gibt es Asylprobleme. 😉

Fürs Nachtessen haben wir Picknick mitgenommen, da wir vom Gipfel den Sonnenuntergang geniessen wollen. In eindrücklicher Natur mit einer sagenhaften Kulisse einem Naturschauspiel beiwohnen und gemütlich picknicken – viel perfekter lassen sich Ferien nicht mehr definieren.

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Da ein solches Szenario ja zu perfekt für diese Welt ist, gibt es natürlich noch einen Nebenschauplatz. Bei der Rückkehr von unserer Wanderung entdeckt Silja an unserem Mietwagen einen kleine Delle (1-2 cm) mit einem roten Kratzer. Jackpot: Parkschaden, natürlich ohne Notiz vom Verursacher. Auflösung im Schnelldurchlauf: Nach ein paar (hektischen) Abklärungen und Korrespondenz meinerseits fahren wir am nächsten Tag kurz beim Vermieter vorbei und fragen (als pflichtbewusste Schweizer), ob ein Polizeirapport notwendig ist. Mit einem Blick, der zwischen Frage und Lachkrampf pendelt, schaut sich der Mitarbeiter die Sache an und sagt nur, dass dies bei ihnen nicht einmal unter «Schaden» geht. Mir fällt ob des vermeidbaren Papierkriegs ein Stein vom Herzen und die Ferien können weiter genossen werden.

Das grosse Aktivprogramm wartet am Sonntag: Frühstart mit Morgenessen bei Sonnenaufgang auf dem Vulkan. Wenn auch schon der Untergang eindrücklich war, so schlägt der Aufgang alles. Fotos können diese einmalige Stimmung nur sehr bruchstückhaft transportieren (nicht zuletzt, weil das Frieren fehlt 🙂 ).

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Danach stellen wir das Auto beim Visitor’s Center ab (extra ein Parkplatz mit nur einem Nachbar) und machen uns per Autostopp auf den Weg. Richtig gelesen! Wir haben eine Einweg-Wanderung mit Ziel Gipfel geplant und müssen somit zuerst zum Ausgangsort kommen. Da sehr viele Leute nach dem Sonnenaufgang sich auf den Rückweg machen, hegen wir die Hoffnung, bald mitgenommen zu werden. Und nach nicht einmal fünf Minuten nimmt uns ein kolumbianisches Paar mit, das ihr 30-jähriges Hochzeitsjubiläum (ohne ihre fünf Kinder) auf der Insel feiert. Nach einer kurzen Fahrt mit netter Konversation starten wir zu Fuss ins Abenteuer.

Wiederum sind wir extrem fasziniert von der Landschaft. Es sind vor allem die ständig wechselnden Umgebungen, die man fast nirgends sonstwo findet. Wir starten in dichter Buschvegetation, ähnlich unserer Alpen. Danach geht es über schroffe Felskanten hinunter in die Ebene, die wiederum sehr grün wird. Anschliessend folgen die zahlreichen Lavafelder in ihren unterschiedlichen Farben. Abermals mutet die Szenerie fast surreal an, als wir uns durch Mondlandschaften bergauf kämpfen. In gut fünf Stunden bewältigen wir die knapp 20 Kilometer bei 1000 Höhenmetern und kommen glücklich beim (unversehrten) Auto an.

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Den Tag beschliessen wir mit weiteren (teilweise regnerischen) Strandaktivtäten und einem exzellenten Nachtessen im wohl besten Restaurant Mauis. Maui – definitiv ein Highlight unserer Reise!

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Oahu (1)

Eine lange Flugreise von Hanoi über Seoul und Guam nach Honolulu wartet auf uns. Den Wechsel von Asien nach Amerika vollziehen wir mit der USA-Immigration bei der Zwischenlandung in Guam. Eine sehr effiziente Möglichkeit, in die USA einzureisen, die ich jedem empfehlen kann. In Guam machen wir die Immigration ohne Gepäck, das direkt nach Honolulu geht. Dort müssen wir nur noch die ausgefüllte Zolldeklaration beim Verlassen des Flughafens abgeben. Bei jeder Tür nach der Entgegennahme des Gepäcks in Honolulu warte ich ständig auf die «richtige» Immigration, bis ich fast von den Taxis überfahren werde.

Zu den Flügen ist zu sagen, dass das erste Leg mit Asiana super ist: Service, Essen, Pünktlichkeit. Die weiteren beiden Legs mit UA – kein Kommentar. Bis auf die Bemerkung, dass ich noch nie eine so unfreundliche und fast bösartige Flight Attendant erlebt habe. Und für jegliche Snacks muss natürlich extra gezahlt werden…

Die Ankunft im Land der unendlichen Kalorien feiern wir standesgemäss mit einem richtigen Burger – herrlich! Anschliessend erkunden wir die Shoppingmeile entlang des Waikiki Beaches. Endlich in einem Land mit originalen Produkten. 😛 Somit kann ich auch mein iPhone im Apple-Shop (gratis) reparieren respektive reinigen lassen. So dass es mindestens bis zum Ende unserer Reise durchhält.

