Unterschiede IV: Abfalltrennung

Eine Abfalltrennung, wie sie in der Schweiz propagiert und gelebt wird, existiert hier überhaupt nicht. Alles wird in den gleichen Eimer geworfen: Papier, Küchenabfälle, PET, Dosen, Glas, etc. Auch gibt es keine Kehrichtsackgebühren, sondern wird dies über die Steuern finanziert.

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Die eigentliche Abfalltrennung findet jeweils in den Containern statt und wird durch die unterste Bevölkerungsschicht vorgenommen. Wie in anderen Ländern mit einem (relativ) schlechten Sozialsystem bestreiten auch hier in Belgrad einige ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln von ausgewähltem Abfall – namentlich Karton, PET oder Getränkedosen. Nicht zu sprechen von den armen Teufeln, die in den Containern nach Essbarem oder in Aschenbechern nach verwertbaren Zigarettenstummeln suchen…

Ich kann und will mich aber überhaupt nicht beklagen. Das System funktioniert und ich muss nicht zig parallele Abfallgefässe in meiner kleinen Küche bereit halten.

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Roadtrip

IMG_1017Bisher war ich stets mit dem Taxi unterwegs, da ich über keinen fahrbaren Untersatz in Belgrad verfügte und die öffentlichen Verkehrsmittel hier seeehr zeitraubend sind. Um dies zu ändern, plante ich von Anfang an, meinen Skoda aus der Schweiz zu überführen. Der Autofachmann und erprobte Rallye-Beifahrer SF erklärte sich spontan einverstanden, mich bei diesem Unterfangen zu assistieren. Und so machten wir uns vergangenen Samstag auf die 1’248 Kilometer lange Reise.

Wir teilten die Reise auf drei Tage auf, ohne genau zu wissen, wo unsere Etappen enden werden. Mit Ausnahme der ersten Nacht, für die wir uns im Vorfeld in Ljubljana im Hotel Cubo (sehr zu empfehlen!) eingemietet hatten. Die erste siebenstündige Etappe verlief ziemlich ereignislos. Bis auf einen kurzen Stau rund um Bregenz waren wir zeitweise beinahe alleine auf den Autobahnen. Zwecks Fütterung des Beifahrers mussten jedoch einige Boxenstopps in Kauf genommen werden.

IMG_1021In Ljubljana angekommen, machten wir uns nach kurzer Dusche auf Futtersuche. Mit Tipps der lokalen Rezeptionistin und einem Stadtplan bewaffnet, zogen wir los. Eigentlich wäre Dorfplan eher angebracht, denn die pittoreske Hauptstadt von Slowenien erscheint eher kleindimensioniert – im sehr positiven Sinn! Die über der Altstadt thronende Burg wird in der Nacht in den verschiedensten Farben beleuchtet und wirkt dadurch umso imposanter.

IMG_1022Die zahlreichen Fussgängerbrücken über die Ljubljanica in der Altstadt und die beiden Gassen entlang des Flusses waren durch und durch mit Weihnachtsständen versehen. Und so starteten wir mit zahlreichen Glühweinen in den Abend. Nachdem wir beim ersten Geheimtipp keinen Tisch mehr bekamen, versuchten wir das Glück am zweiten Ort und wurden fündig.

Am nächsten Morgen testeten wir ausgiebig das Morgenbuffet und nahmen uns anschliessend Zeit, die Burg zu besuchen. Der Ausblick vom Burghügel ist super, leider vermieste uns das Wetter die erhoffte Weitsicht. Das nächste Etappenziel hatten wir am Vorabend mit einer Hotelbuchung in Zagreb besiegelt und so ging es auf die knapp zweistündige Fahrt.

Skoda verstaut, frisch geduscht und ab auf Glühweinjagd. Wie bereits in Ljubljana war einiges los im Stadtkern und so fiel es uns leicht, Tranksame aufzuspüren. Die anschliessende Essenssuche gestaltete sich leicht schwieriger, aber machbar.

Am Montag folgte – wiederum nach ausgiebigem Frühstück – die letzte Etappe nach Serbien. Die Passkontrolle an der EU-Aussengrenze gestaltete sich als völlig unproblematisch – die Autobahn-Bezahlstationen waren mühseliger.

Doch nun folgte fahrtechnisch der wohl schwierigste Teil der ganzen Reise: Zuerst der Stadtverkehr in Belgrad auf den nicht mehr ganz so schönen Strassen und anschliessend das Einparken Einzirkeln des Autos in die super-enge Garage. Sogar der ausgewiesene Fahrspezialist SF zollte dem Unterfangen Respekt. Schlussendlich schafften wir es, den Kombi über den Garagenlift in die Liftgarage zu quetschen.

IMG_1028Und seit gestern geht’s nun auch mit dem Auto zur Arbeit, wo mir ein viel komfortablerer Parkplatz zur Verfügung steht. Einige sprechen sogar von VIP. 😉

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Unterschiede III: Rauchen

In Serbien darf überall und jederzeit geraucht werden. Dies als markanter Unterschied zur Schweiz, wo Rauchen mittlerweile fast militant bekämpft und von Gesetzes wegen verboten wird. So ist es in Belgrad praktisch nicht möglich, auswärts essen (McDonald’s zählt nicht!) oder ein Bier trinken zu gehen, ohne dass man anschliessend nach Rauch stinkt. Störend finde ich es vor allem beim Essen, wo hier hemmungslos zwischen und während den Gängen gepafft wird.

Wie selbstverständlich Rauchen hier ist, wurde mir bei meiner heutigen Serbischlektion einmal mehr vor Augen geführt. Bei einer Übung zum Thema “Hrana i piće” (Essen und Trinken) waren unter anderen folgende Gegenstände im Buch aufgeführt: Pepeljara (Aschenbecher), Cigarete (Zigarette) und Upaljač (Feuerzeug). Sachen gibt’s…

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Einrichtungsarbeiten

Obwohl ich bereits seit über zwei Wochen in meiner kleinen aber feinen Wohnung in Belgrad lebe, bin ich bisher nicht dazu gekommen, diese abschliessend einzurichten. Ich hatte zwar das Nötigste zum (Über-)Leben, jedoch fehlte es da und dort noch an Grundlegendem – allen voran in der Küche. Nicht ganz uneigennützig zählte ich bei der Behebung dieses Missstandes auf die gutmütige Unterstützung durch Silja.

Und so nutzten wir ihren Besuch dieses Wochenende für ausgiebige Einrichtungs- und Umräumarbeiten. Als erstes zogen wir mit ihren Ideen und meiner Kreditkarte durch die Läden und kümmerten uns um die Zutaten für die anschliessenden Arbeiten in der Wohnung. Neben einer Kaffeemaschine, zusätzlichem Geschirr und Besteck landeten Steckerleisten, Gewürze, Lebensmittel, Kleiderhaken, Waschmittel und Abfalleimer im Einkaufswagen.

Was folgte war ein Wirbelwind unter der Leitung von (und mehrheitlichen Ausführung durch) Silja: Teppiche wurden weggeräumt, Einrichtungsgegenstände und Geschirr ersetzt und die Küche komplett umgekrempelt. Das Resultat kann sich sehen lassen: Die Wohnung ist gemütlicher und zweckmässiger eingerichtet. Auch wenn ich in den kommenden Tagen möglicherweise zum Telefon greifen muss, da ich einen Gegenstand an seinem angestammten Ort nun nicht mehr finde.

IMG_0963Nächste Woche wird durch den Vermieter noch das Sofa durch ein Bettsofa ersetzt, so dass ich vorübergehendem Besuch in Belgrad Unterschlupf gewähren kann. Und vielleicht hänge ich früher oder später auch noch das eine oder andere irritierende Bild ab… 🙂

 

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Unterschiede II: Dampfabzug

Dass ein nicht allzu leistungsfähiger Dampfabzug in Kooperation mit einer nicht Teflon-beschichteten Bratpfanne einem den Durchblick vernebeln kann, wurde mir letzte Woche bewusst.