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Natürlich geniessen wir auch den Strand als solches. Mir gefallen vor allem die grossen Wellen und die Wellenbrecher, auf denen man das Treiben bestens verfolgen kann. Auch wenn dabei die Füsse durch die zahlreichen Muscheln schön verschnitten werden. Wir geniessen Strand und Meer mit einem herrlichen Relax-Tag. Dass er dann nicht ganz so relaxt endet, liegt an einer kleinen Unachtsamkeit meinerseits.

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Beim letzten Sprung vom Wellenbrecher vergesse ich, meine Sonnenbrille festzuhalten. Natürlich ist sie beim Auftauchen nicht mehr auf meinem Kopf. Trotz sofortigem Beizug einiger Japanischer Spezialtaucher gelingt es mir nicht, die Brille zu lokalisieren. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich nur Minuten vorher eine Sonnenbrille eines anderen Badegastes aus den Fluten gerettet hatte. Ich entschliesse mich zu einem Notfallkauf eines Billig-Schnorchelsets und nehme die Bergung in die eigenen Flossen. Nach stundenlanger Suche und einem veritablen Sonnenbrand (wie bei einem Scherenschnitt sieht man die Stellen, die ich vergessen hatte, einzucremen) muss ich bei Einbruch der Dunkelheit alle Rettungsbemühungen abbrechen. Rest in Peace, Oakley.

Als positiv denkender Mensch sehe ich in einem solchen Unfall immer die Chancen auf einen Neuanfang. Nach einer wohltätigen Spende fürs Hilfswerk Sunglass Hut darf ich nun das neuste Oakley-Modell mein Eigen nennen, das sich inzwischen bereits erfolgreich bewähren durfte.

Den ersten Teil Oahu beschliessen wir mit einem Nachtessen im Hard Rock Cafe, bevor wir vorerst nach Maui weiterziehen.

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Hanoi

Als asiatische Grossstadt ist Hanoi vergleichbar mit den anderen Stationen, die wir bereits bereist haben. Somit wollen wir die Stadt auch eher als Ausgangspunkt für Exkursionen nutzen sowie noch ein paar Sehenswürdigkeiten mitnehmen. Am ersten Abend besuchen wir den Markt, wo man von der gefälschten Rolex über Gewürze bis hin zu allerlei lebenden Tieren alles bekommt. Unter anderem werden wir Zeugen eines Forschmassakers, als eine Bestellung live geköpft und im Handumdrehen gehäutet wird – speziell.

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Am ersten Tag buchen wir eine Tour zur sogenannten Inland-Halong-Bucht: In etwa zwei Stunden Fahrt bringt uns ein Privatbus (wir waren die einzigen Gäste an diesem Tag) ins Landesinnere zu einem einmaligen Höhlensystem im Wasser. Die touristische Nutzung wurde vor einiger Zeit von der Regierung an ein Privatunternehmer abgetreten. Dieser engagiert nun die gesamte Bevölkerung eines nahen Dorfes, um die Touristen mit Ruderbooten (da Naturschutz) durch das Höhlensystem zu kutschieren. So werden wir in zwei gemütlichen Stunden durch die etwa zehn Höhlen geführt und müssen uns teilweise stark verrenken, um nicht die wunderbaren Stalaktiten zu küssen.

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Sowohl vor als nach der (richtigen) Halong-Bucht wählen wir das Hilton Garden Inn. Ein grosser Pluspunkt ist die Waschmaschine, welche gratis benutzt werden darf. Dass anschliessend sämtliches Mobiliar im Zimmer als Wäscheständer fungiert, gibt ihm die richtige Backpacker-Note: Lampenschirme, Fernseher, Stühle – alles wird zugehängt.

Die abendlichen Joggingtouren zeigen mir weitere Facetten von Hanoi: Hahnenkampf in der Strasse, Schlägerei wegen eines angeblich gestohlenen Motorrades und traumhafte Sonnenuntergänge mitten in der Grossstadt. Lustig ist auch, «gegen» die kämpferischen Vietnamesen zu laufen: Typischerweise laufen sie mit einer langsameren Pace, so dass ich häufig im Slalom unterwegs bin. Einige können es jedoch nicht verkraften, überholt zu werden und zünden den Zwischenturbo, sobald ich auf gleicher Höhe bin. Ich mache mir jeweils ein Spiel daraus und laufe mit gleichmässiger Pace gemütlich weiter, bis sie final einbrechen. 😛 Ich erlebe auch schöne Begegnungen, beispielsweise mit einem Studenten, der täglich läuft und mangels lokaler Konkurrenz sich gerne joggenden Touristen anhängt. Wir liefen anschliessend ein Stück gemeinsam zurück Richtung Hotel und haben uns nett unterhalten. Ich finde es stets speziell, einem sympathischen Menschen auf Wiedersehen zu sagen, obwohl man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiss, dass man ihn nie mehr trifft im Leben.

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Am Abreisetag wollen wir uns nochmals die volle Dröhnung Vietnam geben und den angebeteten Ho Chi Minh persönlich besuchen. Dieser liegt nämlich seit dem Tod – entgegen seines Wunsches – einbalsamiert und aufgebahrt in der ehemaligen Hauptstadt im Norden des Landes. Das Mausoleum ist kostenlos und wird überwiegend von Einheimischen besucht – entsprechend dünn gesät sind die englischen Beschilderungen. So ist es für uns nicht ganz einfach, den richtigen Eingang zu finden, anschliessend an die Sicherheitskontrolle werden wir jedoch gefühlt alle zwei Meter von einem Sicherheitsangestellten oder Soldaten sicher ins Ziel geführt.

Die Kleidervorschriften sind strenger als anderswo und Fotografieren strikt untersagt. Auch sprechen darf man nicht beim alten Herrn, sonder brav in Zweierreihe vorbeigehen, ohne stehen zu bleiben. Da wir um 8:00 Uhr zu den ersten Besuchern zählen, müssen wir praktisch nicht anstehen, so dass unser Anstehen/Besichtigen-Verhältnis nicht allzu schlecht ausfällt – auch wenn die Besichtigungsdauer maximal 15 Sekunden dauert (einmal um den Glassarg herum). Irgendwie ein sehr eigenartiges Erlebnis aber trotzdem besuchenswert. Anschliessend besuchen wir auch noch das direkt daneben befindliche Museum, wo nochmals dem grossen Führer gehuldigt wird und sehr stark national gefärbt die Geschichte seiner Herrschaft erzählt wird. Architektonisch und ausstellungstechnisch sehr schön und sehenswert, wobei die Vietnamesen auch hier stark in der Überzahl sind.

Dass ich mich geistig voll im Ferienmodus befinde, habe ich eindrücklich bewiesen: Beim Flug von Halong über Seoul und Guam nach Honolulu habe ich die Daten inklusive Datumsgrenze nicht allzu klar studiert. Somit haben wir mit der Ankunft am 12. August geplant, in Wirklichkeit werden wir aber bereits am 11. in Hawaii sein. 🙂 Besser so als umgekehrt und ein weiterer «geschenkter» Tag. Ein Hotel für die Zusatznacht haben wir noch vor dem Abflug in Hanoi gebucht.

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Halong-Bucht

Einmal mehr haben wir uns nicht mit der Budget-Option begnügen wollen und buchen das Rundum-Luxus-Paket, um die weltbekannte Halong-Bucht zu erkunden. Ausgangs- und Endpunkt der Reise ist Hanoi, wo wir mit einem Luxus-Van abgeholt werden, um in knapp vier Stunden nach Halong zu fahren. Im Terminal werden die Touristen auf die Schiffe aufgeteilt und nach kurzer Wartezeit dürfen auch wir die «Dragon Legend» boarden.

Wir haben uns für die 3-Tage-2-Nächte-Tour entschieden, da uns bei kürzeren Varianten die Anfahrt nach Halong verhältnismässig als zu lange erschien. Und wir bereuen diesen Entscheid keine Minute: Die Landschaft ist atemraubend, die Verpflegung und der Komfort an Bord exzellent und das Programm äusserst vielseitig. Insgesamt sind 34 Touristen und ebensoviel Personal auf dem Schiff.

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Während den drei Tagen gibt es zahlreiche Stopps in malerischen Buchten – stets umgeben von den weltbekannten Felsformationen, welche die Halong-Bucht so bekannt und einmalig machen. Vielmals hat es auch kleine, flach abfallende Sandstrände, die herrlich zum Baden einladen. Und zweimal dürfen wir auch Zeugen eines extrem kitschigen Sonnenuntergangs werden und diesen mit Kamera und einem kühlen Bier in der Hand geniessen.

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Gefreut habe ich mich auch auf die diversen Kayak-Touren – teilweise geführt und teilweise frei. Silja findet auch schnell grossen Gefallen daran und so machen wir von jeder Kayak-Möglichkeit Gebrauch. Wir erkunden damit Höhlen, einsame Buchten, verlassene Strände und allerlei Fauna – allen voran Krabben, die hier mit violetten Scheren auftrumpfen.

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Zu Fuss erkunden wir auf einer Insel eine Höhle, die vor einigen Jahren noch von der lokalen Bevölkerung bewohnt wurde. Inzwischen hat die Regierung jedoch das ganze Gebiet unter Naturschutz gestellt, so dass es verboten ist, die Inseln zu bewohnen oder zu bewirtschaften. Seitdem wohnen die verbleibenden Bewohner in schwimmenden Fischerdörfern. Ein Grossteil zog jedoch aufs Land, wo ihnen im Rahmen eines Umsiedlungsprojekts gratis Wohnraum, Gesundheitsversicherung und Schulbildung für die Kinder offeriert wird.

Negativ überrascht hat mich die starke Wasserverschmutzung in der ganzen Halong-Bucht: Überall schwimmt Plastik und Styropor, zudem ist das Wasser sehr trüb und zusätzlich mit viel organischem Schwemmgut gesättigt. Der Plastik und das Styopor kommt von der lokalen Bevölkerung, die nicht über die Folgen der Verschmutzung aufgeklärt ist und bedenkenlos ihren Abfall ins Wasser schmeisst.

Am letzten Tag besuchen wir ein solches Fischerdorf und werden in Bambusbooten durch das Areal kutschiert. Neben der Infrastruktur lernen wir auch über die Bemühungen, die Bevölkerung auf das Thema Verschmutzung zu sensibilisieren. In den gesponsorten Dörfern wird aktiv das Wasser gesäubert und der Abfall – sowohl eigener als auch «gefischter» – nach Möglichkeit sachgerecht verbrannt oder mittels Sammeltransporten aufs Festland gebracht. Hoffen wir, dass das Problem eingedämmt und die bestehende Verschmutzung in Zukunft beseitigt werden kann. Es wäre zu schade um diese einmalig schöne Region!