Der Dampfabzug in meiner Belgrader Wohnung ist zwar mindestens genauso laut wie derjenige in der Schweiz, aber die Abzugsleistung scheint höchstens einen Bruchteil davon zu betragen. Auch ein zusätzlich angekipptes Küchenfenster mag die Leistungsdifferenz offensichtlich nicht auszugleichen.

Als ich mich dann zusätzlich einer Gusseisen-Bratpfanne behändigte und auf dem Gasherd mit der Zubereitung feiner Pouletbrüsten begann, schwante mir noch nichts Böses. Ein wenig Öl zum Anbraten und ab die Post. Ich war darauf bedacht, nichts anbrennen zu lassen und kümmerte mich parallel um die Beilagen.

Als ich nach erfolgtem Kampf mit dem fertig zubereiteten Nachtessen in die Stube zwecks Verzehr desselben kam, musste ich mich erst einmal zum Tisch vortasten. Die extreme Rauchentwicklung war mir während dem Kochen leider nicht aufgefallen, doch nun war Extremlüften und dosierter Einsatz von Lufterfrischer-Spray zur Schadenbekämpfung angesagt.

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Woche 1

Nun liegt bereits eine volle Arbeitswoche in Belgrad hinter mir, die zusammengefasst alle meine Erwartungen übertroffen hat.

Als ich vor genau einer Woche den schönen Spätsommertag nutzte, um eine ausgedehnte Joggingtour um den Sava Lake zu machen, gingen mir einige Gedanken über den kommenden Montag und die erste Woche durch den Kopf: Habe ich alles vorbereitet? Kommen die Notebooks rechtzeitig an? Wie viel Improvisation ist nötig? Klappt alles bezüglich Büro – sowohl im Temporären als auch der Ausbau des Definitiven? Habe ich die Mitarbeiter noch alle richtig in Erinnerung? Wann beginnt das erste Kundenprojekt? Wie schnell lebe ich mich in der neuen Umgebung ein?

Nach einer Woche kann ich eine überaus positive Bilanz ziehen. Meine Erwartungen – vor allem in Bezug auf die Mitarbeiter und das Team – wurden grösstenteils übertroffen. Dass auch bereits einige Herausforderungen gemeistert werden wollen, macht das “Abenteuer” noch spannender und herausfordernder. Langweilig ist es mir in der ersten Woche auf jeden Fall nie geworden.

Und um eine der oben genannten Fragen zu beantworten: Die Notebooks sind zwar bereits in Belgrad, jedoch nach wie vor nicht in unserem Besitz…

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Unterschiede I: Früchte wägen im Supermarkt

Zumeist sind es kleine aber feine Unterschiede, die das Leben eines Expats zusätzlich zu erschweren wissen. Eine Auswahl der diesbezüglichen schweizerisch-serbischen Unterschiede möchte ich hier in loser Folge präsentieren und beginne mit der profanen Tätigkeit des Wägens von Gemüse oder Früchten im Supermarkt.

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Beim letzten Einkauf gönnte ich mir ein paar (eigentlich: Paar, da es genau genommen zwei waren) Golden-Delicious-Äpfel. Sauber in ein Plastiksäckchen verpackt (ja, die sind hier hoffentlich noch lange legal) und ab zur Waage. Die Nummer vom Schild hatte ich mir natürlich gemerkt. Genau genommen die verschiedenen Nummern. Erster Versuch mit der am plausibelsten erscheinenden Nummer: Der resultierende serbische Früchtenamen korrelierte aber leider nicht mit dem Schild. Nach einem hilf- und erfolglosen zweiten Versuch kam mir schliesslich eine Angestellte zur Hilfe und tippte einen völlig anderen (aber korrekten) Code ein.