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Viel zu schnell sind die Tage auf dem Wasser – übrigens ohne Internet und Telefonempfang – vorüber gegangen. Schon wieder müssen wir unseren Luxusdampfer verlassen und werden mit einem Zwischenstopp nach Hanoi gefahren. Beim Zwischenstopp in einem typisch vietnamesischen Bauerndorf, das für den Tourismus hergemacht wurde, sehen wir ein Wasser-Puppentheater sowie eine kurze Demonstration der traditionellen Reisernte und -verarbeitung.

Zurück im Grossstadtdschungel vermisse ich die Natur und unsere interessanten Kayaktouren bereits und lasse die super Tage nochmals Revue passieren.

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Hue

Nach der abenteuerlichen Zugfahrt (knapp drei Stunden für etwa 100 Kilometer) fahren wir in der Kaiserstadt Hue ein. Und schon wieder erwischt uns ein inoffizieller Taxifahrer, der sich als Mitarbeiter des lokalen Tourismusbüros ausgibt. Allzu bös werden wir dann aber schlussendlich doch nicht abgezockt und erreichen unser Hotel auf direktem Weg.

Die Hotelanlage ist wunderschön gemacht und alleine schon einen Besuch von Hue wert. Die gesamte Anlage ist wie ein kleines Dschungeldorf mit einzelnen Bungalows konzipiert mit Pools, Restaurants und Bars dazwischen – wirklich idyllisch. Aber natürlich sind wir nicht (nur) wegen dem Hotel gekommen, sondern wegen den zahlreichen Bauwerken aus der Kaiserzeit.

Noch am selben Abend nehmen wir den Hotelshuttle in die Stadt und finden ein feines Restaurant. Anschliessend erkunden wir die zahlreichen Gassen mit Restaurants, Bars, Shops und Marktständen. Entlang des Flusses finden wir eine Fussgängerzone (sehr hoher Seltenheitsfaktor in Asiens Städten!) mit Nachtmarkt. Die historischen Bauwerke sparen wir uns für den nächsten Tag auf.

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Am Morgen wollen wir es wissen: Wir mieten uns einen Motorroller für unseren Erkundungstag. Bereits am Vortag konnten wir die Verkehrssituation kurz analysieren und zusammen mit der dezentralen Lage der einzelnen Sehenswürdigkeiten erscheint uns dies als effizienteste Lösung mit sehr hohem Spassfaktor. Bei der Übernahme des Gefährts zeigt sich sowohl der asiatische Pragmatismus, als auch der Geschäftssinn: Ausweise müssen wir keine zeigen und auch sonstige Sicherheiten braucht es nicht. Jedoch wird uns der Motorroller mit komplett leerem Tank übergeben, so dass wir genau 100 Meter zur nächsten Tankstelle fahren können. Offensichtlich wird abends bei Rückgabe jeweils das Restbenzin abgelassen und für eigene Zwecke gebraucht oder verkauft.

Zuerst fahren wir zur Zitadelle, einem riesigen Areal mit zahlreichen Bauwerken und dem eigentlichen Kaiserpalast. Die Navigation und das Adaptieren des lokalen Verkehrregelverständnisses geht erstaunlich gut und wir sehen während des Tages mitten im Pendlerstrom noch weitere bemerkenswerte Motorradtransporte: Von Kleinkindern, die stehend vor der Mutter mitfahren bis zum lebenden Huhn wird alles auf zwei Rädern transportiert.

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Leider ist ein Grossteil der Bauwerke im Zitadellen-Perimeter verfallen oder von Kriegen zerstört worden. Zurzeit sind jedoch rege Renovationsarbeiten im Gange. Und die erhaltenen Bauwerke rechtfertigen einen Besuch alleweil: Palast, Mandarinhalle oder Theater sind gut erhalten und stellen auf zahlreichen Tafeln wertvolle Zusatinformation zur Verfügung.

Anschliessend satteln wir wiederum unser Stahlross und fahren zur Thien Mu Pagoda. Schön über dem Fluss gelegen und gut erhalten ein lohnenswerter (und kostenloser) Besuch. In der sengenden Mittagshitze kämpfen wir uns ein Monument weiter: zum Grab von Thu Duc. Zurzeit sind grosse Renovationsarbeiten im Gange und das Wasser des Sees ist beinahe vollständig abgelassen. Wir können uns jedoch vorstellen, wie schön der Park nach Vollendung aussehen wird und die Gräber können wir trotzdem besichtigen.

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Vor dem Nachtessen planen wir noch eine richtige Easy-Rider-Tour nach Osten ans Meer. Weg von den Standard-Touristenpfaden erreichen wir eine kleine Ortschaft mit schönem Sandstrand. Viele Vietnamesen geniessen ihren Feierabend badend oder in einer der zahlreichen Garküchen am Strand sitzend. Wir entscheiden uns, noch während der Dämmerung fürs Nachtessen zurück nach Hue zu fahren. Auch die letzte Fahrt zurück zum Hotel überstehen wir unbeschadet und sind um ein weiteres Kapitel Asiatischer Reiseerfahrung reicher.

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Hoi An

Nach der Grossstadthektik ist es schön, aufs Land zu fliegen. Am Flughafen werden wir bereits von unserem persönlichen Fahrer erwartet. Wir haben uns etwas gegönnt und ein 5-Sterne-Hotel direkt am Strand gebucht. Beim Check-in sind wir jedoch etwas erstaunt, als wir erfahren, dass wir eine Suite gebucht haben. Dies passierte «aus Versehen», als wir die Daten nochmals änderten. Na dann lassen wir uns einmal überraschen…

Das Zimmer ist ja grösser als meine Wohnung in Belgrad! Zwei Toiletten und das Bett sowie eine Badewanne mit direkter Meersicht sind nur einige Indikatoren, um eure Phantasie anzuregen. Wie es bezüglich Hotel weiter geht: Wir empfinden den Service höchstens als knapp 4-Sterne-würdig und abgesehen von den Räumlichkeiten bekommen wir nicht, wofür wir bezahlen. Anstatt die Faust im Sack zu machen (oder später ein vernichtendes Review auf TripAdvisor abzugeben), wenden wir uns direkt an den General Manager – respektive dessen Ferienvertretung. Der Australier Tony empfängt uns und hört sich unsere Beanstandungen an. Er zeigt grosses Verständnis (hat die Punkte selbst so erlebt und empfunden) und geht nicht nur auf unsere Verbesserungswünsche und den Rabatt ein, sondern packt noch einiges oben drauf. Schlussendlich nächtigen wir in der Suite für den Preis des Doppelzimmers, wie ursprünglich geplant. Stimmt so für uns. 😉

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Da fürs Meer eine Quallenwarnung aktiv ist, steige ich nur zögerlich in die Fluten. Dafür beobachten wir am Strand mehrere Krabben, die auf Quallen reiten und sich so offensichtlich vor Feinden schützen. Neben dem Strand (der seit zwei Taifunen jedoch praktisch nicht mehr existiert) und der Hotelanlage sind wir vor allem wegen der Altstadt von Hoi An gekommen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Und so nehmen wir am Abend den Hotelshuttle und lassen uns ins Zentrum fahren. In der Tat ist die Altstadt – vor allem abends – wunderschön: Überall Lampione und andere leuchtenden Verzierungen. Und dies inmitten des historischen Stadtkerns mit den ursprünglichen Gebäuden.

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Daneben ist Hoi An aber bereits sehr zur Touristenmeile verkommen. Überall wird man angesprochen, um vom traditionellsten Restaurant, der günstigsten Happy Hour oder der besten Massage zu profitieren. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Schneidereien, die in der Seidenhauptsadt allgegenwärtig sind. Wir lehnen dankend ab und gönnen uns ein Glacé mit Blick auf den kleinen Fluss, in dem zahlreiche Glückslaternen schwimmen.

Am nächsten Tag sehen wir das Städtchen auch noch bei Tag und besuchen einige Tempel und alte Wohnhäuser, die noch immer bewohnt sind. Alles in allem ein pitoresker Ort, den man gesehen haben sollte und zudem bei Asienreisen als guter Kontrastpunkt zu den verschmutzten und chaotischen Grossstädten erscheint.

Die nächste Etappe wollen wir per Zug zurücklegen – von Da Nang nach Hue. Somit habe ich via Webshop der Staatsbahnen zwei Billette gekauft und per E-Mail angewiesen, diese uns ins Hotel zu liefern. Und trotz meiner gesunden Portion gut schweizerischer Skepsis hat es bestens geklappt!

Vorher geht es aber noch für eine Nacht ein paar Kilometer nordwärts von Hoi An nach Da Nang. Wiederum haben wir uns für ein Strandhotel entschieden und werden beim Check-in abermals überrascht: Dieses Mal ist eine stündige Massage in unserem Zimmerpreis enthalten. Welch freudige Überraschung, die wir an diesem Ruhetag liebend gerne annehmen. Nach Bad im Meer, Geniessen der Poollandschaft und einer entspannenden Massage nehmen wir ein Taxi Richtung Zentrum und speisen in einem Restaurant, das bezüglich Preis/Leistung-Verhältnis alles Bisherige in den Schatten stellt. Vor allem der Kellner ist derart motiviert und zuvorkommend, dass wir uns bestens aufgehoben fühlen. Als er abschliessend sagt, dass dies sein zweiter Arbeitstag sei und noch eine Bewährungsprobe anstehe, sind wir ziemlich erstaunt. Ein nettes E-Mail an seinen Chef und eine positive Online-Bewertung ist ihm von unserer Seite sicher.