Mit scharfem Beobachten anlässlich meines nächsten Einkaufs merkte ich, dass die gestrige Hilfe nicht etwa ein glücklicher Zufall war: Alle Kunden liessen die Nummer von der netten Dame eintippen. Diese Profi-Früchte-Wägerin (siehe Foto) ist somit Teil der Einkaufsdienstleistung und die richtigen Nummern der Kundschaft gar nicht bekannt.

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Phonetische Schreibweisen

In der heutigen Serbischlektion kam die Tatsache zur Sprache, dass im Serbischen nicht nur Länder- und Ortsnamen, sondern auch Personennamen phonetisch geschrieben werden. So wird aus Zürich “Cirih”, aus New York “Njujork” oder aus der Schweiz “Švajcarska”.

Meinen ganz persönlichen Favoriten hatte ich aber bereits auf einem Filmplakat in Belgrad entdeckt:

DzoniDep

Džoni Dep!

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Antiquiertes Arbeitsrecht

Dass das veraltete Arbeitsrecht in Serbien eines der akutesten Probleme für Unternehmen darstellt, wurde uns anlässlich den Besuchen von mehreren Seiten gesagt. Am eigenen Leib erfahren habe ich es nun beim Erstellen der Arbeitsverträge und aller darum herum benötigter Reglemente, Erlasse, Hinweise und Zertifizierungen.

Zahlreiche Telefonate und ein reger Mailverkehr mit unserem Anwalt vor Ort waren nötig, um die ersten fünf Arbeitsverträge unter Dach und Fach zu bringen. Doch heute war es endlich soweit und der ansehnliche Stapel Papier konnte verschickt werden.

Contracts

Eher witzig muteten zwingende Passagen im Arbeitsvertrag an, die offensichtlich noch aus der Kriegszeit stammen: Somit muss einem Arbeitnehmer für eine Blutspende zwei Tage Urlaub gewährt werden. Zum Glück lässt die menschliche Blutproduktion keine Spende alle vier Tage zu…

Mit den Arbeitsverträgen ist nun ein weiterer, sehr wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum ersten Arbeitstag in Belgrad gelegt. Es wird immer konkreter und die Vorfreude steigt!

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Erste Serbischlektion

Soeben beendete ich meine erste Serbischlektion via Skype. Über das InterNations-Forum wurde ich auf ein Kennenlern-Angebot aufmerksam: e-word bot zu ihrem Jubiläum zehn Gratislektionen via Skype an. Diese Chance packte ich im Rahmen meiner Vorbereitung beim Schopf und schrieb mich ein.

Somit genoss ich heute von 21:00 – 22:00 Uhr meine erste Anfängerlektion zusammen mit Melissa – einer Philippinerin, die mit einem Serben verheiratet ist. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es um die Personalpronomen, wo bereits eine erste Spezialität lauerte: Für Gruppen gibt es drei verschiedene Varianten. “Oni”, wenn mindestens ein Mann dabei ist (Patriarchalismus lässt grüssen ;)). “One” für eine reine Frauengruppe und “Ona” für eine “geschlechtslose” Gruppe.

Für mich war alles komplett neu, inklusive Betonung der einzelnen Buchstaben im serbischen Alphabet (ja, auch dieses war neu für mich…). Hoffnungsvoll stimmte mich hingegen die Tatsache, dass die Betonungsregel sehr einfach sei: Die einzelnen Buchstaben werden stets gleich ausgesprochen, egal wo und in welcher Kombination sie im Wort stehen.

Nach dem Benennen erster Gegenstände und dem Konjugieren des Verbs “sein”, fühlte ich mich am Ende der Lektion erst einmal wieder so richtig an den Anfang einer (hoffentlich steilen) Lernkurve zurückversetzt.

In diesem Sinne: Ja sam Oliver, ja nisam iz Srbije!

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