Zurzeit sind wir noch daran, die Details zu Hanoi, Halong und Hawaii zu buchen. Für Hanoi/Halong haben wir eine super 3-Tages-Cruise gebucht und freuen uns bereits riesig auf die weltbekannten Felsformationen im Wasser. Da wir den asiatischen Grossstädten ein wenig überdrüssig sind, haben wir den Weiterflug nach Hawaii um zwei Tage vorverschoben und dementsprechend Hanoi verkürzt. Ein Vorteil unseres flexiblen Around-the-World-Tickets. Als wir nun die Hotels und Touren in Hawaii planen, bleibt uns ob des Preisniveaus kurz die Luft weg: Einerseits haben wir uns preismässig auf Asien eingeschossen und andererseits scheint in Hawaii – entgegen Asien – zurzeit noch Hochsaison zu herrschen. Aber wie habe ich es so schön von Papi gelernt: «Was nichts kostet, macht keine Freude!» 🙂

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Mit dem Notebook auf dem Schoss sitze ich im Zug, während wir gemütlich über den Wolkenpass tuckern. Neben der fast stündigen Verspätung unterscheidet sich auch die Aussicht markant vom SBB-Streckennetz: Statt der Kirche von Wassen bewundern wir Traumstrände und unberührte Wälder. Statt Kühen auf Bergwiesen Wasserbüffel im – Wasser (logisch). Zusammen mit «Railway TV» im «Bordunterhaltungssystem» und dem lieblichen Duft von Durian in der Nase ein wahrhaftig exotisches Abenteuer!

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Ho Chi Minh City (Saigon)

Die Busfahrt von Phnom Penh nach Ho Chi Minh City ist eine super Gelegenheit, Land und Leute zu bestaunen. Vor allem mit was und wie die Leute auf den Strassen unterwegs sind, sorgt auch ausserhalb der Stadt immer wieder für Erstaunen und Lacher meinerseits. Das wir bisher noch nicht Zeugen eines Unfalls wurden (mitunter auch mit Selbstbeteiligung), grenzt für mich an ein kleines Wunder.

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Das Hotel erreichen wir ab der Busstation zu Fuss und – oh Wunder! – es ist sogar bereits fertig gestellt. 😉 Auf den ersten Blick scheint es in Vietnams zweigrösster Stadt noch mehr Motorräder als in Phnom Penh zu haben, jedoch ist die Staubbelastung nicht ganz so dramatisch. Müde von der Busfahrt gönnen wir uns ein feines Nachtessen im Hard Rock Cafe, wo ausnahmsweise eine lokale Coverband live aufspielt. Diese ist erstaunlich gut und wir lassen den Abend mit guter Musik und einem lokalen Bier ausklingen.

Am ersten Tag besuchen wir das Kriegsopfermuseum mit spannenden Ausstellungsstücken – unter anderem eine ganze Armada an Fluggeräten und Panzern um das Gebäude. Im Gebäude wird chronologisch die Geschichte Vietnams seit dem Status als französische Kolonie erzählt. Selbstverständlich ist die Erzählung extrem vietnamesisch gefärbt und es wird vor allem auf die Kriegsverbrechen der USA sowie die Langzeitfolgen von Agent Orange eingegangen. Interessant, spannend, traurig und auf jeden Fall einen Besuch wert.

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Auch am zweiten Tag bleibt unser Fokus auf dem Vietnamkrieg: Wir haben eine Tour zu den Cu Chi Tunnels per Speed-Boot gebucht. In etwa 90 Minuten geht es auf dem Saigon River direkt von der Stadt hinaus zum Tunnelgelände. Der Vorteil der morgendlichen Tour per Speedboat ist, dass man vor allen Bustouren ankommt und somit die Ausstellung ohne grossen Andrang erleben kann.

Unsere sehr kompetente Führerin zeigt uns nach einer kurzen Einführung an den diversen Ausstellungsposten direkt im Dschungel, wie die Tunnels entstanden, wie die Leute darin lebten und kämpften, wie sie geschützt und verteidigt wurden. Als Höhepunkt dürfen wir bis zu 100 Meter unterirdisch im Tunnelsystem zurücklegen. Dabei muss gesagt sein, dass dieser Abschnitt extra für (westliche) Touristen ausgebaut – sprich vergrössert – wurde. In den ursprünglichen Abmessungen hätte eine westliche Durchschnittsperson nicht durchgepasst – weshalb die Amerikaner während dem Krieg auch Spezialeinheiten mit indogenen Völkern für den Tunnelkampf aufgestellt hatten.

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Das Schöne an so langen Ferien ist auch, dass man nicht jeden Tag volles Programm haben muss, um ja nichts zu verpassen. Auch einen Tag relaxen, die Ferien bei einem guten Kaffee oder kalten Bier geniessen und ein spannendes Buch lesen – das ist Lebens- und Ferienqualität! An einem solchen Tag liegt dann auch noch der Zoo drin, dessen Anlage zwar sehr weitläufig ist, was jedoch nicht für die Tierkäfige gilt. Witzig ist der Affenkäfig: Die Jungen passen durch die Gitterstäbe und vergnügen sich auch ausserhalb, was ein paar herzige Schnappschüsse erlaubt.

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Bereits bei unserer Reiseplanung bemerkten wir, dass die Regensaison während unserem Aufenthalt bereits beginnt. Dies haben wir nun vereinzelt zu spüren bekommen. Beispielsweise während meinem gemütlichen Abendjogging im mörderischen Verkehr von Ho Chi Minh City. Ich spüre zuerst einige Tropfen und sehe den Himmel dunkel werden. Auf einmal füllt sich der Bürgersteig mit Mopedfahrern, die anhalten und den Regenschutz montieren. Ich weiche im Zick-Zack aus und bahne mir meinen Weg, kurz bevor der wolkenbruchartige Regen auf mich niederprasselt. In Sekunden bin ich bis auf die Haut nass und auch die Socken bleiben in den knöcheltiefen Sturzbächen, die sich überall bilden, nicht verschont. Da es nach wie vor warm ist und die Luft sogar etwas gewaschen wird, geniesse ich auch die zweite Hälfte meines Aquajoggings.

Am letzten Tag planen wir nochmals Action – wiederum per Speed-Boat. Nachdem die Tour ins Can-Gio-Naturschutzgebiet bereits ausgebucht ist, entscheiden wir uns fürs Alternativprogramm Mekong-Delta. Wir werden nicht enttäuscht – im Gegenteil: Dank einer wiederum super lokalen Führerin ist der ganze Tag extrem spannend. Wir lernen viel über das normale Leben auf dem Land, die Gepflogenheiten und Traditionen. Auf verwundenen Kanälen geht es ins Herz des Mekong-Deltas und wir erreichen Dörfer, die man mit den Bustouren nicht sieht, da diese vor allem auf den ausgelatschten Touristenpfaden stattfinden.

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Auch die Hin- und Rückfahrt ist sehr kurzweilig, da wir an den Ufern und im Wasser immer wieder Sehenswertes entdecken. Zusammen mit den interessanten Hintergrundinfos von Hang, unserer Führerin, können wir uns einen super Eindruck über Land und Leute machen. Wir besuchen Tempel, ein Waisenhaus, einen lokalen Markt oder ein Dorf, das sich ganz der Herstellung von Anti-Insekten-Räucherstäbchen verschrieben hat (was man bereits aus einem Kilometer Entfernung riecht).

Spannend ist auch der Besuch einer Familie auf dem Land, welche Pythons zum späteren Verkauf züchtet. Sehr eindrücklich, so ein 60-Kilogramm-Exemplar zu berühren und sogar über die Schultern zu legen.

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Heute geht es per Flugzeug weiter nach Danang, wobei wir anschliessend direkt nach Hoi An weiterreisen. Dort lassen wir uns von der Altstadt, die seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe ist, während zweier Tage verzaubern.

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Phnom Penh

Diesmal sind wir nicht zu früh am Flughafen. Trotzdem ist das Check-in bei unserer Ankunft noch geschlossen. Da es nur ein Inland-Flug ist, läuft alles kurzfristiger – aber trotzdem pünktlich. Nach einem kurzen aber schönen Flug landen wir in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh.

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Die Taxi-Situation gestaltet sich nicht so «sauber» wie in Siem Reap: Wir müssen uns direkt an einen Fahrer wenden. Trotzdem erhalten wir einen vernünftigen Preis zu unserem Hotel, das Silja bereits vorgängig basierend auf Online-Reviews und Bildern gebucht hat. Diese Buchungsgrundlagen werden sich noch rächen…

Voller Freude erfahren wir beim Check-in, dass wir in die Residential Suite upgegradet wurden. Das Zimmer präsentiert sich sehr modern und man «riecht sogar noch die Baustelle». Etwas komisch mutet zwar die fehlende Tür ins Badezimmer und die Nichtexistenz sämtlicher Dusch- und Badevorhänge an, doch als «High-end Backpacker» (in diesem Kontext liegt die Betonung auf «Backpacker») wollen wir ja nicht kleinlich sein.

Als wir jedoch in der Nacht mehrmals dehydriert aufwachen und uns wie Dörrpflaumen im Backofen fühlen, kommen erste Zweifel auf. Wir könnten die Hitze zwar mit der Klimaanlage bekämpfen, was aber starke Lärmemissionen zur Folge hätte. Endlich Morgen, freuen wir uns auf das ausgiebige Frühstücksbuffet gemäss Beschrieb – zu früh gefreut, Fehlanzeige! Wir dürfen zwar zwischen Nudeln und Spaghetti und Schwein oder Geflügel wählen, mehr ist aber nicht drin. Auch scheinen wir die einzigen Gäste zu sein und die Online-Reviews entpuppen sich allesamt als Fakes (Frühstücksbuffet, Shop in der Lobby, Frühstück auf dem Dach beim Pool, etc.)

Wir beschliessen, das Hotel nach bereits einer Nacht (statt den reservierten drei Nächten) zu wechseln. Nach intensivem Gespräch mit dem Receptionist, der dabei mehrmals ins Büro des General Managers (GM) muss und sozusagen als Brieftaube fungiert, können wir uns durchsetzen. Schlussendlich zeigt sich dann auch noch der GM und wir führen ein freundliches Klärungsgespräch. Online haben wir bereits ein Hotel zwei Blocks weiter gebucht und ziehen zu Fuss um. Dort werden wir keine 30 Minuten seit unserer Buchung bereits erwartet und herzlich empfangen.

Kurz Gepäck deponieren und los geht unsere Entdeckungstour im Tuol-Sleng-Genozid-Museum. Das ehemalige Gymnasium wurde nach Machtübernahme der Roten Khmer in ein Foltergefängnis verwandelt und dient heute als Museum mit Gedenkstätte. Man sieht Zellen, Gebeine, Gegenstände und erfährt mittels Texttafeln, Fotos und einem Film mehr über Hintergründe und die bewegte Geschichte Kambodschas im Allgemeinen. Traurig, schockierend und zum Nachdenken anregend. Die Präsentation und das Erlebnis als Museum könnten jedoch noch verbessert werden.

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Phnom Penh ist extrem chaotisch und ziemlich dreckig. Dies erleben wir auch auf dem Markt, wo vor allem im Lebensmittelteil allerlei Zeugs feil geboten wird, das bei uns nicht unbedingt auf dem Speiseplan landen würde. Trotzdem genehmigen wir uns einen Snack und lassen uns auf ein paar Experimente ein, die wir nicht bereuen. Am Abend werde ich dann richtig mutig und bestelle zum Dessert einen Durian-Shake. Während Silja die «Stinkfrucht» wörtlich nicht riechen kann, finde ich es eine durchaus valable Alternative im sonst eher eintönigen Shakemarkt.

An unserem letzten vollständigen Tag in Kambodschas Hauptstadt planen wir den Königspalast zu besichtigen, verpassen es jedoch zwei Mal aufgrund der Öffnungszeiten: Der Eingang des Palasts wird sowohl morgens als auch nachmittags jeweils vor der eigentlichen Schliessungszeit bereits zu gemacht. Das Alternativprogramm stellt sich jedoch als sehr viel interessanter heraus: Wir besuchen die sogenannten «Killing Fields», welche einige Kilometer ausserhalb Phnom Penhs liegen. Unser Stamm-Tuk-Tuk-Fahrer hat uns langsam lieb und spendiert uns für die 40-minütige Staubtherapie diese chicen Masken.

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Die Masken in Kombination mit Sonnenbrille helfen, uns sterile Bünzlibürger vor der rauhen kambodschanischen Wahrheit zumindest soweit zu beschützen, so dass wir nicht hustend und tränend die ganzen Eindrücke verpassen. Diese sind vor allem bezüglich motorisierter Fortbewegungsmittel mannigfaltig. Ein Auszug dessen, was ich mit eigenen Augen gsehen habe: Moped mit fünf Personen; Auto (normales Coupé) mit über 10 Personen (konnte nicht genau zählen); Krankentransport mit Moped, wobei Infusionsbeutel von Hilfsperson hochgehalten wird.

Die Killing Fields sind extrem bedrückend. Mittels gratis Audio-Guide wandelt man durch die Exekutionsplätze und vorbei an Massengräber, um so die Geschichten dort zu erfahren, wo sie vor 40 Jahren geschehen waren. Wenn man hört, dass ein Viertel der damaligen Bevölkerung – sprich drei Millionen Menschen – durch das eigene Volk ausgelöscht wurde, kann man dies fast nicht begreifen. Doch wenn man dann noch erfährt, wie brutal die Folter- und Tötungsmethoden gewesen waren und wie willkürlich die Opfer ausgewählt wurden, dann wird es umso unbegreiflicher. Nicht zu sprechen vom Fakt, dass die Roten Khmer um Pol Pot lange nach ihrer Schreckensherrschaft von einem Grossteil der westlichen Welt als die rechtsmässigen Herrscher Kambodschas angesehen wurden und für Kambodscha in der UNO sassen.

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Zum Nachtessen gehen wir an den Nachtmarkt im Norden der Stadt und stellen uns wiederum ein abenteuerliches Menü zusammen. Auf die frittierten Frösche verzichten wir hingegen – die scheinen uns eindeutig zu fettig zu sein. 😛

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Für den Dessert geht es in eine nahe gelegene Frozen-Yogurt-Bude. Mit einem sündigen Becher im klimatisierten Lokal sitzend und die Ferien geniessend sehen wir einen kleinen Jungen mit Bauchkiosk herein kommen. Ziemlich konzept- und lustlos sitzt er herum und kommentiert die Rechenkünste des Verkäufers, ohne wirklich aktiv zu betteln. Trotzdem tut er uns irgendwie leid und Silja ergreift die Initiative, ihm einen Becher Eis zu kaufen. Seine Augen glänzen, als er sich den Dessert zusammen stellen und anschliessend geniessen darf. Und im Gegensatz zum Geld, das er zuhause abgeben muss, darf er das Eis behalten.

Wir sind in Phnom Penh ziemlich selten zu Fuss unterwegs. Einerseits ist es sehr heiss, andererseits die Tuk Tuks schön günstig. Aber auch sonst ist das Konzept «Gehen» nicht wirklich in der Stadt angekommen. Es gibt zwar Trottoirs, jedoch sind diese häufig von Tuk Tuks, Mopeds oder Garküchen zugestellt, so dass man auf die Strasse ausweichen muss und dabei unweigerlich in Gefahr läuft, das staubige Zeitliche zu segnen. Zudem gibt es einige Bäume, welche die vorgesehenen Gehwege säumen. Diese sind jedoch nur bis «Asiatenkopfhöhe» freigeschnitten, so dass zumindest eine Hälfte unserer Reisegruppe sich ständig bücken muss (Hinweis: Es ist nicht Silja).

Mit dem Vietnam-Visa aus Bangkok und dem Busticket von Sapaco Tourist im Sack machen wir uns nun auf zur Busstation für die sechsstündige Fahrt über die Grenze.

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